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Vorschau auf Zweibrücker Weihnachts-Predigten
Pfarrer ergründen Heiligabend die Bedeutung von Weihnachten

 Eine Holzfigur von Jesus in einer Krippe.
Eine Holzfigur von Jesus in einer Krippe. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Zweibrücken. Butz: Konsum steht für die meisten Menschen keineswegs im Vordergrund. – Emanuel: „Auch Gott will willkommen geheißen und geliebt werden.“ Von Norbert Rech

Selten sind die Kirchen so voll besetzt wie an Heiligabend. Schließlich gehört für viele Menschen der Besuch des Gottesdienstes zum festen Bestandteil von Weihnachten. Für die Zweibrücker Pfarrer eine Gelegenheit, mit einer guten Predigt die Herzen von vielen Gläubigen zu erreichen.

Bei dem evangelischen Dekan Peter Butz geht es diesmal darum, ob Jesus wirklich der König oder Messias war, der Israel oder die Welt rettet. „Freut euch, Christ, der Retter ist da“, heißt es im Lied „Stille Nacht“. Die Weihnachtsfreude verkündet der Engel den Hirten auf den Feldern von Betlehem. In ihrer Not und Traurigkeit sollen sie sich freuen, weil Gott selbst in die Welt gekommen ist, um die Welt zu retten und von aller Not zu erlösen. Diese Weihnachtsfreude drückt sich dort aus, wo man zumindest für einige Stunden die Sorgen des Lebens im Licht des menschgewordenen Gottes betrachtet und von ihm her neue Hoffnung schöpfen kann. Doch ist Jesus wirklich der Retter? Warum gebe es dann immer noch Kriege oder anderes Leid? Auch heute gebe, so Butz, eine Reihe von teilweise selbsternannten Rettern. An Heiligabend will Butz auch diese beleuchten und dabei der Frage nachgehen, welche Rolle die Menschen spielen, um diese so sehnsüchtig erwartete bessere Welt zu bekommen. Schließlich habe Jesus in erster Linie die Botschaft von Gott verkündet, wie beispielsweise die Nächstenliebe, nach der die Menschen sich richten sollten. Weihnachten zeige, dass die Menschen ihre Herzen öffnen können. Sie stellten zumindest für ein paar Tage fest, dass sie nicht „in einer ganz richtigen Welt leben“. Konsum stehe an Weihnachten für die meisten keineswegs im Vordergrund. Viel wichtiger sei die Sehnsucht nach einem Fest, das sie gemeinsam mit der Familie und engen Freunden feiern, so der Dekan.

Sein katholischer Kollege Pfarrer Wolfgang Emanuel geht der Bedeutung von Weihnachten auf den Grund. Die meisten Antworten seien vom Glauben längst entkoppelt: „Weihnachten ist das Fest des Friedens“; „Weihnachten ist ein traditionelles Fest für Familie und Freunde“; „Weihnachten sind drei tolle Tage zum Ausruhen und zum guten Essen“; „zu Weihnachten gehören Romantik und Gemütlichkeit“; „zu Weihnachten gibt es Geschenke“: Alle diese Aussagen stellten klar vor Augen, dass es im Weihnachtsgeschehen letztlich immer um tiefe Sehnsüchte des Menschen geht: Frieden. Die eigentliche Botschaft sei aber sehr einfach. Im Evangelium heiße es: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr!“ Verkürzt: Gott kommt als Kind. Wenn ein Kind kommt, sei normalerweise die Freude groß. Die Eltern teilten dann diese Freude mit ihren Angehörigen und Freunden. Alle würden kommen, um den neuen Erdenbürger zu begrüßen und zu begutachten.



Mit Blick auf die Heilige Nacht überlegt Emanuel, warum der große Gott in seinem Kommen so gewesen sei. „Ich denke, Gott weiß um unser Herz. Was uns Menschen mit übermächtiger Größe konfrontiert, überfordert und macht Angst. Dem Kleinen aber kann man nicht widerstehen. Und auch Gott will willkommen geheißen und geliebt werden“, so die These des Zweibrücker Seelsorgers. Ein weiterer Gedanke sei, ob man mit Gott alles richtig im Leben mache. Die Kirche als Institution, die das Gedächtnis Gottes für uns wachhält, verschwinde mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben. Auch in unseren Familien sei der Glaube ja längst keine starke Einheit mehr. Über weite Strecken seines Lebens müsse ein Christ heute allein mit seinem Glauben zurechtkommen. An Weihnachten dürfe er das christliches Lebensgefühl überprüfen. Der dritte Gedanke mit Blick auf das kleine Kind richte sich auf die Zukunft. Ob Gott im eigenen Leben noch wachsen könne, habe man immer auch selbst in der Hand.