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Ausbildung international
Sprach- und andere Barrieren gemeistert

 Nadja Leiskau (von links), Ana Juan, Joan Bonet und Sarah Stark freuen sich über die bestandene Gesellenprüfung zu Hotelfachleuten.
Nadja Leiskau (von links), Ana Juan, Joan Bonet und Sarah Stark freuen sich über die bestandene Gesellenprüfung zu Hotelfachleuten. FOTO: cvw
Zweibrücken. Die beiden Mallorciner Ana Juan und Joan Bonet haben in Zweibrücken die Gesellenprüfung zu Hotelfachleuten bestanden. Von Cordula von Waldow

  „Wir sind solz, wie die Spanier!“, frohlocken Sarah Stark, Projektleiterin MobiPro EU im CJD Homburg und Nadja Leiskau, Leiterin des Hotels Rosengarten am Park in Zweibrücken. Sie strahlen mit Ana Juan (26) und Joan Bonet (24) um die Wette. Die beiden Mallorciner haben jetzt ihre dreijährige Ausbildung als Hotelfachleute im Rosengartenhotel bestanden.

Eine enorme Herausforderung für die beiden jungen Menschen. Sie kamen über das MobiPro EU Projekt, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie der Agentur für Arbeit, nach Deutschland, um hier eine qualifizierte gastronomische Ausbildung zu absolvieren. „Als Erste haben sie nicht nur durchgehalten, sondern den Gesellenabschluss erreicht“, erklärt Sarah Stark. Ein enormes Geschenk für die beiden engagierten Ausbilderinnen und ein besonderer Höhepunkt zum 40-jährigen Jubiläum des Christlichen Jugenddorfs Homburg.

2015 begann die anerkannte Bildungseinrichtung mit den MobiPro-EU-Maßnahmen. Eine Weiterentwicklung auf die Integration und Ausbildung der Flüchtlingsströme. Frankreich erwies sich damals nicht als die passende Zielgruppe, doch dann kamen Menschen aus Italien, Spanien oder Ungarn in die Saarpfalz. Sarah Starks Idee, mit einer deutschen Sprachschule auf der Ferieninsel Mallorca zu kooperieren, eröffnete ungeahntes Potenzial. Die 35-Jährige lacht: „Der Schulleiter ist Saarländer.“ Zehn Anläufe in der Gastronomie gab es allein mit dem Zweibrücker Hotel. „Wir haben im engen Austausch mit Sarah Stark gemeinsam an dem Konzept verbessert, um die Auszubildenden zu unterstützen“, bestätigt Nadja Leiskau. Immer wieder motivierten die beiden Frauen nicht nur die Gast-Auszubildenden und ihre Teams, sondern auch sich gegenseitig.



Die größte Hürde stellt die Sprache dar, gefolgt von einer Grundkenntnis über die jeweils fremde Kultur. Selbst nach sechs Monaten Intensivkurs Deutsch mit B1-Abschluss im Heimatland und einem vierwöchigen gastronomischen Praktikum sind die ersten Schultests mit Fachfragen, die in eigener Formulierung schriftlich zu beantworten sind, eine enorme Herausforderung.

Statt kleinerer Klassen hält sie die internationale Ausbildung auch für die Lösung der Zukunft. So sei auch die Zadra-Gruppe mit den beiden Hotels Rosengarten am Park und Landschloss Fasanerie dabei, neue Ausbildungskonzepte zu entwickeln und eine gezielte Sprachförderung für alle  ausländischen Mitarbeiter anzubieten. Aktuell beschäftigt allein das Rosengartenhotel Menschen aus zehn Nationen.

Die Ausbilderinnen zollen ihren mutigen und motivierten Schützlingen großen Respekt. Die beiden Junggastronomen haben die Zeit trotz aller Herausforderungen und intensiver Arbeit sehr genossen. „Wir haben viel unternommen, Deutschland ist wunderschön“, schwärmt das Pärchen. Heidelberg, Rothenburg ob der Tauber, die Moselstädtchen, aber auch Straßburg und das benachbarte Elsass oder Luxemburg haben die beiden besonders begeistert.

Dank ihrer gastronomischen Vorerfahrung, Ana Juan stammt aus einer mallorcinischen Gastronomenfamilie, fiel ihnen der Umgang mit den Gästen leicht, die Arbeit macht Spaß. Das Hotel profitierte davon, seinen zahlreichen südamerikanischen Gästen jetzt mit Spanisch sprechendem Service ein Stückchen Heimatgefühl zu vermitteln.

Ana Juan und Joan Bonet finden es spannend, neue Menschen, viele neue Kulturen und Sprachen kennen zu lernen. „Die Kollegen haben uns sehr unterstützt. Einige sprechen jetzt ein bisschen Spanisch“, beschreibt die frisch gebackene Hotelfachfrau. Zur Freude der Ausbilder, beenden beide die Sommersaison noch in ihrem Ausbildungsbetrieb. Ob sie dann in die Heimat zurückkehren, den Winter auf einem Kreuzfahrtschiff oder im Skigebiet verbringen, steht noch nicht fest.

„Wir bleiben am Ball“, versprechen Sarah Stark und Nadja Leiskau unisono. Da sich das CJD über das geförderte Bundesprogramm von der Wohnung über einen spanisch sprechenden Deutschlehrer bis zur Autoanmeldung um alles kümmert, kann sich das Hotel ganz auf seine fachliche Aus- und eine sprachliche Fortbildung konzentrieren. Bei den beiden Frauen fliegt demnächst der Champagnerkorken. „Das war unsere Challenge: Wenn es uns gelingt, dass jemand seine Prüfung besteht, gibt es Champagner.“ Jetzt können sie gleich den Doppelerfolg feiern.

Sarah Stark freut sich über weitere Erfolgsgeschichten in ihrem MobiPro-EU-Projekt. So konnte sie den fahrradbegeisterten Ivan Alcolea bei Radsport Sieber in Zweibrücken unterbringen, wo er Fahrradmechatroniker lernt. „Sascha Sieber fährt mehrmals im Jahr auf Mallorca. So haben sich die beiden dort kennen lernen können“, staunt sie über die Zufälle des Lebens. Der Clou war Kristina Spasova. Die gebürtige Bulgarin aus Mallorca zog als zahnmedizinische Fachangestellte bei Klaus Wöschler in Zweibrücken ihre Abschlussprüfung vor und plant jetzt, in Spanien Medizin zu studieren.