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Schwere Vorwürfe gegen Jürgen Gundacker

 Jürgen Gundacker, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land.
Jürgen Gundacker, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. FOTO: pma/Jörg Jacob
Zweibrücken. Ein anonymer Briefeschreiber erhebt schwere Mobbing-Vorwürfe gegen Verbandsgemeindebürgermeister Jürgen Gundacker. Sogar ein Selbstmordversuch soll daraus resultiert sein. Gundacker selbst weist die Vorwürfe schockiert zurück. Die Staatsanwaltschaft prüft. den en Jan Althoff,Eric Kolling

Ein anonymer Brief mit heftigen Vorwürfen vor allem gegen Verbandsgemeindebürgermeister Jürgen Gundacker hat gestern die Zweibrücker Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Sie hat nach Eingang des vom 5. November 2016 datierten Schreibens einen Prüfvorgang angelegt, wie Oberstaatsanwältin Iris Weingardt auf Merkur-Anfrage erklärte. Dabei werde der Frage nachgegangen, ob sich aus dem Inhalt der Anfangsverdacht einer Straftat ergibt und daher Ermittlungen eingeleitet werden.

In dem Brief, der auch dem Merkur vorliegt, ist die Rede davon, dass Gundacker Mitarbeiter selbst gemobbt oder Mobbing seiner Untergebenen geduldet haben soll. Mehrere Mitarbeiter sollen davon bereits gesundheitliche Folgen davongetragen haben. Im Mittelpunkt steht vor allem eine Angestellte, die vor wenigen Tagen wegen Gundackers Verhalten einen Selbstmordversuch verübt habe. Seit Gundackers Amtsantritt 2012, so der anonyme Verfasser, habe es ferner ungewöhnlich viele Krankmeldungen gegeben, beim Arbeitsgericht hätten die Verfahren gegen die Verwaltung zugenommen.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, zeigte sich Gundacker bestürzt. Er selbst kenne das Schreiben nicht, wolle sich dem Thema allerdings stellen und aufklären. Ob es ihn überrasche, dass derart heftige Kritik an ihm bei der Staatsanwaltschaft landet? Gundacker: "Anonym ist nicht der Stil, den wir pflegen sollten." Vom Vorwurf eines möglichen Selbstmordversuchs in seiner Behörde distanziere er sich, auch sehe er zwischen der "Verunglückung" der Mitarbeiterin und ihrem Arbeitsverhältnis bei der Verbandsgemeinde "keinen Zusammenhang". Diese habe eine Wiedereingliederung abgebrochen. Dabei sei er aber nicht wie vereinbart direkt informiert worden. Er stehe in Kontakt mit der Familie, alle Mitarbeiter wie die Behördenspitze seien über den Vorfall sehr betroffen.



Dass er, wie im Brief behauptet, eine "krankhafte Aggressivität", vielleicht sogar eine "gespaltene Persönlichkeit" haben soll, weist er "entschieden" zurück: "Ich bin in mir gefestigt!" Auch hätten seit 2012 die Krankmeldungen nicht zugenommen. Zwar gebe es "natürlich einen Krankenstand", der statistisch nicht ausgewertet werde, doch liege das Durchschnittsalter in der Verwaltung auch bei über 50 Jahren. Dem wirke man entgegen, indem man etwa wieder selbst ausbilde. Einzelne Fälle von Dauerkrankheit wolle er nicht wegdiskutieren, diese habe es in Teilen aber schon vor 2012 gegeben. Die Tendenz zunehmender Verfahren vorm Arbeitsgericht könne er auch nicht bestätigen.

Wie Alexander Benra, Mediensprecher am für Zweibrücken und den Landkreis Südwestpfalz zuständigen Arbeitsgericht Kaiserslautern, auf Anfrage mitteilte, gab es erst seit dem Jahr 2014 Verfahren mit Bezug zur Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, drei an der Zahl. Anfang 2015 hatte ein Mitarbeiter gegen einen Abteilungsleiter wegen Mobbings geklagt, es kam zum Vergleich (wir berichteten). Für Gundacker hat es sich hier nicht um Mobbing gedreht, sondern ein "zerrüttetes Verhältnis" zwischen Chef und Untergebenem im Vordergrund gestanden. Ein weiterer Fall betraf laut Benra die Frau, die der anonyme Briefeschreiber mit einem Suizid in Verbindung bringt. Hier sei es um die Reduzierung von Arbeitszeiten gegangen, die Frau habe ihre Klage zurückgezogen.

Was mögliche strafrechtliche Ermittlungen wegen Mobbings in der Verbandsgemeindeverwaltung Zweibrücken-Land angeht, so kann die Zweibrücker Staatsanwaltschaft keine Angaben über Fälle oder mögliche Häufungen machen. Mobbing am Arbeitsplatz sei in Deutschland kein Straftatbestand, so Oberstaatsanwältin Iris Weingardt auf Merkur-Nachfrage.

In dem Schreiben wird auch Gundackers Büroleiter Karl-Heinz Brügel angegriffen. So soll er beim Mobbing geholfen haben. Brügel erklärte dazu: "Ich kann das nicht nachvollziehen. Solange ein Verfahren der Staatsanwaltschaft läuft, werde ich mich nicht dazu äußern." Im Gespräch mit dem Merkur erklärten zwei Mitarbeiter, dass Gundacker in der Vergangenheit Mobbing gegen sie geduldet habe, trotz Kenntnis und Abhilfebitten nicht eingeschritten sei. Details wollten sie aktuell nicht schildern. Eine weitere Person räumte ein, dass an den im anonymen Schreiben genannten Vorwürfen wie Mobbing auch durch Gundacker selbst und Brügel etwas dran sei. Ihre Namen wollten alle aus Angst vor dem Arbeitgeber nicht in der Zeitung lesen. Von den Vorgängen wisse auch Gerd Reischmann, Vorsitzender des Personalrates der Verbandsgemeinde, der auch auf der Empfängerliste des anonymen Schreibens steht. Er sei gebeten worden, sich der Dinge anzunehmen. Äußern wollten er und seine Personalrats-Kollegen sich dem Merkur gegenüber vorerst nicht, sagte er auf Anfrage. Das habe man einstimmig beschlossen. Zunächst wolle man juristischen Rat einholen.

Als Zeugen für seine Vorwürfe benennt der Briefschreiber neben den angeblich gemobbten Mitarbeitern die Beigeordneten Klaus Freiler (CDU ), Andreas Glahn (SPD ) und Björn Bernhard (CDU ). Deren Reaktion fällt recht unterschiedlich aus. Freiler sagte, er wolle "diesen Vorwurf weder bestätigen noch in Abrede stellen. Dazu soll man sich nicht äußern. Das sind behördeninterne Dinge". Sein Kollege Björn Bernhard gab sich etwas weniger zugeknöpft. "Mir ist zu Ohren gekommen, dass der eine oder andere nicht so glücklich ist", sagte er auf Merkur-Nachfrage. Diese Ballung von Fällen, zu denen er sich im Detail nicht äußern wollte, habe ihn bewogen, um ein Gespräch der Beigeordneten mit dem Verbandsbürgermeister zu bitten. "Es ging generell darum, mehr Informationen zu bekommen. Wir sind im täglichen Geschäft natürlich nicht drin." Man müsse berücksichtigen, dass Personalfragen "ganz klar seine Geschichte" seien. "Wir als Beigeordnete haben da auch kein Mitspracherecht." Dieses Gespräch hat mittlerweile stattgefunden. Bernhards Eindruck: "Ich glaube schon, dass er die Sache ernst nimmt."

Der Dritte im Bunde, Andreas Glahn, ist derzeit krank und war daheim in Stambach bis Redaktionsschluss unserer Zeitung nicht zu erreichen.