| 15:14 Uhr

Euroclassic
Rock-Konzert mit Geschichts-Stunde

 Die Spider Murphy Gang rockte am Mittwoch die Festhalle.
Die Spider Murphy Gang rockte am Mittwoch die Festhalle. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Die Spider Murphy Gang riss bei ihrem ersten Konzert in Zweibrücken das Publikum mit. Von Sebastian Dingler

„Was ein Schelm!“, sagte der Sitznachbar, als Spider Murphy Gang-Sänger Günther Sigl mal wieder einen Scherz gemacht hatte. Ja, der Schalk saß dem Bandleader, der auch den Bass zupfte, schwer im Nacken bei seinem ersten Auftritt in Zweibrücken.

„Was, wir waren noch nie hier? Auch nicht vor zehn, 20, 30 oder 40 Jahren?“, fragte er erstaunt in den Zuschauerraum der Festhalle. Ja, erst das Euroclassic-Festival machte es möglich, dass die Spiders endlich mal in die Rosenstadt kamen. Am Ende behauptete der Sänger, die Band würde jetzt jedes Jahr wiederkommen – oder in zehn, 20, 30 oder 40 Jahren. Dann wäre Sigl, der gerne mit seinem Alter kokettierte, stolze 112 Jahre alt. Nein, so lange wird es wohl nicht mehr weitergehen mit der bayrischen Band, 1977 gegründet von Sigl und Gitarrist Barny Murphy, der eigentlich Gerhard Gmell heißt und immer noch dabei ist.

Wie es die beiden Oldies schafften, so knackig frisch und kerngesund über die Bühne zu hüpfen, Murphy imitierte dabei Chuck Berrys Entengang, war eine einzige Pracht. Zunächst hörten die Zuschauer zur Begrüßung einen kleinen historischen Exkurs über die Beziehungen zwischen Bayern und der Pfalz von Charlotte Glück, der Leiterin des Stadtmuseums. Da passte gut dazu, dass neben dem Schotten Willie Duncan auch ein gebürtiger Pfälzer zur Band gehörte: Am Schlagzeug sitzt nämlich seit drei Jahren der in Rodalben aufgewachsene Andreas Keller.



Bayern und Pfalz, Gott erhalt’s, der Spruch könnte das Motto des Abends gewesen sein: Denn möglicherweise wird nicht überall den Spiders eine so große Zuneigung entgegen schwappen. Günther Sigl jedenfalls betonte mehrmals, welch tolles Publikum in Zweibrücken anwesend sei. „Wollt ihr Rock ’n’ Roll hören?“, fragte er anfangs die Menge, die natürlich ein lautes „Ja“ zurück brüllte. „Jo guad, mia spuin eh nix anderes“, gab der 72-Jährige trocken zurück. Gerne leitete er den nächsten Song mit einer kleinen Story ein, so etwa jener, dass er es in seiner Jugend schon schwer gehabt hätte mit den Maderln – die schauten doch eher nach den großen Burschen: Sigl misst 1,65 Meter. Und wenn’s drauf angekommen ist, sei er dagestanden „mit’m Frosch im Hals und Schwammerln in den Knien“ – so hieß der nächste Song. Dann kündigte er einen Twist an und machte diesen gleich bravourös vor: Nicht mit Schwammerln, sondern mit Wackelpudding in den Knien. Und tatsächlich: Da standen auch einige Zuschauer der oberen Ränge auf und machten mit.

Rein musikalisch ließ die wie aus einem Guss spielende Band nichts anbrennen: Der zweitgrößte Hit „Schickeria“ wurde mit tollen Soli von Pianist Ludwig Seuss, Saxofonist Otto Staniloi und Gitarrist Duncan zelebriert. Außerdem durfte das Publikum die „vierte“ Strophe singen: „Die geht wie die erste. Der ein oder andere kann sich vielleicht noch daran erinnern, ist ja noch nicht so lange her“, instruierte Spaßmacher Sigl seine Fans. Schade nur, dass er keinen Kommentar dazu abgab, dass Metallica den Song vor ein paar Wochen im Münchner Olympiastadion coverten.

Eine lange Kunstpause läutete das letzte Stück des offiziellen Programms ein. Dann erklang das Intro von „Skandal im Sperrbezirk“, dem Song über eine Prostituierte namens Rosi. Der machte die Spider Murphy Gang vor 37 Jahren auf einen Schlag berühmt. Spätestens hier tobte die Festhalle wie außer Rand und Band. Und auch nach drei Zugaben und der Verbeugung hörte der Jubel nicht auf, so dass die Spiders noch ihre musikalische Eigendefinition spielten: „Mir san a bayrische Band“.

Wen man auch fragte, überall herrschte Begeisterung. „Die alten Rock ’n’ Roller haben’s immer noch drauf, vor allem der Leadsänger: Ein Urgestein und ein Komödiant auf der Bühne! Die sind nicht kleinzukriegen, das war spitzenmäßig“, meinte etwa Klaus Scheuermann aus Steinbach am Glan. Stefanie Wachs-Puhl war extra aus Honzrath bei Merzig im Nordwesten des Saarlandes angereist: „Die musste ich unbedingt mal sehen. Es war sehr schön, die Reise hierher hat sich gelohnt.“ Peter Sattler aus Zweibrücken sagte: „Alte Zeiten leben wieder auf! Heute Abend war ich 18 oder 19, vielleicht auch nur 17.“ Auch seine Frau Marina fand das Konzert super und konnte sich einen Seitenhieb auf ein weniger gelungenes Euroclassic-Konzert nicht verkneifen: „Auf jeden Fall hat’s mir besser gefallen als Kool & the Gang.“