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Rimbrecht verteidigt Erhöhung

Die regionale Verankerung der Sparkasse Südwestpfalz ist eine Stärke – aber auch ein Kostenfaktor. Foto: Lutz Fröhlich
Die regionale Verankerung der Sparkasse Südwestpfalz ist eine Stärke – aber auch ein Kostenfaktor. Foto: Lutz Fröhlich FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Die Gebührenerhöhung bei der Sparkasse seien keine politische Entscheidung, sondern diene der Sicherung des Fortbestands des Instituts, argumentiert Walter Rimbrecht (SPD). Und die Sparkasse belaste nicht nur Kunden, sondern spare auch am Personal, inklusive Vorstand. Lutz Fröhlich

Nach der heftigen Kritik aller Oppositionsfraktionen des Zweibrücker Stadtrats hat SPD-Ratsmitglied Walter Rimbrecht die Gebührenerhöhungen der Sparkasse Südwestpfalz verteidigt. Grüne, FWG, FDP , Linke und Parteilose Bürger hatten die neue Gebührenstruktur für Girokonten als "nicht tolerabel und völlig verfehlt" bezeichnet, weil diese vor allem nicht online-affine ältere Stammkunden und Geringverdiener belaste. Der Sparkassen-Verwaltungsrat hätte dies verhindern müssen (wir berichteten). In einer Pressemitteilung sowie auf Facebook wirft Rimbrecht FWG, Grünen und FDP zunächst Scheinheiligkeit vor, weil auch Mitglieder von ihnen (nicht aus Zweibrücken , Anm. d. Red.) im Verwaltungsrat der Sparkasse seien. Rimbrecht betont zudem: "Der Verwaltungsrat ist nicht dazu da, politische Forderungen durchzusetzen." Er sei vielmehr "verantwortlich, den Fortbestand der Sparkasse zu gewährleisten". Der von der Opposition nun der Sparkasse vorgehaltene Werbespruch "Immer do fer de Leit" sei "der alte Slogan der früheren Stadtsparkasse" gewesen, schreibt Rimbrecht, "die nicht ohne Grund mit der Sparkasse Südwestpfalz fusionieren musste, die wirtschaftlich viel stärker war. Eine moderne Sparkasse kann eben leider nicht politische Forderungen erfüllen, ohne wirtschaftliche Grundsätze zu beachten." Wenn abgestimmt worden wäre, hätten sich die Verwaltungsräte "einer Gebührenerhöhung nicht entziehen können", so Rimbrecht: "Es gibt es für eine Sparkasse bei dem anhaltend niedrigen Zinsniveau keine andere Möglichkeit, die Kosten zu decken, die bei der Sparkasse Südwestpfalz als Flächensparkasse besonders hoch sind. Es ist sogar so, dass die Sparkasse für Kundeneinlagen an die Zentralbank Strafzinsen zahlen muss." Auch habe der Verwaltungsrat "die Sparkasse gezwungen, sich nicht aus der Fläche herauszuziehen", diese "teure Präsenz" müsse sie dann auch finanzieren können.

Rimbrecht betont zudem, die Sparkasse spare nicht nur bei den Kunden : "Außer der Gebührenerhöhung gibt es auch weitere Maßnahmen, die leider nicht bekannt sind. So ist z. B. vorgesehen, auch Personal (einschließlich Vorstand) abzubauen, um sich der veränderten Situation anzupassen." Konkret werde der Vorstand in anderthalb Jahren von drei auf zwei Personen reduziert. Beim Personal werde es keine Entlassungen geben, sondern die natürliche Fluktuation genutzt. Vorstandschef Rolf E. Klein geht Ende Juni 2018 in Ruhestand; durch Fluktuation wurde die Mitarbeiterzahl bereits 2015 gegenüber dem Vorjahr von 540 auf 513 reduziert (wir berichteten).

Mit welchen weiteren Maßnahmen außer der Gebührenerhöhung reagiert die Sparkasse auf das geänderte finanzpolitische Umfeld? Wie viele Stellen werden abgebaut? Sind betriebsbedingte Kündigungen auch künftig tatsächlich ausgeschlossen? Wird beim Vorstand gespart? Wie viele Kündigungen sind wegen der Gebührenerhöhung eingegangen? Wie viele Kunden führen ihr Konto deshalb künftig online, kann dadurch Personal eingespart werden? Werden auch Fusionen mit anderen Sparkassen geprüft, um die Kostenstruktur zu optimieren? Auf all diese und weitere Merkur-Fragen antwortete die Sparkasse gestern nicht. Begründung: Zur Geschäftsstrategie äußere sie sich nicht, sondern nur zum "Leistungsspektrum unseres neuen Kontomodells".