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Straßennamen
Raumfahrtgründer und Genies

Der Rudolf-Nebel-Weg auf dem Kreuzberg.
Der Rudolf-Nebel-Weg auf dem Kreuzberg. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Am Zweibrücker Kreuzberg gibt es „geniale“ Straßenzüge. Von Volker Baumann

Was könnte zur Nähe der Zweibrücker Hochschule auf dem Kreuzberg besser passen als Straßen, die nach genialen Wissenschaftlern oder Erfindern benannt sind. Neben den nach amerikanischen Staaten benannten Verkehrswegen rund um die „Amerikastraße“, gewidmet den Konversions-Ahnen, führen uns die „Albert-Einstein-Straße“, die „Wernher-von-Braun-Straße“ und der „Rudolf-Nebel-Weg“, in die faszinierende Welt des Universums und der Raumfahrt. Bei allen hängt letztlich alles mit der Schwerkraft zusammen, von der Wernher von Braun einmal sagte: „Bei der Eroberung des Weltraums sind zwei Probleme zu lösen: Die Schwerkraft und der Papierkrieg. Mit der Schwerkraft wären wir fertig geworden.“ Doch was sucht der Name Rudolf Nebel neben diesen Größen, die Universum und Raumfahrt auf eine neue Ebene katapultierten? Vielleicht ist der nach ihm benannte Weg auch deshalb nur etwa 110 Meter lang und endet in einer Wendeschleife, weil seine Forschungsarbeit letztlich nie die entsprechende Anerkennung fand. Wir versuchen den Nebel ein wenig zu lüften: Rudolf Nebel, geboren am 21. März 1894 in Weißenburg in Bayern, gestorben am 18. September 1978 in Düsseldorf, war Raketenkonstrukteur und Begründer des weltweit ersten Raketenflugplatzes in Berlin. Er gilt als einer der Gründerväter der Raumfahrt. Von 1923 bis 1927 war er Teilhaber einer Feuerwerksfabrik, arbeitete dann wieder bei Siemens & Halske und war seit 1930 als selbstständiger Raketenforscher tätig. Nebel gehörte zu den Pionieren der Raketentechnik, baute 1929 zusammen mit Hermann Oberth die erste Flüssigkeitsrakete als Propagandarakete für den Film des Regisseurs Fritz Lang „Frau im Mond“ und stellte 1930 an der Berliner Technischen Reichsanstalt sein erstes Raketentriebwerk vor. Im selben Jahr gründete er den Raketenflugplatz Tegel in Berlin-Reinickendorf, wo er unter anderem mit Klaus Riedel, Kurt Heinisch und Wernher von Braun wichtige Grundlagen der Raketentechnik erarbeitete. Er war Mitbegründer der internationalen Forschungsgesellschaft „Panterra“. 1934 wurde er im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch verhaftet und von jeglicher Raketenentwicklung auf Lebenszeit ausgeschlossen. Danach gründete Nebel ein Ingenieurbüro und widmete sich nach 1945 der Vortragstätigkeit. Zwischenzeitlich kämpfte er vergeblich um Entschädigung und Anerkennung und war 1963 bis 1965 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gesellschaft für Weltraumforschung in Bad Godesberg. Nebel schrieb unter anderem das Buch „Raketenflug“ aus dem Jahr 1932. 1972 erschien seine Autobiographie.