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Nach Schließung von Evangelischem Krankenhaus Zweibrücken
Pirmasens und Homburg profitieren am meisten

Das einstige Evangelische Krankenhaus in Zweibrücken.
Das einstige Evangelische Krankenhaus in Zweibrücken. FOTO: Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Im ersten Jahr nach der Schließung des Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken wurden die meisten Babys von Eltern aus dem Zweibrücker Land an der Uniklinik Homburg geboren. Prozentual war der Zuwachs am Städtischen Krankenhaus Pirmasens am größten. Von Lutz Fröhlich

Seit Mitte Juli 2016 werden in Zweibrücken keine Kinder mehr geboren. Wo aber kommen seitdem die Kinder von Eltern aus Zweibrücken und den südwestpfälzischen Nachbardörfern zur Welt? Zu dieser Frage gab es nach der Schließung des Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken (EvK) viele Spekulationen: Weichen die Mütter in die nächstgelegene Klinik mit Geburtshilfe-Abteilung nach Homburg aus, oder gibt es Bedenken wegen der Größe des dortigen Universitätsklinikums? Verhindert der oft abschätzige Blick der Herzogstädter auf die Schlabbeflickerstadt einen nennenswerten Ansturm auf Pirmasens?

Der Pfälzische Merkur hat bei allen vier laut Google Maps innerhalb von bis zu einer halben Stunde Fahrzeit aus Zweibrücken erreichbaren Kliniken mit Geburtshilfe-Stationen nachgefragt, wie viele Kinder in den ersten zwölf Monaten nach der Zweibrücker Geburtshilfe-Schließung das Licht der Welt erblickt haben. Die Antworten dauerten teils mehrere Monate, jetzt aber ergibt sich ein klares Bild.

Rein nach Zahl der Geburten betracht, ist das 14 Minuten entfernte Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg der größte Profiteur der EvK-Schließung. Dort sind von August 2016 bis Juli 2017 insgesamt 1926 Kinder zur Welt gekommen, darunter 270 (14 Prozent) aus dem Zweibrücker Land. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren das noch 116. Damit ist die Geburtenzahl aus Zweibrücken innerhalb nur eines Jahres um 133 Prozent gestiegen. Ein beeindruckender Anstieg.



Prozentual wird dieser Anstieg aber vom Städtischen Krankenhaus Pirmasens (20 Fahrtminuten) noch deutlich in den Schatten gestellt: plus 247 Prozent. Absolut betrachtet behält dennoch Homburg eindeutig die Nase vorn – denn der Anstieg in Pirmasens erfolgte von einem niedrigen Niveau aus: 36 Geburten aus Zweibrücken und Nachbardörfern gab es zwischen August 2015 und Juli 2016, 125 waren es zwischen August 2016 und Juli 201. Besonders bei Babys von Eltern aus der Stadt Zweibrücken machte das Pirmasenser Krankenhaus einen massiven Sprung nach oben: von 5 auf 61. Damit trug neben dem bundesweiten Geburtenanstieg auch die EvK-Schließung wesentlich dazu bei, dass das Pirmasenser Krankenhaus 2017 einen neuen Geburtenrekord verzeichnen konnte.

Auch die Marienhausklinik St. Josef Kohlhof in Neunkirchen war Nutznießer der EvK-Schließung, trotz nur 15 Fahrtminuten Entfernung allerdings deutlich weniger stark als Homburg und Pirmasens: In der Marienhausklinik kamen in den ersten zwölf Monaten nach der EvK-Schließung 27 Kinder aus dem Zweibrücker Land zur Welt, ein Anstieg von 47 Prozent.

Noch geringer fiel wohl der Anstieg im Nardini-Klinikum St. Johannis in Landstuhl aus. Das Nardini-Klinikum hat zwar auch einen Standort in Zweibrücken, ist aber mit 30 Fahrtminuten am weitesten entfernt. Als einziges der vier vom Merkur angefragten Krankenhäuser legt das Nardini die „Zweibrücker“ Zahlen nicht offen, schreibt aber von „jährlich steigenden Geburtenzahlen, die im Wesentlichen nicht auf Veränderungen in den von ihnen genannten Einzugsgebieten zurückzuführen sind“.