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Nabu in Sorge
Rätsel um mögliche Windrad-Gutachter

Nabu-Verantwortliche haben auf der Weißen Trisch Frauen mit Fachgerät bemerkt: Waren es Gutachterinnen, die vorbeifliegende Rotmilane im Zuge der Windkraftpläne in dem Areal beobachteten?
Nabu-Verantwortliche haben auf der Weißen Trisch Frauen mit Fachgerät bemerkt: Waren es Gutachterinnen, die vorbeifliegende Rotmilane im Zuge der Windkraftpläne in dem Areal beobachteten? FOTO: Patrick Pleul / picture alliance / dpa
Zweibrücken. Der Nabu hat auf der Weißen Trisch Frauen mit Fernrohren beobachtet und vermutet eine Verbindung zu den dort geplanten Windkraftanlagen. Aber die Stadt und das zuständige Planungsbüro wissen von dem Vorgang nichts. Von Eric Kolling

Es mutet mysteriös an, was Gerhard Herz, Vorsitzender des Zweibrücker Naturschutzbundes (Nabu) bei einem Besuch in der Merkur-Redaktion berichtet: Zwei Frauen seien vor einigen Tagen mit Ferngläsern und hochwertigen Spektiven (Beobachtungsfernrohre, die vor allem für die Vogelbeobachtung eingesetzt werden) auf der westlichen Weißen Trisch unterwegs gewesen. Sie seien hinaufgefahren mit Fahrzeugen, an denen Mainzer Kennzeichen prangten. Ihre Lippen seien versiegelt geblieben dahingehend, was für Messungen sie dort für wen durchführen würden.

„Auf die Frage, was hier im Zuständigkeitsbereich der Nabu-Gruppe Zweibrücken beobachtet wird und wer der Auftraggeber sei, erhielt unser Vorstandsmitglied keine Antwort“, schreibt Herz in einem Offenen Brief an Bürgermeister Christian Gauf, in dem er um Aufklärung bittet.

Über entsprechende Vorgänge  sei man sonst immer informiert, gebe bei Bedarf Hilfe oder liefere Infos. Jetzt nicht – das schürt beim Nabu erneut die Befürchtung, dass hinsichtlich der Windkraft-Pläne auf der Weißen Trisch nicht alles mit rechten Dingen zugehen könne. „Wir wollen eine saubere Begutachtung!“, stellt Herz klar. Angesichts der Vorgeschichte nachvollziehbar.



Rückblick: Seit Dezember läuft ein Verfahren, bei dem zwei Vorranggebiete für Windräder um Zweibrücken ausgewiesen werden sollen: am Dörrenbachwald/Buchwald bei Hengstbach und eben auf der westlichen Weißen Trisch. Dazu müssten die Flächennutzungspläne geändert werden. Bis Januar lagen entsprechende Unterlagen öffentlich aus, Bürger konnten Einwände formulieren. Der Nabu hatte das in Form einer 13-seitigen Stellungnahme getan. Der Hauptkritikpunkt zur Weißen Trisch: Dort ist eine zentrale Flugzone für Rotmilane. Das hatte zwischen 2011 und 2013 das Büro Ecorat nachgewiesen, als dort schon einmal Windräder geplant waren. Argus Concept, das die Unterlagen für das aktuelle Verfahren ausgearbeitet hat, hatte sich damals dem Gutachten angeschlossen und erklärt, dass die Räder wegen des unvertretbaren Tötungsrisikos für die Tiere nicht errichtet werden dürften. So kam es auch. Doch nun im neuen Gutachten verschweigt Ersteller Argus den Umstand, obwohl sich an der Situation laut Nabu nichts geändert habe. Der inzwischen nicht mehr für das Unternehmen tätige Argus-Geschäftsführer Matthias Habermeier und die Stadt hatten zu dem Kritikpunkt auf Merkur-Nachfrage im Januar nichts sagen wollen.

Und nun? Achim Später, der zuständige Projektleiter bei Argus, erklärt, man habe mit eventuellen Messungen und Beobachtungen auf der Weißen Trisch nichts zu tun. „Wir machen keine eigenständigen, artbezogenen Erhebungen im Gelände.“  Auch die Stadt weiß laut Sprecher Heinz Braun von dem Vorgang nichts: „Wir wurden nicht informiert, dass da Leute mit einem Feldstecher rumlaufen und wissen auch nicht, ob es sich dabei um Gutachterinnen handelt.“

Es habe drei bis vier Dutzend Einsprüche und Einwendungen gegen die offengelegten Argus-Pläne gegeben. Das Unternehmen, das auch in der Rosenstadt sitzt, sei gerade „in den Endzügen der Auswertung“. In der Bauausschusssitzung am 15. Mai sollen diese öffentlich behandelt werden. Das Gremium soll dann eine Empfehlung für den Stadtrat abgeben, der sich des Themas am 23. Mai annehmen soll.