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Sonnenkinder
Ein besonderer Ort zum Trauern

Sven Schmidt lässt die Urne mit den Sonnenkindern in die Erde. Die begleitenden Worte sprachen Pfarrerin Ursula Müller (vorne rechts) und Gemeindereferentin Monika Schmidt.
Sven Schmidt lässt die Urne mit den Sonnenkindern in die Erde. Die begleitenden Worte sprachen Pfarrerin Ursula Müller (vorne rechts) und Gemeindereferentin Monika Schmidt. FOTO: Susanne Lilischkis
Zweibrücken. Auf dem Zweibrücker Waldfriedhof fand vergangenen Freitag die Urnenbeisetzung der Sonnenkinder statt.

„Herr, wir stehen vor Dir mit unendlich leeren Händen.“ Mit diesen Worten begann die ökumenische Trauerfeier zur Urnenbeisetzung der Sonnenkinder. So werden die Kinder genannt, die nie das Licht der Welt erblickten, Fehlgeburten mit einem Gewicht unter 500 Gramm. Unter diesem Geburtsgewicht können Föten nicht in einem Einzelgrab bestattet werden. Seit 2009 gibt es für sie auf dem Waldfriedhof den Sonnengarten, eine Grabstätte für Babys, die vor ihrem Geburtstermin gestorben sind. Dort ist die Bestattung kostenlos.

Die Sonne, die für die Kinder nie schien, spiegelt sich in der Grabfeldgestaltung, im großen Gedenkstein und in der Pflanzung wider. Wege und Pflanzflächen stellen die Strahlen der Sonne dar. Der Förderverein Sonnengarten kümmert sich um den Erhalt des Grabfeldes und lädt jedes Jahr zu der Trauerfeier ein. „Für manche Eltern ist es wichtig, eine Stätte zum Trauern zu haben“, sagt Gudrun Ecker vom Förderverein Sonnengarten, der diese besondere Grabstätte vor rund neun Jahren ins Leben gerufen hat.

In der mit einer großen gelben Sonne und hellen Blüten dekorierten Trauerhalle des Waldfriedhofes sprach Pfarrerin Ursula Müller von der zerstörten Hoffnung und dem Ausdruck „guter Hoffnung sein“, der sich für die Betroffenen ins Gegenteil verkehrt hat. „Die Sehnsucht nach dem Kind bleibt. Sie ist auszuhalten und kann nicht weggeredet werden“, gab sie den Anwesenden mit.



Sehnsucht lässt sich, genauso wie Trauer, nicht wegbefehlen. Mit diesen Gefühlen müssen die Betroffenen zurechtkommen. Manchmal ein Leben lang. Gekommen waren etwa 35 Trauergäste, ganze Familien oder einzelne Frauen. Gemeinsam mit Pfarrerin Ursula Müller sprach die Gemeinde den Psalm 121 „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“.

Nach der Predigt wurde für jedes verstorbene Kind eine kleine Kerze angezündet und das Lied „Sonnenkinder weinen nicht“ von Andrea Martin gespielt. Danach ging die Trauergemeinde zum Grabfeld, wo die Urne mit den sterblichen Überresten der Sonnenkinder in die Erde eingelassen wurde.

Eine strahlende Herbstsonne beschien die immer noch reichlich blühenden Blumen des Urnengrabfeldes. Kerzenhalter in Form von Sonnenblumen mit einem Teelicht darin wurden verteilt. So konnte jeder seinen persönlichen Abschied am Grab nehmen und ein Licht anzünden für das kleine Leben, das nicht mehr unter uns ist. Nach der offiziellen Trauerfeier verweilten die Menschen noch eine Weile am Grab und gedachten ihrer verstorbenen Kinder.