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Schwelendes Problem im Landgestüt

 Stiftungschef Helmut Reichling und Gestütsleiter Alexander Kölsch (rechts) in der großen Reithalle vor der nicht als brandsicher bemängelten Wand zur Gaststätte in der kleinen Reithalle. Foto: lf
Stiftungschef Helmut Reichling und Gestütsleiter Alexander Kölsch (rechts) in der großen Reithalle vor der nicht als brandsicher bemängelten Wand zur Gaststätte in der kleinen Reithalle. Foto: lf
Zweibrücken. Die Brandschutz-Probleme im Zweibrücker Landgestüt (wir berichteten) sind Behörden bereits jahrzehntelang bekannt, den neuen Gestütsbesitzern aber erst seit wenigen Monaten. Diese Merkur-Information bestätigten gestern Oberbürgermeister Helmut Reichling und Gestüts-Geschäftsführer Alexander Kölsch Von Merkur-Redakteur Lutz Fröhlich

Zweibrücken. Die Brandschutz-Probleme im Zweibrücker Landgestüt (wir berichteten) sind Behörden bereits jahrzehntelang bekannt, den neuen Gestütsbesitzern aber erst seit wenigen Monaten. Diese Merkur-Information bestätigten gestern Oberbürgermeister Helmut Reichling und Gestüts-Geschäftsführer Alexander Kölsch.Die Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz habe bereits 1981 mehr Brandschutzmaßnahmen wie Rauchabzüge in der Reithalle gefordert. Anlass war eine Erweiterung. Kölsch: "Das wurde alles damals nicht gemacht, Anfang der neunziger Jahre ist sogar noch eine zusätzliche Tribüne mit 500 Plätzen gebaut worden."

Messe wohl nicht gefährdet



Rheinland-Pfalz hatte das Gestüt zum 1. Januar 2008 einer von der Stadt Zweibrücken geführten Stiftung übertragen, der nun alle Gebäude gehören. Gestütsleiter Kölsch und Stiftungsvorsitzender Reichling betonen, damals nicht von den Brandschutz-Problemen gewusst zu haben. Reichling: "Wir mussten guten Gewissens davon ausgehen, dass es keine Bedenken gegen Großveranstaltungen in der Reithalle gibt." Denn diese hätten jahrelang unbeanstandet stattgefunden. Nun aber hat der Zweibrücker Brandschutzbeauftragte bei einer "Gefahrenverhütungsschau" erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt - und empfohlen, in der großen Reithalle, in die bis zu 2000 Menschen passen, keine Veranstaltungen mit über 200 Besuchern mehr durchzuführen. Reichling und Kölsch haben keine Zweifel: Die Mängelliste ist berechtigt. Erstaunt ist Reichling aber, warum zwei Gutachter beim Verkauf der kleinen Reithalle mit Gaststätte vom Reit- und Fahrverein an die Stadt dort festgestellte Mängel nicht bemerkt hätten - vor allem die fehlende Brandschutzwand hin zur großen Reithalle. "Wir haben schon diskutiert, den ganzen Bereich des Reit- und Fahrvereins abzureißen", sagt Reichling. Kölsch: "Eventuell wäre ein Neubau billiger." Die Probleme in der großen Reithalle seien zwar größer, hier sei aber schon klar, dass saniert werde. Ein Architekten-Konzept wird in den nächsten Tagen erwartet. Bei der Finanzierung - es geht wohl um hunderttausende Euro - hofft Reichling auch auf Hilfe vom Land. Ansonsten bleibe der Stiftung kein Geld mehr für wichtige Investitionen in die Zukunft des Gestüts.Reichling ist zuversichtlich, dass die nächsten Großveranstaltungen in der Reithalle (Westernturnier ab 31. Juli und Goldener Herbst am 17./18. Oktober) nicht gefährdet sind. Denn die Empfehlung des Brandschutzbeauftragten erlaube provisorische Maßnahmen wie kürzlich bei der Pferdegala mit 1000 Besuchern, wenn ein Brandschutzsachverständiger keine Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Publikums habe. Eine Brandschutz-Gesellschaft aus Bad Kreuznach hat bereits eine Sofortmaßnahmen-Liste erstellt. Wichtig ist Reichling auch, die Pferdemesse Rheinland-Pfalz, die im März 2010 von Pirmasens nach Zweibrücken wechselt, nicht zu verlieren: "Das müssten wir schaffen."