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Ungewöhnliches Konzert bei Eurocassic-Festival
Euroclassic wodkageschwängert

Die rote Dorota (Iva Buric Zalac) und Pawel Popolski (Achim Hagemann) begeisterten die rund 350 Zuschauer in der Zweibrücker Festhalle.
Die rote Dorota (Iva Buric Zalac) und Pawel Popolski (Achim Hagemann) begeisterten die rund 350 Zuschauer in der Zweibrücker Festhalle. FOTO: Maria Schabert
Zweibrücken. „Pawel Popolski“ gastierte mit seiner Wohnzimmershow „Außer der Rand und der Band“ beim Festival in Zweibrücken. Von Maria Schabert

Zur Begrüßung erstmal einen Wodka mit dem gesamten Publikum trinken. Wo es das gibt? Natürlich nur bei den Popolskis. Am Freitagabend zeigte Komponist und Musiker Achim Hagemann alias Pawel Popolski den Zweibrückern in seiner „Wohnzimmershow“ beim Euroclassic-Festival im großen Saal der Festhalle, was es heißt, wenn „der Post ab durch der Decke geht“, wie Hagemann mit gefaktem osteuropäischem Akzent radebrechte.

Mit seiner derzeitigen Tour ist Pawel Popolski auf einer Mission: Er muss der Welt die Augen öffnen und der Menschheit die wahren Ursprünge der Popmusik zeigen. So erzählte er von seinem Opa Piotrek Popolski, der als Organist in der Kirche ihres Heimatorts Zarbrze erstmals eine der bekanntesten Melodien komponierte und damit seine Karriere als Organist beendete – „Highway to Hell“. Aber auch unzählige weitere weltbekannte Hits entstammten der Kreativität dieses Mannes. Zum Beispiel seien bloß drei verschiedene Töne für einen garantierten Hit nötig, wie Opa Popolski bereits AC/DC erklärte und ihren Hit „Let there be Polka“ komponierte.

Die erste Hälfte der Show präsentierte Pawel allein. Er erläuterte die vorhandenen Musikinstrumente und enthüllte das ominöse, geheime Instrument: die drei Kesselpauken. Darauf spielte er die größten Kesselpaukenhits seines Opas wie „Opa was a Rolling Stone“. Außerdem stellte er sein besonderes Schlagzeug vor, bei dem die Bass Drum aus einem Koffer besteht, von Popolski gerne „Polka to go“ genannt. Zwischendurch verriet er dem Publikum, dass ein neues Vitamin im Wodka gefunden worden sei. Das Vitamin „W“ – für Wachstum und Wohlbefinden. Vor und nach jedem Song musste immer gut nachgetrunken werden, um das Level zu halten.



Auch auf seine frühere Zusammenarbeit mit Hape Kerkeling kam Hagemann in der Rolle Pawel Popolskis zu sprechen. Der bekannte Zwölfton-Avantgarde-Polka, ein „Polka für die Intellektuellen“, bei dem am Schluss jemand „Hurz!“ ruft. Das sei aber nur etwas für Menschen, die zu wenig Wodka trinken, ergänzte der Musiker schmunzelnd.

Musikalisch auf hohem Niveau wurde das Publikum mit der „Drei-Złoty-Oper“ unterhalten und „der trubste Tasse von der ganze Familie“, Janusz Popolski, begleitete Pawel per Videoanruf auf seiner Bassgitarre.

Zur zweiten Hälfte der Show kam Iva Buric Zalac alias Dorota Popolski auf die Bühne. Sie eröffnete ihren Auftritt mit der emotionalen Ballade „I will always love you“ im Polka-Style für den Opa, dem einzigen Mann in ihrem Leben. Die Stimmung wurde angekurbelt und nachdem mehrere Schnapsgläser Wodka getrunken worden waren, heizte die ganz in Rot gekleidete Sängerin dem Publikum ordentlich ein. Alle Zuschauer mussten aufstehen und Dorota brachte ihnen den Polka-Schritt bei. Der Boden der Festhalle bebte und das Publikum war begeistert.

„Hebst du der Glas, sagst du ‚raz‘. Stoßt du an, sagst du ‚dwa‘. Trinkst du da Wodka sagst du ‚trzy‘ – kippen! Schmeißt du über der Schulter, sagst du ‚cztery‘“, ein Trinkspruch, den man man mehr als nur einmal an diesem Abend hörte. Es wurde aber auch sehr gefühlvoll, als Dorota und Pawel ein „Lied uber de Gefuhle“ bekannt als „I got a Feeling“ anstimmten.

Als Höhepunkt des Abends wurde ein Zuschauer aus dem Publikum auf die Bühne geholt, der die beiden Popolskis am Schlagzeug begleiten durfte. Pawel saß am Piano, Dorota schnappte sich die E-Gitarre und es wurde lauthals „Hey nah nah nah“ gesungen. „Dorbze!“ könnte man sagen, ganz nach dem Motto der Popolskis.