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Bundesweiter Prognos-Zukunftsatlas 2019
Die Region verliert, Zweibrücken steigt auf

 Es geht aufwärts mit Zweibrücken. Zu den Stärken im Bereich Innovation dürften auch die Hochschule und daraus erfolgende Gründungen beitragen.
Es geht aufwärts mit Zweibrücken. Zu den Stärken im Bereich Innovation dürften auch die Hochschule und daraus erfolgende Gründungen beitragen. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken/Südwestpfalz. Rosenstadt macht im Prognos-Zukunftsatlas 87 Plätze gut – vor allem dank der Stärke bei „Wettbewerb & Innovation“. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Nach dem Absturz in den Zukunftsatlassen 2013 und 2016 bescheinigt die Prognos AG Zweibrücken jetzt wieder deutlich bessere Zukunftschancen: Unter den 401 deutschen kreisfreien Städten und Landkreisen landet die Rosenstadt im Zukunftsatlas 2019 auf Rang 230.

Anhand von 29 statistischen Indikatoren ermittelt das Wirtschaftsforschungsunternehmen alle drei Jahre, wie gut Kommunen für die Zukunft gewappnet sind. Zweibrücken landete im Gesamtranking 2004 auf Platz 102, 2007 auf 200, 2010 auf 50, 2013 auf 291 und 2016 auf 317 – ein wesentlich größeres Auf und Ab als in den Nachbarregionen.

Im am Freitag gemeinsam mit dem Handelsblatt vorgestellten Prognos-Zukunftsatlas 2019 punktet Zweibrücken besonders im Bereich „Wettbewerb & Innovation“ (Rang 62), hier geht es unter anderem um Bruttoinlandsprodukt pro Beschäftigtem, Gründungsintensität und Investitionsquote der Industrie. Überdurchschnittlich gut da steht Zweibrücken auch mit Dynamik-Rang 114 (misst Veränderungen im Zeitverlauf). Auf dem sehr schlechten Platz 354 steht Zweibrücken dagegen bei „Wohlstand & Soziale Lage“. Und auch in den übrigen Bereichen (Demographie 236., Arbeitsmarkt 241. und Stärke 261.) landet Zweibrücken nur in der zweiten Tabellenhälfte.



Auffällig bei der regionalen Auswertung der neuen Prognos-Tabellen ist: Zweibrücken ist so etwas wie eine Insel der Glückseligen. Denn während Zweibrücken im Gesamt­ranking 87 Plätze nach oben geklettert ist, haben die Nachbarn Plätze verloren: der Kreis Südwestfalz 29 auf 314, Pirmasens 2 auf 376, der Saarpfalz-Kreis 34 auf 254, der Kreis Kusel 14 auf 387 (nur der Kreis Kaiserslautern stieg drei Plätze auf 306).

Das Prognos-Institut empfiehlt, nicht nur auf die Rangfolge zu schauen (denn hier lägen Kommunen oft so eng beieinander, dass bei leichter Verbesserung mehrerer Städte eine andere 10 oder 20 Plätze zurückfallen könne, ohne selbst schwächer geworden zu sein), sondern auch auf den in acht Klassen eingeteilten „Zukunftsindex“. Aber auch hier ist der Atlas 2019 für Zweibrücken erfreulich: Nach dem Abstieg vor drei Jahren in die negative Klasse 6 („leichte Risiken“) ist die Rosenstadt nun wieder in Klasse 5 („ausgeglichener Mix Zukunftschancen und -risiken“) zurückgekehrt. Pirmasens steht in Klasse 7 „hohe Risiken“, die Südwestpfalz 6 und Saarpfalz 5.

Erstmals wurden für den Zukunftsatlas 2019 auch untersucht, wo Wohnung-Angebot und -Nachfrage aus der Balance geraten sind. Dabei wurde die Differenz der Zunahme der Haushalte und des Wohnungsbestands im Zeitraum 2011 bis 2017 analysiert. Ergebnis: „193 Kreise und kreisfreie Städte sind von einer Wohnungsbaulücke gekennzeichnet.“ Darunter ist auchZweibrücken, und zwar in der Kategorie „angespannter Wohnungsmarkt mit durchschnittlicher Wohnungsbaulücke“. Prognos schreibt, angesichts der wachsenden Engpässe in vielen attraktiven Großstädten würden „Unter- und Mittelzentren mit verfügbarem Wohnraum für Familienhaushalte auch dann als attraktiver Wohnstandort interessanter, wenn wie deutlich abseits der großen und dynamischen Arbeitsmarktzentren liegen.“

Der Zweibrücker Bürgermeister Christian Gauf (CDU) freute sich auf Merkur-Anfrage, die Verbesserung Zweibrückens in der Prognos-Studie „bestätigt die Wahrnehmung vor Ort“. Stadtsprecher Heinz Braun ergänzte, es gebe „in den letzten Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs bei den Arbeitsplätzen“ und erinnerte daran, „dass Gewerbe- und Industriegebiete knapp werden und wir deshalb daran sind, neue Flächen zu suchen“. Er und die städtische Wirtschaftsförderin Anne Kraft betrachten die Zukunftsatlasse aber auch mit einer gewissen Skepsis: „Es ist schwierig nachzuvollziehen, wie man zu dem starken Auf und Ab kommt. Besonders bei der Dynamik: Da war Zweibrücken 2004 auf Rang 48, 2007 nur noch auf 298, 2010 sogar auf 2, 2013 runter auf 383 und jetzt wieder hoch auf 114.“

Bundesweit steht im Prognos-Zukunftsatlas 2019 die Stadt München auf Platz 1 im Gesamt-Ranking. Am schlechtesten für die Zukunft gewappnet ist der Kreis Stendal, Platz 401. Die meisten Plätze seit 2016 gewonnen hat Leipzig, tiefster Absteiger ist der Landkreis Kaiserslautern. Erstmals seit Jahren ist das Feld der 401 Kreise und kreisfreien Städte etwas näher zusammengerückt.

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