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Oberbürgermeister-Wahl 2018
Viel Harmonie und einige giftige Spitzen

Die sechs Oberbürgermeister-Kandidaten im Mittelpunkt: Marold Wosnitza (SPD), Christian Gauf (CDU), Klaus Peter Schmidt (AfD) sowie die Einzelbewerber Atilla Eren, Andreas Wente und Thomas Kewel kämpften gestern bei der Podiumsdiskussion von Pfälzischem Merkur und DieWoch in der Karlskirche um die Gunst der Wähler. Am kommenden Sonntag gehen die Zweibrücker Bürger an die Urnen, eventuell folgt am 14. Oktober eine Stichwahl.
Die sechs Oberbürgermeister-Kandidaten im Mittelpunkt: Marold Wosnitza (SPD), Christian Gauf (CDU), Klaus Peter Schmidt (AfD) sowie die Einzelbewerber Atilla Eren, Andreas Wente und Thomas Kewel kämpften gestern bei der Podiumsdiskussion von Pfälzischem Merkur und DieWoch in der Karlskirche um die Gunst der Wähler. Am kommenden Sonntag gehen die Zweibrücker Bürger an die Urnen, eventuell folgt am 14. Oktober eine Stichwahl. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. 400 Bürger machten sich gestern Abend bei der Merkur-Podiumsdiskussion ein Bild von allen sechs Oberbürgermeister-Kandidaten. Von Mirko Reuther

Für manchen Betrachter vielleicht zu harmonisch, aber auch mit einigen Spitzen und vielen lebendigen Diskussionen verlief gestern Abend die Podiumsdiskussion der sechs Bewerber um das Zweibrücker Oberbürgermeisteramt.

Christian Gauf (CDU) und Marold Wosnitza (SPD), die beiden wohl aussichtsreichsten Bewerber, nutzten die große Bühne, die der Pfälzische Merkur und Die Woch in der mit 400 Besuchern voll besetzten Karlskirche boten, selten zu Angriffen. „Wir wären ein gutes Team“, erklärte der amtierende Bürgermeister Gauf, nachdem Wosnitza sich als Kandidaten skizziert hatte, der „über den Tellerrand schaut“ und Wege „abseits der normalen Abläufe einschlägt“. Wosnitza stimmte da zwar grundsätzlich zu, aber mit einer entscheidenden Voraussetzung: „Wir wären tatsächlich ein gutes Team – aber nur wenn ich zum Oberbürgermeister gewählt werde, ist sichergestellt, dass es dieses Team auch geben wird.“

Neben vielen parteilosen Bürgern folgten auch Vertreter der Parteien aus dem Zweibrücker Stadtrat, die keinen eigenen Bewerber ins Rennen um die OB-Wahl geschickt hatten, interessiert der Podiumsdiskussion. FDP-Fraktionschefin Ingrid Kaiser war ebenso gekommen wie Grünen-Chef Norbert Pohlmann. Auch Stadtrat Christoph Gensch, der am Morgen noch in Mainz von CDU-Landeschefin Julia Klöckner auf einer Pressekonferenz als potenzieller neuer Generalsekretär der Landespartei vorgestellt worden war, war in die Karlskirche anwesend und schüttelte viele Hände.



Sie alle sahen, wie sich die Einzelbewerber Klaus Peter Schmidt (AfD), Atilla Eren, Thomas Kewel und Andreas Wente (alle parteilos) schwer taten, die Platzhirsche Gauf und Wosnitza in Bedrängnis zu bringen. Eren betonte wiederholt seine Bodenständigkeit und seinen Pragmatismus: „Wenn es ein Problem gibt und jemand sagt, das geht nicht, probiere ich trotzdem alles.“ Außerdem hatte er den einen oder anderen Schmunzler auf seiner Seite. Etwa durch eine kleinere Frotzelei gegenüber der Bundeswehr, bei der die Kandidaten Wente und Kewel beschäftigt sind. Darüber hinaus blieb der Besitzer einer Gerüstbaufirma aber blass. Eine Frage zur Wirtschaftsförderung leitete er zunächst weiter. Eine andere Frage zu einem Konzept für die Innenstadt kommentierte er lapidar damit, dass „die anderen ja jetzt schon ihren Senf dazu abgegeben“ hätten.

Berufssoldat Kewel erntete für seine Aussage, dass das Oberbürgermeisteramt nicht zwangsläufig mit einem akademischen Grad einhergehen muss, höflichen Applaus. Im Anschluss kratzte der 35-Jährige aber zu oft nur die Oberfläche von Problemen an und verlor sich in Allgemeinplätzen wie der Forderung nach einem „starken Zweibrücken“, „zusammen in die Zukunft“ zu schauen oder „gemeinsam klare Entscheidungen“ zu treffen.

AfD-Kandidat Schmidt beklagte, Zweibrücken seien durch den hohen Schuldenberg, den die Stadt vor sich herschiebe, die Hände gebunden. Statt neue Bauflächen zu erschließen forderte er, leer stehenden Wohnraum für junge Familien zu erschwinglichen Preisen wieder bewohnbar zu machen. Zudem betonte der AfD-Kandidat, dass er Zweibrücken für keine unsichere Stadt halte. Kewel, der im Vorfeld der Podiumsdiskussion mit der Forderung nach einer „Bürgerwehr“ von sich reden gemacht hatte, vertrat gestern die Meinung, dass „es Bereiche gibt, in die sich die Zweibrücker nach 23 Uhr nicht mehr hin trauen“. Eren, früher selbst Security-Mann, entgegnete, eine Bürgerwehr bringe nicht mehr Sicherheit gegen wirkliche Gefahren.

In einer Minute durften die Kandidaten abschließend Werbung für sich betreiben. Schmidt nutzte die Zeit lediglich zu der vagen Erklärung, „kolossale Veränderungen im ganzen Stadtgebiet“ anzustreben.

Wente, der sich selbst als „kreativen Kopf“ bezeichnete, der Projekte „gemeinsam mit dem Stadtrat“ anstoßen wolle, betonte wiederholt die Notwendigkeit, die Innenstadt für Jugendliche wieder attraktiver zu gestalten. Daneben zeigte sich Wente als einziger der sechs Kandidaten angriffslustig. Er übte harsche Kritik an der Zweibrücker Wirtschaftsförderung. Man dürfe nicht nur passiv im Büro darauf warten, dass Möglichkeiten an die Stadt herangetragen würden, statt aktiv nach ihnen zu suchen. Die von Bürgermeister Christian Gauf geplante Wirtschaftsförderungsgesellschaft komme viel zu spät. Diese Gesellschaft will Gauf unter Beteiligung der städtischen Tochterunternehmen gründen.

Zudem kritisierte Wente SPD-Kandidat Wosnitza dafür, dass er im OB-Wahlkampf von den Linken unterstützt wird. Wosnitza erwiderte, dass er bei jeder Partei vorstellig geworden sei, die ihn eingeladen habe. „Wenn die den Weg, den ich einschlagen will für richtig halten, sehe ich das positiv“, erklärte Wosnitza. Er hob seine Qualifikation als Professor an der Hochschule Aachen hervor – er sei konzeptionsstark und könne Zweibrücken voran bringen. Großansiedlungen wären natürlich immer gut, man müsse aber vor allem den Mittelstand stärker in den Fokus rücken. „Zehn Unternehmen mit hundert Mitarbeitern sind besser als eins mit tausend, wenn eins wegbricht gibt es noch neun andere.“

Gauf wies darauf hin, dass er das Amt des Oberbürgermeisters nach dem Tode von Kurt Pirmann (SPD) unter schwierigsten Bedingungen übernommen habe, bereits seit einem Jahr ausfülle und seitdem verschiedene Projekte wie den Parkbrauerei-Bebauungsplan und das Einzelhandelskonzept auf den Weg gebracht habe.

Im Hinblick auf Fragen aus dem Bereich der Wirtschaft und der strukturellen Entwicklung der Stadt wurden Gauf und Wosnitza von den Zuhörern meist mit dem größten Applaus bedacht – auf die Frage, wem sie das wichtige Amt des Baudezernenten übertragen würden, gaben aber beide nur ausweichende Antworten, da müsse man die künftige Besetzung des gesamten Stadtvorstands abwarten. Klar erklärte Eren, dass er das für die Stadtentwicklung wichtige Baudezernat übernehmen wolle.

Das Bürgerfernsehen „Offener Kanal Südwestpfalz“ hat die Podiumsdiskussion aufgezeichnet und sendet sie voraussichtlich am Freitag um 7 und 11 Uhr sowie Samstag um 11, 15, 19 und 23 Uhr. Sobald verfügbar, veröffentlicht der Merkur auch einen Online-Link zu dem Video.

Bei der Merkur-Podiumsdiskussion kamen auch mehrere Bürger mit ihren Fragen zu Wort.
Bei der Merkur-Podiumsdiskussion kamen auch mehrere Bürger mit ihren Fragen zu Wort. FOTO: Volker Baumann
Die rund 400 Zuhörer in der Zweibrücker Karlskirche waren gespannt darauf, was die sechs Oberbürgermeister-Kandidaten zu sagen hatten.
Die rund 400 Zuhörer in der Zweibrücker Karlskirche waren gespannt darauf, was die sechs Oberbürgermeister-Kandidaten zu sagen hatten. FOTO: Volker Baumann
Merkur-Lokalreporter Lutz Fröhlich und Verlagsleiter Serkan Karabulut (4. und 5. von links) moderierten die Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeister-Kandidaten (von links) Klaus Peter Schmidt, Thomas Kewel, Marold Wosnitza, Christian Gauf, Andreas Wente und Atilla Eren.
Merkur-Lokalreporter Lutz Fröhlich und Verlagsleiter Serkan Karabulut (4. und 5. von links) moderierten die Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeister-Kandidaten (von links) Klaus Peter Schmidt, Thomas Kewel, Marold Wosnitza, Christian Gauf, Andreas Wente und Atilla Eren. FOTO: Volker Baumann