| 20:32 Uhr

Austritt aus Deutschem Wanderverband
Pfälzerwald-Verein diskutiert über Zukunft

 Im Streit innerhalb des Pfälzerwald-Vereins um das Aufkündigen der Mitgliedschaft im Deutschen Wanderverband soll weiter diskutiert werden.
Im Streit innerhalb des Pfälzerwald-Vereins um das Aufkündigen der Mitgliedschaft im Deutschen Wanderverband soll weiter diskutiert werden. FOTO: dpa / Henning Kaiser
Zweibrücken. Längst unterhält der traditionsreiche Pfälzerwald-Verein auch Ortsgruppen im Saarland und in Rheinhessen. Doch der innere Frieden ist gestört. Gerungen wird um den Verbleib im Bundesverband. Von Wolfgang Jung (dpa)

(dpa/cms) Der Pfälzerwald-Verein (PWV) verlässt zum Jahresende den Deutschen Wanderverband: Das hat der Hauptvorstand des PWV beschlossen – und damit eine interne Diskussion ausgelöst. Bereits im Juni war der PWV als Fachverband mit besonderer Aufgabenstellung als neues Mitglied beim Sportbund Pfalz aufgenommen worden. Unter diesem Dach soll nun die neue Heimat sein. „Mit dem Austritt werden mehr als 60 Jahre Jugendarbeit in die Tonne getreten“, kritisiert Mark Neckel, der Vorsitzende der PWV-Ortsgruppe Kaiserslautern-Erlenbach. Er sieht zahlreiche Gründe für einen Verbleib im bundesweiten Verband, etwa das gute Angebot an Arbeitsmitteln sowie die vielen Weiterbildungsmöglichkeiten. Bei einem Treffen in Zweibrücken Ende Juli sei deshalb heftige Kritik geübt worden.

Auch Jürgen Grauwickel, Vorsitzender der Zweibrücker Ortsgruppe, ist nicht glücklich mit der Situation und gegen einen Austritt. „Wir Zweibrücker wünschen das nicht. Der Sportbund Pfalz ist für uns kein Vorteil. Wandern ist auch Sport, aber nicht zu vergleichen mit einem Sportverein.“

Anders sieht es der PWV-Vorsitzende Martin Brandl. Für ihn sei es auch eine Abwägungsfrage, sagt der Betriebswirt aus Rülzheim. Die Mitgliedschaft im Wanderverband koste den PWV künftig 25 000 Euro im Jahr. „Ab wann rentiert es sich noch für uns?“ Auf vielen Feldern wie der Familienarbeit sei der Pfälzerwald-Verein mit 25 000 Mitgliedern weitgehend selbstständig. „Mir fehlen eindeutige Argumente zum Verbleib im Wanderverband“, betont Brandl. „Mit der Entscheidung zum Austritt haben wir es uns bestimmt nicht leicht gemacht.“



Der Pfälzerwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Wandern ist in der Pfalz fast eine Glaubensfrage. Und der Pfälzerwald-Verein mit der Hauptgeschäftsstelle in Neustadt an der Weinstraße ist nicht irgendeine kleine Gruppe. Der 1902 in Ludwigshafen gegründete PWV unterhält rund 100 Hütten und umfasst etwa 200 Ortsgruppen – längst auch in Rheinhessen und im Saarland.

Dem Deutschen Wanderverband ist die Bedeutung bewusst. „Wir würden einen Austritt sehr bedauern“, sagt Sprecher Jens Kuhr. Je größer ein Verband sei, mit desto mehr Schlagkraft könne er zum Beispiel bei der Politik Anliegen vorbringen. „Es profitieren alle davon. Nur den monetären Aspekt zu sehen, ist zu kurz gegriffen“, meint er. Wer austrete, sei von vielen Vorteilen und Entwicklungen abgeschnitten. „Wir sind jederzeit offen für Gespräche“, unterstreicht Kuhr.

„Ein wesentlicher Teil der Verärgerung resultiert aus der Vorgehensweise des Vorstands, die Entscheidung im kleinen – und aufgrund der Ferienzeit noch verkleinerten – Teilnehmerkreis gleichsam hinter verschlossenen Türen zu treffen“, sagt Austrittsgegner Neckel. „Daher richtet sich der Unmut auch sehr stark gegen den Hauptvorstand und die Geschäftsführung.“ Das sieht auch Jürgen Grauwickel so: „Das Vorgehen ist undemokratisch.“ Der Verein sei aber keinesfalls gespalten, und beide Seiten befänden sich inmitten einer Diskussion. „Ich gehe davon aus, dass der Vorstand sich weiter auf die PWV-Ortsgruppen zubewegt“, meint Neckel.

Ähnlich sieht es Brandl. „Ich werde Anfang September ein Gespräch anbieten, um die Kritik aufzunehmen und will ganz bewusst zuhören, was die Kritiker bewegt“, kündigt der Vorsitzende an. Er stehe weiterhin hinter dem Vorstandsbeschluss für den Austritt, und er wisse von etlichen Ortsgruppen, die ebenfalls dafür seien. Gleichwohl räumt er ein, dass „die Dynamik so nicht erwartbar war“.

Brandl betont, die Diskussion sei ihm wichtig. Die Befürworter eines Verbleibs müssten neue Argumente liefern. „Da brauche ich mehr Butter bei die Fische.“ Gleichwohl soll über den Fall auch bei der nächsten Hauptversammlung unter Beteiligung aller Ortsgruppen des PWV diskutiert werden. Derzeit ist die Versammlung für März 2020 geplant.

Neckel sieht den Austritt nicht als beschlossene Sache. Die Befürworter der Mitgliedschaft, sagt er, seien „aufgrund zunehmender Rückmeldungen aus den Ortsgruppen“ zuversichtlich, die für eine Rückkehr zum Wanderverband erforderliche Mehrheit zu erreichen.