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„Mir schlan hier neue Seite uff! Statt e Möbelhaus liewer e Puff!“
Sonne strahlte mit Narren um die Wette

Die Stadtpolitiker können wieder regieren: Bürgermeister Christian Gauf (Mitte links mit schwarzer Wuschelhaarperücke und Zylinder) nahm den überdimensionalen Rathausschlüssel von KVZ-Sitzungspräsidentin Heike Förch und den Tollitäten im Gefolge entgegen.
Die Stadtpolitiker können wieder regieren: Bürgermeister Christian Gauf (Mitte links mit schwarzer Wuschelhaarperücke und Zylinder) nahm den überdimensionalen Rathausschlüssel von KVZ-Sitzungspräsidentin Heike Förch und den Tollitäten im Gefolge entgegen. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Über 15 000 Besucher beim Zweibrücker Fastnachtsumzug. 800 Teilnehmer aus 30 Vereinen und Gruppen zogen durch die Stadt. Von Fritz Schäfer

Seit dem Rathaussturm am 13. Januar regierten die Narren 31 Tage lang die Stadt. Doch sie hätten nicht bewiesen, dass es besser können als die Verwaltung, meinte Bürgermeister Christian Gauf (CDU) bei der Übergabe des Stadtschlüssels nach dem Fastnachtsumzug: „Die Kasse ist immer noch leer.“ Und auch wenn er am späten Abend das Rathaus selbst zuschließen musste, weil kein Narr mehr im Rathaus war, dankte der Bürgermeister den organisierten Fastnachtern für ihre Mühen.

Die Sitzungspräsidentin des Karnevalvereins Zweibrücken (KVZ), Heike Förch, gab den Schlüssel „schweren Herzens“ zurück. Sie gestand auch ein, dass das Stadtsäckel noch leerer sei als vorher. „Sorgt dafür, dass im nächsten Jahr Geld drin ist“, gab Förch der Verwaltung zum Ende der närrischen Zeit eine Aufgabe mit.

Bei der Schlüsselübergabe waren auch genügend Kommunalpolitiker dabei, die sich die Aufforderung der KVZ-Sitzungspräsidentin zu Herzen nehmen könnten. Die Schwarzen von der CDU und die Roten von der SPD grüßten beim Umzug die Schaulustigen von ihren beiden Wagen mit „Allez hopp!“ und Süßigkeiten. „Die schmeiße das Zeug jo mit zwee Händ’ raus. Wenn sie das mit dem Geld genau so mache, dann . . .“ – die Folgerung ließ Förch dann den Zuhörern.



Wobei Förch meinte, dass die Zweibrücker im vergangenen Jahr brav gewesen seien. „Was han mir für ein Wetter. Das han mir uns verdient.“ Und so strömten wieder Massen von Fastnachtsfreunden aus Zweibrücken und Umgebung zum Umzug. „Es sind 12 000. Ich han die all gezählt“, sagte Förch. „Nee 30 000“, wurde ihr aus dem Hintergrund entgegengehalten. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren es zwischen 15 000 und 20 000. Schon in der Dr.-Ehrensberger-Straße standen die ersten kleinen Clowns, Prinzessinnen, Ritter, Cowboys oder Zauberinnen. In der Saarlandstraße standen die Narren bereits in Zweier- und Dreierreihen.

In Berlin wollen CDU und SPD zusammen regieren. Beim Zweibrücker Umzug waren die beiden Parteien auch recht nah zusammen. Da stand nur der Motivwagen des Karnevalvereins Zweibrücken zwischen der Großen Koalition: Der KVZ hatte zumindest auf einem Foto den Zweibrücker „Wassermann“, Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD), mit dabei – eine Anspielung auf Pirmanns Einsatz für die Stadt am Wasser.

Im Vorgriff auf Klein-Venedig am Bleicherbach nahmen Fritz Schaumburger, Fabio Tablito und Nicole Fritz als Trocken-Gondoliere beim Umzug teil. „Wir sind die Vorhut. Wenn die Stadt am Wasser richtig kommt, kommen noch mehr von uns“, versprach Schaumburger. Machte sich die Gruppe Gedanken um die Fortführung des Projekts am Wasser, hatten die lila gewandeten Mitglieder von Gemeinsamhandel in ihrem überdimensionalen Buch einen Vorschlag für die Stadt: „Mir schlan hier neue Seite uff! Statt e Möbelhaus liewer e Puff!“

Neben dem KVZ ist der Umzug auch für die übrigen karnevalistischen Vereine „eine Pflichtveranstaltung“, erklärte Förch. So waren neben den Roten auch die Grünen von der Club-Gemeinschaft Hasensteig (CGH), den Schwarz-Weißen des Humoristischen Fasenachtsvereins (HFZ) mit ihren großen Gardegruppen, die Blauen von der FZG Wolfsloch und die Zweibrücker Fasenachts-Freunde (ZFF) mit Dutzenden Aktiven dabei. Die Fasenachts-Freunde schlossen den Umzug wieder als Zugent(d)e. ab.

„Wir trainieren schon für den Mai“, meinte der Trainer der B-Klasse Mannschaft des TSC Zweibrücken, Hans-Jürgen Tüllner. Wenn die Jungs weiter so spielten, wie sie feierten, sollte die Meisterschaft drin sein. Die D-Jugend des JFV Zweibrücken hat ganz große Pläne. Die Jungs von Trainer Stefan Schäfer wollen das Stadion des FC Kaiserslautern übernehmen. Als rollendes Stadion im Miniformat hatten sie es beim Umzug schon mal dabei.

Wie seit einigen Jahren waren die Ernstweiler FCK-Fans zusammen mit dem Caritas-Förderzentrum Zweibrücken auf einem großen, behindertengerecht hergerichteten Lkw dabei. Die Stadtkapelle führte den närrischen Lindwurm an, gefolgt von Rosenkönigin Dina Beckmann. Vor dem Zugende sorgten die Rodalber Hexen mit ihrer Guggemusik für Stimmung. Dazwischen hatten die Schwarzen Husaren Kleinsteinhausen für das Publikum stimmungsvolle Fastnachtsmusik dabei. Laut Polizei gab es, auch nach dem Umzug, keine größeren Zwischenfälle.

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Die CGH-Lollypops freuten sich tierisch auf den Umzug durch die Zweibrücker Innenstadt.
Die CGH-Lollypops freuten sich tierisch auf den Umzug durch die Zweibrücker Innenstadt. FOTO: Volker Baumann
Das Zugende bildete die Zug-Ente der Zweibrücker Fasenachts-Freunde.
Das Zugende bildete die Zug-Ente der Zweibrücker Fasenachts-Freunde. FOTO: Volker Baumann
Gut drauf: Die HFZ-Funkengarde.
Gut drauf: Die HFZ-Funkengarde. FOTO: Volker Baumann
Die „Tandemhexen“ auf ihrem Flug durch die Saarlandstraße.
Die „Tandemhexen“ auf ihrem Flug durch die Saarlandstraße. FOTO: Volker Baumann
Die Stadtkapelle am ZOB.
Die Stadtkapelle am ZOB. FOTO: Volker Baumann
Die Gondoliere Fritz Schaumburger, Fabio Tablito und Nicole Fritz (v. re.).
Die Gondoliere Fritz Schaumburger, Fabio Tablito und Nicole Fritz (v. re.). FOTO: Volker Baumann
„Gemeinsamhandel“ präsentierte eine neue Idee zur Stadtentwicklung.
„Gemeinsamhandel“ präsentierte eine neue Idee zur Stadtentwicklung. FOTO: Volker Baumann
Kasperltheater? Nein, Fritz Presl.
Kasperltheater? Nein, Fritz Presl. FOTO: Volker Baumann
Buntes Vergnügen in Schwarz-Weiß.
Buntes Vergnügen in Schwarz-Weiß. FOTO: Volker Baumann