| 21:12 Uhr

Kabarett in ACH-Eventhalle
Schwaben trifft Italien

Der deutsch-italienische Comedian Roberto Capitoni spielte gekonnt mit Klischees.
Der deutsch-italienische Comedian Roberto Capitoni spielte gekonnt mit Klischees. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Roberto Capitoni gastierte vor unverdient wenig Publikum. Von Sebastian Dingler

Es lag weder am Auftrittsort noch am Star des Abends, darüber waren sich viele Zuschauer einig. Wobei, von „vielen Zuschauern“ konnte halt eben nicht gesprochen werden beim Auftritt des Comedians Roberto Capitoni in der ACH-Eventhalle. Das Programm „Italiener schlafen nackt – manchmal auch in Socken“ des Deutsch-Italieners lockte nur wenige Gäste ans Flugplatzgelände – leider, denn die, die nicht da waren, haben etwas verpasst.

Capitoni hat nämlich nicht nur italienische Wurzeln und ein entsprechendes Temperament; er kann sich gleichzeitig auch über die Besonderheiten der Deutschen lustig machen. Hinzu kommt, dass Capitoni im Allgäu aufgewachsen ist und somit die schwäbische Mentalität mitbekommen hat – als Kontrastprogramm zur italienischen. Das allein bot schon genügend Stoff für einen unterhaltsamen Abend. Vor allem die schwäbische Sparsamkeit war häufig Ziel seines Witzes: „Du würdest doch selbst deine Großmutter verkaufen“, habe Capitoni einst mal zu einem Schwaben gesagt. Der habe geantwortet: „Noi, die vermiet i lieber, da hab i mehr davon.“ Und woran erkennt man ein schwäbisches Kreuzfahrtschiff? Daran, dass keine Möwen hinterher fliegen. In Liebesdingen sei der Schwabe natürlich weitaus hölzerner als der Italiener: „I hab jetzt nix direkt gege di“ gelte da schon als heiße Anmache.

Aber auch italienische Klischees wurden auf die Schippe genommen, gerne in der Figur des Onkels Luigi, der von Capitoni mit Robert de Niro-Mimik aus „Der Pate II“ gespielt wurde: „Wenn du ein Problem hast“ – ja, Onkel, was dann? – „dann löse es!“ – Ja, Onkel, aber wie? – „Lass es wie einen Unfall aussehen.“



Witzig war auch die Idee des Comedians, Kinofilme rückwärts zu drehen, wie etwa Titanic: „Da schwimmen Leute im eiskalten Wasser, und plötzlich taucht da dieses riesige Schiff auf!“ Bei „Der weiße Hai“ dagegen würde der monströse Fisch an einer Tour Leute ausspucken. Ja, das war schon sehr unterhaltsam, was Capitoni anbot. Am Ende der Show meinte der Entertainer, er habe schon zehnmal mehr Leute, aber weniger Stimmung erlebt als an diesem Abend.

Auch Angelika Hudlet aus Zweibrücken hatte sichtlich viel Freude an dem Abend. „Ich bin gekommen, weil ich den Titel des Programms originell gefunden habe. Ich kannte Roberto Capitoni noch nicht, habe aber die ganze Zeit gelacht.“ An der ACH-Eventhalle lag der schwache Zuspruch ihrer Meinung nach nicht: „Das hier hat mehr Flair als etwa der Wintergarten der Festhalle“, meinte sie. Annette Schweitzer aus Rodalben war ebenfalls wegen des Showtitels gekommen: „Der machte neugierig auf mehr. Ich finde, dass Capitoni das ganz clever gemacht hat, er hat das Publikum mit einbezogen und schön mit den Klischees gespielt.“ Außerdem gefiel ihr die Nähe der Zuschauer zur Bühne. Das alles sprach dafür, dass der schwäbische Deutsch-Italiener gerne wiederkommen darf – dann aber wären zehnmal mehr Zuschauer sicher gerne gesehen und auch angemessen für die Qualität seiner Darbietung.