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Informations-Veranstaltung
Pflanzen einfach wachsen lassen

 Die Zweibrücker sollten sich in Zeiten des Klimawandels vom akkurat gestutzten Garten verabschieden und der Natur stattdessen Raum zum Wuchern geben, empfiehlt Gartenexperte Werner Ollig.
Die Zweibrücker sollten sich in Zeiten des Klimawandels vom akkurat gestutzten Garten verabschieden und der Natur stattdessen Raum zum Wuchern geben, empfiehlt Gartenexperte Werner Ollig. FOTO: dpa-tmn / Frank Rumpenhorst
Zweibrücken. Informationsveranstaltung für klimaangepasstes Bauen und Gärtnern. Von Fritz Schäfer

„Mehr Grün, mehr Blau und mehr Beige“ in den Städten war die Empfehlung von Christian Kotremba von der Stiftung Ökologie und Demokratie, um auf den Klimawandel zu reagieren. Werner Ollig von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz, schlug bei der Informationsveranstaltung für klimaangepasstes Bauen und Gärtnern im Herzogsaal vor, die Pflanzen im Garten „einfach mal wachsen, einfach mal stehen lassen“.

Bei der Veranstaltung erläuterte Kontremba den rund 50 Zuhörern die Ergebnisse des Projekts Klimawandel-Anpassungscoach  (wir berichteten). Zweibrücken ist eine von 15 Gebietskörperschaften in Rheinland-Pfalz, die an dem Modellprojekt teilnehmen, wie die Beigeordnete Christina Rauch (CDU) bei der Begrüßung feststellte. Mit der Teilnehme werde in Zweibrücken nicht nur diskutiert, es werde damit seit einem Dreivierteljahr etwas getan.

Auch in Zweibrücken stiegen die durchschnittlichen Jahrestemperaturen seit den 1990er Jahren stetig an. Die wärmsten Jahre habe es in den 2010er Jahren gegeben. Bei den Niederschlägen gebe es mehr lokal begrenzte Starkregen-Ereignisse. Bei dem Projekt seien 21 Maßnahmen vorgeschlagen worden. Etwa der Aufbau eines Klimawandelanpassungsmanagements, Leitstrategien zur Klimaanpassung oder als sichtbare Elemente die mobile Begrünung des Herzogplatzes oder die Begrünung des Parkhauses am Schloss.



Damit war Kotremba auch bei den Vorschlägen für Hausbesitzer. Dachbegrünung, Fassadenbegrünung oder die Beschattung der Häuser mit Bäumen. Damit kommt mehr grün in die Stadt. Auch die Regenwassernutzung regte der Klimawandel-Anpassungcoach vor. Damit kommt mehr blau in die Stadt. Und mit der Verwendung von Holz als Baustoff für Häuser kommt mehr beige in die Stadt.

Der Gartenexperte Ollig betonte in seinem kurzweiligen Vortrag, die Bedeutung von Pflanzen für das Kleinklima in den Städten. Deshalb soll man die vorhandenen Räume „mit Pflanzen vollstellen“. Gleichzeitig sprach er sich gegen Schottergärten mit dem Schlagwort „entsteint euch“ aus. Dabei möchte Ollig weniger mit Verboten für seine Idee werben. „Wir müssen zeigen, dass blühende Gärten schön sind.“ Daneben sei es wichtig daran zu erinnern, dass Pflanzen Schatten spenden, die Umgebung kühlen, die Luft filtern oder Kohlendioxid speichern.

In seine Empfehlung die Pflanzen „einfach mal wachsen, einfach mal stehen lassen“ schloss Ollig ausdrücklich die so genannten Unkräuter ein. „Jede Pflanze ist wichtig und hat eine Funktion.“ Auch eine intensive Pflege des Rasens fand nicht den Gefallen des Gartenexperten. Statt Rasen sollte man in den meisten Fällen Stauden anpflanzen. Es sei denn, man benötige Rasen als Spielfläche für Kinder oder Feste.

Aber auch da könne man beim Mähen eine Fläche stehen lassen. „Lassen sie den Garten unordentlich“, schlug Ollig vor. Auch wenn die Nachbarn den Kopf schütteln. Auf Pflanzenschutzmittel sollten Gartenbesitzer verzichten. „Da dürfen wir mit dem Finger nicht nur auf die Landwirte zeigen.“ Gegenseitige Vorwürfe seien auch sonst unangebracht, sagte Ollig bei der Diskussion. Stattdessen solle jeder bei sich anfangen, bevor er von den Kommunen etwas fordert.

So wurde bei der Diskussion unter anderem gefragt, wie das Projekt konkret angegangen wird. „Wir haben die Leitlinien beschlossen und gehen das an, was auch finanziell möglich ist“, sagte der Leiter des Zweibrücker Bauamts, Christian Michels. Der Stadtplaner im Bauamt, Harald Ehrmann, sagte, dass zum Beispiel beim Straßenausbau mehr Bäume gepflanzt werden sollen. Wobei es da von den Anliegern Widersprüche gebe.

Bei einem geplanten Neubaugebiet sei der Naturschutzbeirat eingebunden, nannte Ehrmann als zweites Beispiel. Dazu hatte sich Kotremba in seinem Vortrag bereits geäußert. Zweibrücken soll bei der Aufstellung von Bebauungsplänen Kaltluftzonen erhalten, empfahl der Stadtplaner.