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Straußgenossenschaft Wattweiler
Raus aus der Trostlosigkeit

Vergnügte Mitglieder der Straußgenossenschaft beim eifrigen Knibbeln von vielen Tausend Bändchen – als Vorbereitung für die Wattweiler Kerb.
Vergnügte Mitglieder der Straußgenossenschaft beim eifrigen Knibbeln von vielen Tausend Bändchen – als Vorbereitung für die Wattweiler Kerb. FOTO: Margarete Lehmann
Wattweiler. 14 Straußbuwe und -Määde sind in Wattweiler wieder aktiv. Als Straußgenossenschaft wollen sie der Kerb im Ort wieder Beine machen. Von Peter Fromann

Seit 2014 gibt es wieder Straußbuben und Straußmääde in Wattweiler. Eingeschlafen war die Tradition seit 2000. „Das war wirklich ein ganz und gar trostloser Zustand“, fanden sie und gründeten eine neue gemischte „Straußgenossenschaft“. Mit Genossen wollen sie aber nicht angesprochen werden. „Die Namensgebung war einfach ein lustiger Einfall und dabei blieb’s dann eben“, sagen die 14 Vertreter der Genossenschaft: Corinna, Lena, Pascal, Tobias, Leon, Lisa, Angi, Kobu, Hasii, Timmeey, Jens, Sarah-Michelle, Nadja und Issi.

Dahinter stecken lustige Menschen zwischen 17 bis 42 Jahren, die Herz und Verstand auf dem rechten Fleck tragen. Derb, witzig und mit Ironie gewürzt sind ihre Reden, Politisches bleibt nicht außen vor. Man darf also Geistreiches vermuten und erwarten. Das wird sich am 7. Oktober zeigen, da wird die Kerwerede auf dem Wattweiler Dorfplatz von Lisa und Issi gehalten. Den Text dazu liefern beide gemeinsam mit Corinna und Lena. „Wir treffen uns jetzt so dicht vor der Kerb ein Mal die Woche, heute hier im grünen Obstbaugarten, sonst auch mal in Kneipen im Ort. Wir haben diesmal 12 000 Bändchen für den Strauß gekauft, die wollen jetzt mit der Worschdkordel im Dreierpack zusammengeknibbeld und weggeschmiss sein, dann wieder aufgehoben und am Tannenstammm befestigt werden. Drei bunte Bändchen zu einem Bündchen geknibbelt und dann ran an den Strauß, die Tanne wird uns von einem Ortsansässigen gespendet“. Ist er fertig, muss er sofort versteckt werden, weil die Nachbarn, die eine Woche später Kerbe feiern, ihn gern entführen würden.

Sie sind eine gleichgesinnte Gemeinschaft, eine Genossenschaft eben. Kopf- und Handarbeiter sind gleichwertig vertreten. Während der Knibbelei singen sie gern Lieder aus dem Geiste der Kerb heraus, da geht’s schon mal deftig zu, wie im Leben eben auch. Und manch eine Pointe geht aus diesen Abenden hervor, mitunter auch unter der Gürtellinie, das aber eben nur, wenn es tatsächlich nicht anders geht.



„Natürlich tragen wir T-Shirts mit eigenem Wappen: den Umriss Wattweilers, lustig ausgefüllt zum Beispiel mit Käse, Spatzen und Kirschen“.

Die Kerb beginnt ganz traditionell am Freitag mit Fackelwanderung und Ausgraben um 24 Uhr. Fortsetzung am Samstag mit Kerwespielen des TuS Wattweiler, Sonntag um 16 Uhr ist die Kerweredd am Dorfplatz mit Straußstecken am Sportheim. Anschließend Dorfplatzgaudi mit Grumbeersupp und Quetschekuche. Am Dienstag wird dann die Kerb um 19 Uhr wieder begraben.

Für außerkerbliche Aufgaben, sprich, sich dem Wohl der Ortsgemeinde zuzuwenden, fühlt sich die Straußgenossenschaft durchaus verpflichtet, schließlich haben sie alle einen Bezug zu Wattweiler. Um diesem Ziel gerecht zu werden, „machten wir im Frühjahr eine Bildungsreise auf ein Weingut in der Vorderpfalz, wo wir uns in unserer neuen Kluft vorstellten und lernten, wie sich mit Würde und Weingeist das Leben verschönern lässt“, berichtet Kerbemutter Lena.

Übrigens ist Kerbevater Timmeey heuer zur Kerbezeit im Urlaub, „deswegen wird er von uns geächtet“. Vorsichtiges Annähern an die Bevölkerung gelingt bestimmt wieder mit dem ganz persönlichen Besuch Wattweiler Bürger, mit Vorsingen von Liedern und Bitte um milde Gaben.

Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist dann der „Werbetag“, es wird an den Türen geklingelt, die Programme werden verteilt und damit Stimmung für die bevorstehende Kerb gemacht. „Denn eine Saison kostet schließlich eine Stange Geld. Dafür sind wir uns dann auch nicht zu schade, am Dreckwegtag ordentlich mitzuwirken.“