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Oberbürgermeister-Wahlkampf
„Handeln statt labern“

Thomas Kewel hat den Schlossplatz als Ort für das Merkur-Gespräch gewählt. „Das ist die schönste Ecke von Zweibrücken“, sagt er.
Thomas Kewel hat den Schlossplatz als Ort für das Merkur-Gespräch gewählt. „Das ist die schönste Ecke von Zweibrücken“, sagt er. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Oberbürgermeister-Kandidat Thomas Kewel möchte Existenzgründer fördern, um Technologie-Firmen werben und mit Bürger-Patrouillen für mehr Sicherheit sorgen. Von Lutz Fröhlich

„Ich habe Bock darauf, weil ich etwas verändern will in Zweibrücken“, begründet der Einzelbewerber Thomas Kewel seine Kandidatur um das Oberbürgermeister-Amt. „Gemeinsam gestalten“ und „Handeln statt labern“ – mit diesen beiden Slogans überschreibt der mit 35 Jahren jüngste der sechs Kandidaten sein Programm.

Ein Beispiel für beide Wahlsprüche sind seine Vorstellungen zur Sicherheitspolitik. Hier fordert der Zweibrücker nicht nur, dass „Polizei und Ordnungsamt mehr Präsenz zeigen“, sondern will auch die Bürger aktiv einbinden. „Ich denke an eine gewisse ,Bürgerwehr’, Bürgerbeteiligung, wie nenn’ ich das“, sagt Kewel, „damit sich die Leute sicherer fühlen“. Mitmachen dürften aber nur Bürger „mit einem reinen Führungszeugnis und unbewaffnet“, betont Kewel. „Zweibrücken soll keine Polizeistadt werden. Aber mehr Präsenz von Ordnungskräften führe dazu, „dass die Leute sich wieder sicherer fühlen“. Ist denn Zweibrücken unsicherer geworden in den vergangenen Jahren? „Die Lage hat sich verschlechtert in den letzten Jahren“, ist Kewel überzeugt, auch wenn das aus den Polizei-Veröffentlichungen nicht so ersichtlich werde. Kewel glaubt: „Es gibt offizielle und inoffizielle Bereiche.“ Es sei ihm auch in der (von Privatleuten betriebenen) Facebook-Gruppe „Zweibrücken“ aufgefallen, das viele Leute bezüglich der Sicherheit klagen.

Verbessern will Kewel die Zweibrücker Wirtschaftsförderung. Diese müsse „mehr die Bürger mitreißen“. Dazu würde er als OB „mehr Leuten Existenzgründungen schmackhaft machen und coole zukunftsorientierte Konzepte fördern“. „Die Zweibrücker müssten erkennen, „dass auch ein gewisser Mut erforderlich ist, etwas umzusetzen“. Die Grundlage hierfür sei gut, denn es gebe in Zweibrücken „viele kluge Köpfe mit pfiffigen Ideen“.



Bei Firmenansiedlungen solle die Stadt sich auf die „Technologiebranche“ fokussieren, da diese die Zukunft sei.

Beim viel diskutierten Thema „mehr Einzelhandels-Ansiedlungen auf der Grünen Wiese erlauben oder die Innenstadt schützen“ findet es Kewel wichtig, zu einem „klaren Konzept“ zu kommen, „dass dann nicht nach ein, zwei Jahren wieder umgeworfen wird“.

Touristisch nutze Zweibrücken sein Potenzial noch viel zu wenig, verweist Kewel auf „sehr schöne Sehenswürdigkeiten wie Schloss, Rosengarten, Gestüt und vieles mehr – das muss man bekannter machen“. Wie? „Mit viel, viel faszinierender Werbung mit Ideenreichtum“, antwortet Kewel. Dabei solle die Stadt „auch Bürger fragen, wie sie sich das vorstellen“.

Mehrfach warnt Kewel in dem Merkur-Gespräch vor Politikverdrossenheit. Er habe im Wahlkampf viele mit der Politik unzufriedene Menschen getroffen, die gar nicht wählen gehen wollen oder jemand aus Protest wählen wollen, obwohl sie wissen, dass ihr Kandidat es nicht schaffen werde, ein guter Oberbürgermeister zu sein. Statt „zu jammern und zu klagen“ solle man lieber selbst „die Ärmel hochkrempeln und anpacken“ und ihn als OB wählen, „um frischen Wind reinzubringen und von Trostlosigkeit in Freude umzuschwenken“, wirbt Kewel.

Aber hat der 35-Jährige genug Erfahrung, um eine Stadtverwaltung mit 670 Mitarbeitern zu führen? „Ich sehe mich gut gewappnet“, antwortet Kewel. Er habe sich „die Hände schmutzig gemacht als Heizungsbauer, in der Landwirtschaft und bin auch in der Finanzbranche tätig gewesen“, vor allem aber sei er durch seine aktuelle Verwaltungsarbeit im Brigadestab der Bundeswehr in Saarlouis gut vorbereitet. Dort ist Kewel Oberstabsgefreiter.

Was hat Kewel aus den Erfahrungen von Helmut Reichling gelernt, der als parteiunabhängiger OB von 2004 bis 2012 viele Probleme mit dem Stadtrat hatte und am Ende eine heftige Wahlniederlage erlitt? „Man muss ein dickes Fell haben, und die Ärmel hochkrempeln auch wenn’s schwer wird“, antwortet Kewel. Er würde als OB „gemeinsame Nenner mit den Parteien im Rat suchen, das wird schwer sein, aber ich bin optimistisch, weil jeder gefragt ist, Zweibrücken auf- und umzubauen“.

Falls er die OB-Wahl verliere, wolle er sich nicht für den Stadtrat bewerben, sagt Kewel: „Ich gehe davon aus, dass ich als Oberbürgermeister gewählt werde. Ich bin aber keiner, der umswitched in ein anderes Amt, wenn es mit dem anderen nicht klappt. Dann würde ich in acht Jahren nochmal antreten.“ Thomas Kewel denkt aber zunächst an die diesjährige OB-Wahl am 23. September: „Die Zweibrücker sollen sich gut überlegen, wen sie wählen – denn in acht Jahren kann man viel Blödsinn anrichten!“