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Kindertagesstätten in Zweibrücken
Selbstbestimmt Entscheidungen treffen

Liebevoll begleitet, erforschen bereits die Kleinsten eigenständig ihre Welt.
Liebevoll begleitet, erforschen bereits die Kleinsten eigenständig ihre Welt. FOTO: cvw / Cordula von Waldow
Zweibrücken. In den Zweibrücker Kindertageseinrichtungen werden die Weichen für den Nachwuchs mitgestellt. Und das überall mit anderen Schwerpunkten und Besonderheiten. In einer Serie stellt der Merkur die rund 20 Einrichtungen in der Rosenstadt vor. Heute: die evangelische Kinderkrippe der Hochschule Zweibrücken. Von Cordula von Waldow

In der evangelischen Kinderkrippe der Hochschule Zweibrücken ist es gegen Ende des Nachmittags ruhiger. Hier bauen zwei kleine Jungen mit Holzbausteinen und werfen ihren Turm wieder um. Dort lässt sich ein Kind vorlesen. In einer anderen Ecke des großen Raumes erkundet ein Mädchen, was sich mit einer leeren Papphülse so alles machen lässt. Was auffällt: Überall liegen Dosen, Papprollen und leere Plastikflaschen. „Wir haben aktuell das Projekt „spielzeugfreier Gruppenraum“. Für einen begrenzten Zeitraum haben wir das vorgefertigte Spielzeug „in Urlaub geschickt“ und durch Beschäftigungsmaterialien wie Pappschachteln, Blechdosen, Joghurtbecher, Tücher wie auch Alltagsgegenstände ersetzt“, berichtet Petra Fleischer, die Leiterin der Kinderkrippe. Ohne Vorgaben lassen die Erzieherinnen die Kinder die unterschiedlichen Dinge erkunden und mit ihnen experimentieren. Dabei beobachten sie aufmerksam die Kinder bei ihrem Tun und leisten Hilfestellung, wo es nötig ist.

Sofern die Kinder dies wünschen, denn bereits im Krippenalter gilt es, die Kinder selbstbestimmt an Entscheidungen, die sie direkt betreffen, teilhaben zu lassen. „Kann ich Dir helfen? Was möchtest Du machen? Möchtest Du das haben? – das sind Fragen, um die es geht“, weiß Petra Fleischer. Lernen, eigene Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, erfahren, dass man ernst genommen wird und etwas bewirken kann, gehört zu den Kompetenzen, die die zehn Kleinkinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren erwerben sollen. Im Krippenalltag bieten sich dazu  zahlreiche, teilweise immer wiederkehrende Situationen an, um Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu üben. „Wir stellen ganz viele Fragen und bieten dem einzelnen Kind auch immer wieder Alternativen, lassen es selbst entscheiden“, beschreibt die Krippenleiterin. So gibt es im Essraum Tische in zwei Höhen und ganz unterschiedliche Stühlchen. Wer bereits feste Nahrung zu sich nimmt, wählt morgens am Frühstücksbuffet in Kinderhöhe, was er essen möchte. Die Erzieherinnen, die die Kinder von klein auf begleiten, lernen, diese regelrecht zu „lesen“ und selbst Laute und Blicke, Mimik und Gestik zu deuten.

Im Schlafraum bieten sich den Kindern vom Körbchen über Gitterbett über die Kuschelhöhle bis zum Matratzenlager auf der Empore die unterschiedlichsten Schlafgelegenheiten zur Wahl. Mit einer Treppe und einer Schrankhöhle zum Durchkrabbeln ist der Raum multifunktional auch als Bewegungsraum nutzbar. Alltagserfahrung heißt das Stichwort, denn wenn sie die Kinderkrippe verlassen, sollen sich die Kinder in täglichen Anforderungen zurecht finden: Selbständig essen und trinken können und sich ein Stück weit selbst an- und auskleiden. Die Sauberkeitserziehung von der Windel bis zum Gang auf die Toilette wird, wie die gesamte Erziehung, eng mit den Eltern, die alle an der Hochschule arbeiten oder studieren, abgestimmt.



Auf dem Außengelände warten neben altersgerechten Kletter- und Spielmöglichkeiten auch ein Kräutergarten mit begehbaren Fühlwegen sowie Beeren- und Spalierobst. So können die Kleinen gleich erfahren, woher die Äpfel kommen, die sie so gerne essen und lernen, achtsam mit der Natur umzugehen.