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Sohn ersticht Vater
Messertod am Küchentisch: Doch nur ein Einstichkanal

 Beim jüngsten Verhandlungstag am Landgericht Zweibrücken gaben sich die Rechtsmediziner die Klinke in die Hand.
Beim jüngsten Verhandlungstag am Landgericht Zweibrücken gaben sich die Rechtsmediziner die Klinke in die Hand. FOTO: Mathias Schneck
Zweibrücken. Von Rainer Ulm

Die fünfte Fortsetzung des Verfahrens um den Todesfall in der Zweibrücker Wilhelmstraße, wo ein 24-Jähriger am 25. April seinen 51-jährigen Vater in der gemeinsamen Wohnung erstochen haben soll, war ein Tag der Rechtsmediziner. Gleich drei Gutachter hatte die Erste Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken vorgeladen.

Die Mediziner kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass der Messerstich in den Hals des 51-Jährigen mit großer Wucht ausgeführt worden sein muss. Dr. Ann-Katrin Kröll vom Institut für Rechtsmedizin in Heidelberg, die, damals noch in Homburg tätig, in der Tatnacht an den Ort des Geschehens gerufen worden war, berichtete: „Im Nacken steckte ein Messer bis zum Anschlag, also bis zum Messerheft.“ Dass es zwei Stichkanäle gegeben habe, demnach auch zwei Mal zugestochen wurde, wie ein Kriminalbeamter ausgesagt hatte, bestätigte die 33-Jährige nicht. Allerdings sei das Messer beim Zustechen gedreht worden, wodurch ein „schwalbenschwanzförmiger“ Einstichkanal entstanden sei. Zu einem ähnlichen Befund kamen die beiden anderen Gutachter, Professor Peter Schmidt und Dr. Stefan Potente vom Institut für Rechtsmedizin in Homburg. Sie hielten es jedoch für „unwahrscheinlich“, dass der Getötete erst auf dem Boden gelegen und dann auf einem Stuhl am Küchentisch platziert worden war, mit dem Kopf auf dem Arm und der Tischplatte liegend. In dieser Position hatten die eintreffenden Polizeibeamten den Toten vorgefunden, was allerdings der Version eines 22-jährigen Zweibrückers widersprach. Der von dem jetzt Beschuldigten am Tatabend herbeigerufene Freund hatte ausgesagt, der Vater habe tot auf dem Küchen-Fußboden gelegen.

Die Staatsanwaltschaft, die dem 24-Jährigen Totschlag vorwirft, geht bislang davon aus, dass der junge Mann „wegen einer psychotischen Erkrankung im Zustand der Schuldunfähigkeit“ handelte. Gleichwohl muss er sich nun in dem sogenannten Sicherungsverfahren verantworten. Dabei beantragt die Staatsanwaltschaft statt einer Haftstrafe die dauerhafte Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie.