| 20:28 Uhr

Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose
MS – eine Krankheit, mit der man leben kann

 Achim Mayer, selbst MS-Betroffener, unterhielt sich mit Christine Schmied und Barbara Oster von der Zweibrücker Selbsthilfegruppe über die Krankheit und ihre Folgen.
Achim Mayer, selbst MS-Betroffener, unterhielt sich mit Christine Schmied und Barbara Oster von der Zweibrücker Selbsthilfegruppe über die Krankheit und ihre Folgen. FOTO: Nadine Lang
Zweibrücken. Austausch für Betroffene und Angehörige bietet die Selbsthilfegruppe für Multiple Sklerose in Zweibrücken. Denn die „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ ist oftmals beherrschbar, auch wenn sie die Betroffenen nicht mehr loslässt. Von Achim Mayer

Nach Angaben des DMSG Bundesverbandes e.V. leben in Deutschland über 120 000 Frauen und Männer, die an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind. Diese Diagnose kann in Angst und Schrecken versetzen. Allein schon der Begriff ,,Sklerose“ klingt nach Unheil, Siechtum und Zerfall. „Früher oder später werden alle MS-Patienten zum Pflegefall! Früher oder später sitzen sie alle im Rollstuhl!“ – So die gängige Meinung. Stimmt denn diese Behauptung? Der „Pfälzische Merkur“ ist dieser Frage einmal nachgegangen.

Wir sind an einem sonnigen Nachmittag mit zwei Zweibrückerinnen, beide MS-Patientinnen, vor einem Eis-Café der Stadt verabredet. Dort sitzen Christine Schmied und Barbara Oster. Sie genießen die Sonne. Sie lassen es sich gut ergehen. Das sieht man! Doch, wo sind Gehstock, Rollator oder gar Rollstuhl? Fehlanzeige! Stattdessen herrscht heitere Gelassenheit am Tisch.

Die 52-jährige Barbara Oster, Leiterin der Zweibrücker MS-Selbsthilfe-Gruppe, erklärt ihre Situation: „Ich hatte schwere Schübe. Diese sind verheilt. Heute kann ich sagen, es geht mir gut. Ich hab die Krankheit angenommen, so wie sie ist. Ich hab mich mit der MS arrangiert“. Und sie ergänzt: „Bei mir sind die Symptome nicht offen sichtbar. Allerdings – die sogenannte Fatigue, die vorzeitige Ermüdbarkeit von MS-Erkrankten, macht mir schwer zu schaffen. Ich musste lernen, mit meinen Kräften zu haushalten.“ Und das bedeutet für sie: „Ich bin halt nicht mehr so belastbar wie früher! Ob Haushalt oder Arbeit, alles geht ein bisschen langsamer, aber es geht. Fatigue heißt nicht Faulheit!“



Bei Barbara Oster wurde die MS bereits 1996 diagnostiziert. Dennoch ist sie nach wie vor berufstätig, sie ist voller Tatendrang und engagiert sich auch deshalb in der MS-Selbsthilfe. Denn „gemeinsam ist es leichter, Wege zur Bewältigung der mit MS zusammenhängenden Probleme zu finden!“ Ihren Humor hat Barbara Oster auch nach 23 Jahren MS nicht verloren. Auf die Frage, was sie von einer bestimmten Ernährungsweise für MS-Erkrankte hält, antwortet sie: „Ich esse und trinke, was mir schmeckt. Mir langt meine MS!“

Christine Schmied hingegen hat eine etwas andere Sichtweise auf die MS. Die Verlaufsform ist bei beiden wohl sehr ähnlich, doch eine ,,Standardform“ gibt nicht. Den Beinamen „Krankheit mit 1000 Gesichtern“ trägt die MS nicht von ungefähr. ,,Auch ich hatte viele Schübe. Doch es hat sehr lange gedauert bis die Multiple Sklerose bei mir überhaupt diagnostiziert wurde,“ sagt die 47-Jährige. „Seit 2008 bin ich in Behandlung. Seither weiß ich, was die MS betrifft, Bescheid. Ich werde jetzt medikamentös gut eingestellt und mir geht es recht gut.“ Barbara Oster fügt hinzu: „Seit wir unsere Diagnose kennen, sind wir alle etwas schlauer: Wir sterben nicht an der MS – also müssen wir damit leben.“

Leben mit MS? An diesem Nachmittag hat sich die „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ von ihrer beherrschbaren Seite gezeigt. Fazit: Die Multiple Sklerose ist nicht ganz so schrecklich, wie der Ruf, der ihr vorauseilt!

Am Samstag, 3. August, veranstaltet die MS-Gruppe Zweibrücken von 9.30 bis 16 Uhr, einen Info-Tag in der Westpfalz-Halle. Auf dem Programm stehen unter anderem Mobilitäts-Training für Rollstuhl oder Rollator.