| 17:11 Uhr

Musik-Flashmob
Räumlich getrennt, im Geiste vereint

 Walter Rimbrecht gehörte zu den Zweibrückern, die aus ihrem Fenster heraus die „Ode an die Freude“ spielten.
Walter Rimbrecht gehörte zu den Zweibrückern, die aus ihrem Fenster heraus die „Ode an die Freude“ spielten. FOTO: cvw
Zweibrücken. Zahlreiche Musiker in Zweibrücken haben am Sonntagabend zeitgleich „Freude schöner Götterfunken“ gespielt. Von Cordula von Waldow

(cvw) Was ist, wenn sich niemand direkt persönlich trifft und dennoch alle miteinander verbunden sind? Veränderte Situationen bringen neue, kreative Ideen mit sich. Wer den Aufruf über Facebook oder die verschiedenen Musikergruppen in der Region mitbekam, war bereits am letzten Sonntag schon dabei. Bis kommenden Sonntag dürfte sich die Gruppe derer weitaus vergrößert haben, die um 18 Uhr auf ihrem Balkon, auf der Terrasse oder aus dem Fenster die „Ode an die Freude“, besser bekannt als „Freude, schöner Götterfunken“, von Ludwig van Beethoven spielenen.

Laut Walter Rimbrecht sind die Urheber für diesen bundesweiten Flashmob die Musiker der Staatsoper in Stuttgart. Den Zweibrücker Trompeter, der in zahlreichen musikalischen Netzwerken organisiert ist, erreichte die Nachricht unter anderem über die Gruppe „German Winds“, mit der er auch in Rom bereits einen Auftritt hatte. So wie Musiker in vielen Städten Deutschlands, rief auch er in seinen Gruppen und über Facebook dazu auf, sich in den Klängen dieser wunderschönen Mutmach-Hymne zu vereinen.

Musik macht Freude. Freude stärkt das Immunsystem, das eigene und das derjenigen, mit denen wir unsere Freude teilen. So empfand es wohl die weite Nachbarschaft, denn Walter Rimbrechts Trompete, geblasen aus dem Wintergartenfenster, war über den halben Fasanerieberg zu hören. Nachdem die direkten Nachbarn so begeistert waren, blies der ambitionierte Amateurmusiker zusätzlich noch „Feelings“.



In Contwig musizierte zur selben Zeit Tochter Katharina mit ihren beiden zwei- und dreijährigen Kindern. Unter anderem folgten zahlreiche Mitglieder der Stadtkapelle Rimbrechts Aufruf, ebenso wie unter anderem Rudi Knoll oder der Niederauerbacher Pfarrer Matthias von den Zweibrücker Turmbläsern. Auch Pfarrer Wolfgang Emanuel, der nicht nur sehr gut singt, sondern ebenfalls Trompete spielt, beschallte aus seinem Fenster im Pfarrhaus Hl. Kreuz die Allee und den Herzogplatz.

Björn Weinmann, Leiter der Stadtkapelle und zahlreicher Bläserklassen, sowohl der Mannlich-Realschule plus als auch der Herzog-Christian Musikschule, spielte gemeinsam mit seiner Ehefrau in seinem Wohnort Gersheim als „einer von wenigen dort“. „Ich weiß, dass sich in Zweibrücken und Umgebung, je nachdem, wo sie wohnen, viele beteiligt haben“, freut er sich.

„Das ist eine coole Idee!“ findet auch Simone Blatt. Die Sängerin und Organisatorin des Mittelbacher Kirchenchors Gospel & Praise und von Chor 2000 in Contwig will für den kommenden Sonntag alle Singenden noch einmal aktivieren. „Wir überlegen, was wir sonst noch tun können“, sagt sie.

„Ehrensache“ war die Beteiligung auch für Michael Wack. Trommelnd und singend saß der Zweibrücker Musiker (Blueshimmel) auf seinem Balkon in der Gartenstraße und erfreute den unteren Teil des Kreuzberges. Viele Musiker ließen es, da sie einmal begonnen hatten, nicht allein bei der „Ode an die Freude“ bewenden, sondern musizierten im Anschluss munter weiter. Open Air Konzerte einmal anders. So soll es auch am nächsten und allen folgenden Sonntagen sein: 18 Uhr „Freude schöner Götterfunken“, draußen oder aus dem Fenster geblasen, gefidelt, auf dem Klavier oder anderen Tasteninstrumenten gespielt, gesungen, getrommelt, von CD oder aus dem Internet. Alle sind dazu eingeladen. Musik verbindet – diejenigen, die sie machen und diejenigen, die sie hören.