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Aber gegen falschen Investor
Stadt will das Bahnhofsgebäude nicht kaufen

409 000 Euro verlangt die Bahn für das stadtbildprägende Zweibrücker Hauptbahnhof-Gebäude.
409 000 Euro verlangt die Bahn für das stadtbildprägende Zweibrücker Hauptbahnhof-Gebäude. FOTO: Jan Althoff
Zweibrücken. Es bleibt eine Illusion, dass Zweibrücken das Bahnhofsgebäude erwirbt und dorthin das Behördenzentrum Max 1 nebst Tourist-Info verlagert. Stadtsprecher Heinz Braun nennt dafür viele Gründe. Und die Gewobau hält die Kaufpreisforderung der Bahn für überhöht. Von Eric Kolling

Die Stadtverwaltung wird die Idee nicht verfolgen, das zum Verkauf stehende Bahnhofsgebäude selbst zu erwerben. Einen Kauf hatte SPD-Stadtrat Dirk Schneider in der Mai-Ratssitzung angeregt. Seine Idee: Man könnte dort das Behördenzentrum Max 1 unterbringen, das derzeit zur Miete in der Maxstraße 1 ist. Vor allem die Tourist-Info wäre im Bahnhof ideal untergebracht. Bürgermeister Christian Gauf (CDU) antwortete, die Stadt prüfe einen Kauf.

Stadtsprecher Heinz Braun berichtet jetzt auf Merkur-Anfrage, dass die Stadttochter Gewobau bereits vor Schneiders Sitzungsvorschlag entsprechende Möglichkeiten ausgelotet habe. Allerdings sei man zu dem Schluss gekommen, dass die vom Immobiliendienstleister der Deutschen Bahn aufgerufenen 409 000 Euro zu hoch seien. Das habe die Gewobau auch der Bahn mitgeteilt. Welche Summe angemessen wäre, habe man nicht aufgeführt. Gewobau-Geschäftsführer Rolf Holzmann war die letzten beiden Tage für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Zusätzlich zum Kaufpreis müsste die Stadt „viel Geld in Sanierung oder innere Umgestaltung stecken“, erinnert Braun, dass es nicht bei den 409 000 Euro bleiben würde. So sei es etwa nötig, Strom und Wasser vom Bahnnetz ab- und an die öffentlichen Leitungen anzuschließen. Eine nicht nur die Stadt als theoretischen Käufer betreffende „gewisse Problematik“ sieht Braun darin, dass etwa der Bahnsteig Bahnbesitz bleibt. Sollte dort etwa eine Kneipe errichtet werden, könnten Tische oder Stühle nicht einfach so auf den Bahnsteig gestellt werden, so Braun. Gäbe es dort eine offene Tür, könnte jeder ins Gebäude – beispielsweise bei einem privatwirtschaftlich betriebenen Büro ein Problem. Als Wohnung sei es allein schon wegen der ebenerdigen Fenster, durch die jeder hereinschauen könnte, ungeeignet.



Alles in allem sei man nicht darauf bedacht, diese Idee weiterzuverfolgen und diesbezüglich eine Anfrage an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier zu stellen. Diese müsste einen Kauf als freiwillige Aufwendung der Stadt ohnehin extra absegnen, erinnert Braun. Allerdings sei man in puncto Bahnhofsgebäude „sehr wohl darauf bedacht, dass keine Dinge geschehen, die gegen unseren Willen sind“. Schließlich ist dieses Eintrittstor zu Zweibrücken stadtbildprägend. „Es gibt für uns Möglichkeiten, regulierend einzugreifen. Wenn ein privater Investor mit einem sinnvollen Konzept da ist, würden wir das begrüßen. Es gibt aber auch ein, zwei Investoren, die die Stadt lieber nicht hätte“, so Braun, ohne Namen zu nennen. Mit Besitzern von Schrottimmobilien, etwa dem „Taubenhaus“ in der Zweibrücker Poststraße, macht die Verwaltung seit Jahren schlechte Erfahrungen, ohne eine Handhabe gegen die Leerstände zu haben. Das soll beim Bahnhofsgebäude nicht passieren. Vier Interessenten gibt oder gab es, berichtet Braun.

Bahn-Sprecher Thomas Bischoff sagt dazu nur: „Wir sind mit verschiedenen Leuten im Gespräch, aber noch nicht in der konkreten Phase.“ Wie lange die Verhandlungen sich noch hinziehen, könne er nicht sagen. Das Gebäude sei weiter in der Ausschreibung, werde allerdings nicht mehr im Internet inseriert. Die Gespräche seien schon „erfolgversprechend“. Bischoff weist auch die Gewobau-Feststellung zurück, 409 000 Euro Kaufpreis seien zu hoch. „Das ist der marktübliche Preis etwa aufgrund der Bodenrichtwerte“; so Bischoff. Auch die Bahn habe ein Interesse daran, dass der künftige Mieter und seine Pläne sich gut in den Stadtentwicklungsplan fügten. „Man muss schauen, wie die Entwicklungspläne für das Gebäude mit denen der Stadt zusammenpassen.“