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Kaffeehaus-Konzert
Sanfte Klänge bei Kaffee und Kuchen

 Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre herrschte in der Festhalle beim Auftritt des Ensembles Salonissimo.
Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre herrschte in der Festhalle beim Auftritt des Ensembles Salonissimo. FOTO: sedi / Sebastian Dingler
Zweibrücken. Das Zweibrücker Kaffeehaus-Konzert mit dem Ensemble Salonissimo lockte gut 200 Zuhörer in die Festhalle. Von Sebastian Dingler

Der Zweibrückerin Rita Folz war die Freude über die Musik leicht anzumerken: Einmal sang die Seniorin mit, einmal dirigierte sie mit den Händen und dann strahlte sie über beide Ohren. Ja, die schönen alten Melodien von früher waren es, die das überwiegend reifere Publikum am Sonntagnachmittag in der Festhalle begeisterten. Von „Bel Ami“ über „Man müsste Klavier spielen können“ bis zu beliebten Operettenmelodien reichte das Repertoire des Ensemble Salonissimo, das schon zum zweiten Mal beim Kaffee-Konzert aufspielte.

Wenn Kontrabassist Frank Ringleb einen bekannten Titel ansagte, tat er das so langsam, dass die etwa 200 Zuhörer wie eine Gemeinde in die Rede mit einfielen. Und schon schwelgten die beiden Geigen von Sorin Strimbeanu und Olga Levinson, ließ Pianist Wolfram Koloseus die beschwingten Tonfolgen aus dem Flügel rieseln, sorgte Michael Steinmann am Cello für ein gepflegtes Stück Melancholie und schaute Ringleb am Bass, dass der Laden irgendwie zusammenhielt. Denn schließlich, so meinte Letzterer während einer seiner launigen Moderationen, besäße das Ensemble ja keinen Dirigenten, und wenn, dann sei das Koloseus – doch dem seien ja die Hände gebunden. Trotzdem spielte das Quintett wie aus einem Guss.

Bei der Klasse der Musiker war das aber auch zu erwarten: So ist der einstige Wiener Sängerknabe Koloseus heute Professor an der Mainzer Hochschule für Musik, Strimbeanu Vorspieler der ersten Violinen am Nationaltheater-Orchester Mannheim und Steinmann Cellist im selben Orchester. „Ein breit gefächertes Repertoire“ kündigte Ringleb an: In der Tat ging es von Wien über Venedig bis in die ungarische Puszta. Gleichwohl schaffte es der Bassist, auch Zweibrücken in diese Reihe einzubauen: Denn Hans Moltkau, der Komponist einer romantischen Cello-Serenade, der war als 23-Jähriger nach Saarbrücken gekommen. Und wenn er in diesem Alter sicherlich eine hübsche Sängerin oder Schauspielerin kennengelernt habe, so spintisierte Ringleb weiter, hätte er doch sicher mal einen schönen Ausflug mit der Dame machen wollen. Und wohin sonst als in die Fasanerie hätte dieser gehen sollen?



Die launigen Ansagen passten gut zur leichten Muse, die zu Kaffee und Kuchen gereicht wurde. Man dürfe auch gerne mitsingen oder -schunkeln, sagte Ringleb, was durchaus befolgt wurde. Anfangs herrschte tatsächlich Kaffeehaus-Atmosphäre in der Festhalle. Im Laufe der Zeit verstummten allerdings die Gespräche mehr und mehr und der Nachmittag nahm einen Konzertcharakter an. Von der klassischen Kaffeehausmusik mit vielen Walzern weg bewegte sich gegen Ende der Charleston „Whispering“ von John Schonberger, bei dem Ringleb den Bass wie beim Jazz zupfen musste. Man sei ja jetzt schon bei der Cocktailzeit angekommen, erklärte er diesen Umschwung. Dann aber ging’s im letzten Stück in die lange zuvor angekündigte Puszta, mit Emmerich Kálmáns „Komm, Zygáni!“ aus der Operette „Gräfin Mariza“. Es dauerte nach einem eher melancholisch-langsamen Beginn etwas, bis dann endlich losgeritten wurde durch die Weiten der ungarischen Steppe.

Nach einer Zugabe, „Leichtes Blut“ von Johann Strauss, war dann Schluss: „Schade“, seufzte da Rita Folz. „Ich bin sehr begeistert. Es war für mich Erinnerung und schöne Musik, dazu die schöne Atmosphäre, da kam alles zusammen. Ich selber habe früher Geige gespielt und mein Mann war auch begeisterter Musiker. Der hat viele von diesen Melodien gespielt“, meinte die Zweibrückerin. „Mir hat es auch sehr gut gefallen, diese Musik habe ich schon immer gerne gehört. Das war ein schöner Nachmittag“, stellte Ursula Feuerlein hinterher fest. Und ihre Freundin Ruth Armbrüster sagte: „Es war ein wirklich schönes Konzert, das war so richtig meine Musik. Wiener Musik höre ich gerne und die Operetten auch.“