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Zweibrücken
Schule des Sprechgesangs

Hiphop in der Musikschule Kern: Schüler Velibor Ivankovic mit Mark Heydrich, Andreas Kern und Daniel Staub (von links nach rechts).
Hiphop in der Musikschule Kern: Schüler Velibor Ivankovic mit Mark Heydrich, Andreas Kern und Daniel Staub (von links nach rechts). FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. In Niederauerbach wird seit Anfang August Hiphop-Kultur gelehrt. Von Sebastian Dingler

Ungewöhnliches geschieht derzeit in der Niederauerbacher Musikschule Kern – so ungewöhnlich, dass sogar der Südwestfunk darüber berichtete. Auch der Pfälzische Merkur wies schon im Mai auf das ambitionierte Projekt hin, das beim Jahreskonzert der privaten Musikschule vorgestellt worden war. Denn Leiter Andreas Kern hat eine Berufsfachschule für Hiphopkultur und Medienproduktion gestartet.

Schule und Hiphop – wie geht so etwas überhaupt zusammen? Kern, der seit vielen Jahren Musikunterricht gibt, erklärt das so: „Das derzeitige Schulsystem ist marode. Bei uns geht es darum, dass man die junge Leute dort abholt, wo sie sind. Die wollen bestimmt keinen Chopin spielen! Das heißt, wir versuchen ihnen zu entlocken, wie es ihnen geht und wie wir das in einen Rhythmus bringen können.“

Als Fachmann für Hiphop hat Kern Daniel Staub eingesetzt, der sich als Rapper Dan-L nennt. Staub ist schon seit längerer Zeit in der Niederauerbacher Musikschule aktiv. „Die Zweibrücker Rap-Szene hat schon seit etwa fünf Jahren hier einen Stützpunkt, wo sie Songs aufnehmen kann“, erzählt der 29-Jährige. Er selbst, der mit dem System Schule ebenfalls keine besonders guten Erfahrungen gemacht hat, will, ganz wie sein Chef, einen anderen Ansatz verfolgen. „Ich will jedenfalls nicht mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen und sagen: Ich weiß alles, du weißt nichts und ich bring dir jetzt was bei.“



Seit dem ersten August besucht der erste Schüler die Berufsfachschule. Der 28-jährige Velibor Ivankovic wohnt noch in der Nähe von Mannheim und schafft es bislang nur zwei bis dreimal pro Woche, ins Aufnahmestudio der Musikschule zu kommen. Seine Eltern seien als Touristen aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland gekommen, erzählt er. Dort sei bei dem jungen Velibor Leukämie festgestellt worden, sodass er sich drei Jahre einer Chemotherapie unterziehen musste. Als Rapper nennt er sich Slic V3ly und fühlt sich in der Musikschule gut aufgehoben. Er sagt: „Ich habe vielleicht nicht so schnell die Kurve gekriegt mit dem, was ich machen wollte. Das hier ist vielleicht meine letzte goldene Kutsche, um das zu verwirklichen, was ich möchte.“

Auf dem Stundenplan stehen neben Gehörbildung und Harmonielehre auch Fächer wie Beatboxing und Videoproduktion. „Es geht viel darum die Tracks zu produzieren, um das Komplettpaket“, meint Ivankovic, der bezüglich der Medienproduktion noch viel von Dan-L lernen möchte. Die Fähigkeit, Musik kreativ zu erschaffen, sei dagegen für ihn „ein Prozess, den man nicht erzwingen kann. Es ist wie Ebbe und Flut, man muss halt die Welle reiten. Man darf es nicht erzwingen, man muss die Gedanken fließen lassen.“

Rapper Dan-L sieht seine Aufgabe unter anderem darin, dafür zu sorgen, dass Ivankovic mehr Routine bekommt – denn er sei als Rapper eigentlich schon sehr gut, rein textlich brauche man ihm gar nichts zu erzählen. Das erleichtert Mark Heydrich, einem der bekanntesten Autoren der Region, der in das Projekt eingebunden ist und beim Texten helfen soll, die Arbeit ungemein. Aber Slic V3ly soll ja nicht der erste und gleichzeitig letzte Schüler der Berufsfachschule werden. „Da stehen noch einige in den Startlöchern, aber die müssen noch die bürokratischen Hürden nehmen“, meint Andreas Kern.