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Streit um Parken an Hochschule
Stadt im Abschlepprausch?

Parkende Autos in der Pennsylvania-Straße.
Parkende Autos in der Pennsylvania-Straße. FOTO: Andy Enderlin
Zweibrücken. 130 mal hingen im vergangenen Jahr in der Stadt falsch geparkte Autos am Haken eines Abschleppunternehmens. Lediglich in drei Fällen handelte es sich um Autos, die an der FH standen. Damit widerspricht die Stadt Anwohnern, die ein zu rigoroses Vorgehen kritisieren. Von Mathias Schneck

Geht die Stadtverwaltung zu streng gegen Autofahrer vor, die rund um die Hochschule in Zweibrücken ihr Auto nicht korrekt parken? „Ja“, sagen einige Anwohner, die bei unserer Zeitung vorstellig geworden sind. „Nein“, entgegnet das Rathaus auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Diskussion um Falschparker rund um die FH brandete Ende Februar im Stadtrat auf, als dort über die geplante Erweiterung der Hochschule abgestimmt wurde (der Rat gab einstimmig grünes Licht für den Bau eines Biotechnologie-Zentrums an der FH, wir berichteten). In dieser Sitzung wurde eine schriftliche Stellungnahme des Ordnungsamtes zur Parksituation an der Hochschule bekanntgegeben. „Wir haben bereits jetzt ein immenses Problem mit den im kompletten Umfeld der Hochschule parkenden Studenten. Sie parken dort alle Straßen zu und oftmals zum Teil auch verkehrswidrig und behindernd. Unsere Hilfspolizeibediensteten sind dort täglich im Einsatz und oftmals müssen wir sogar abschleppen lassen.“ Für den Neubau müssten also auch „dringend ausreichend Parkplätze“ vorgesehen werden, hieß es in der Stellungnahme. Im Anschluss an die Berichterstattung unserer Zeitung meldeten sich verärgerte Anwohner. „Abzocke“ sei es, was die Stadt rund die Hochschule betreibe; „es wird viel zu schnell abgeschleppt“, lautete ein anderer Vorwurf von Lesern.

Heinz Braun, Sprecher der Stadtverwaltung, kontert dies auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir hatten im gesamten vergangenen Jahr 130 Abschleppvorgänge. Davon waren 78 ,vollendet’, das heißt, in diesen Fällen standen die abgeschleppten Autos auf dem Hof des Abschlepp-Unternehmens. In den anderen 52 Fällen kamen die Fahrer des Autos gerade noch rechtzeitig, da war das Auto quasi schon ,am Haken’“, sagte Braun. Lediglich in einem einzigen Monat wurde 2017 an der Hochschule abgeschleppt: im April. Und zwar drei Mal. Der Stadtsprecher merkt an, es könne wohl kaum von „Abzocke“ rund um die Hochschul-Parkplätze gesprochen werden, wenn von insgesamt 130 Abschleppvorgängen in einem Jahr lediglich in drei Fällen dort eingeschritten werde. Auch in diesem Jahr sei die Situation an der FH keineswegs herausragend. 2018 habe die Stadt bislang rund 40 mal abgeschleppt (22 Fälle davon waren „vollendet“), in keinem einzigen Fall sei an der FH abgeschleppt worden. Übrigens: Wenn „vollendet“ abgeschleppt wird, kostet das den Betroffenen rund 300 Euro, wenn er noch rechtzeitig hinzustoße, müsse er zirka die Hälfte zahlen – das Abschleppunternehmen macht auch in diesem Fall Kosten geltend.



Braun sagt mit Blick auf lediglich drei abgeschleppte Fahrzeuge in der Zeit von Januar 2017 bis Mitte März 2018: „Das ist mit Sicherheit nicht dramatisch!“ Die Erfahrung des Ordnungsamtes sei, dass gerade zu Beginn eines Semesters konsequent durchgegriffen werden müsse, weil die Studenten dann rund um die Hochschule teilweise chaotisch parkten. „Wenn dann einmal abgeschleppt wurde, haben es die Studenten gelernt“, ist sich der Stadtsprecher sicher.

Gibt es in der Rosenstadt besonders kritische Punkte, was das Abschleppen anbelangt? „Ein Problemfall ist die Straße Winkel am Wall“, sagt Braun. Bei dieser Straße (wenn man die Fruchtmarktstraße entlang fährt, führt sie hinter der „Spielothek“ rechts in Richtung Krankenhaus) werde öfter geparkt. „Obwohl dort ein Schild mit der Aufschrift ,Feuerwehrzufahrt’ steht“, sagt Braun. Bislang habe das Ordnungsamt dieses Problem nicht so intensiv auf dem Schirm gehabt. Aber dann, nach dem Brand am Nardini-Klinikum im vergangenen Jahr sei die Feuerwehr, die in den Winkel am Wall einschlagen wollte, um zum Brandort zu gelangen, auf parkende und die Wehr behindernde Autos gestoßen. „Seit diesem Vorfall kontrollieren wird dort täglich. Und schleppen seitdem dort konsequent ab“, warnt der Stadtsprecher. In diesem Jahr hätten die Abschleppunternehmer bereits in acht Fällen Autos an den Haken gesetzt.