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Wanderverband oder Sportbund?
Zweibrücker PWV will zum Wanderverband

 Das Gelände des Pfälzerwald-Vereins Zweibrücken an der Hahnberghütte, im Vordergrund die neu angelegte Wildblumenwiese.
Das Gelände des Pfälzerwald-Vereins Zweibrücken an der Hahnberghütte, im Vordergrund die neu angelegte Wildblumenwiese. FOTO: Susanne Lilischkis
Zweibrücken. Viel Unmut erzeugte die Ankündigung des Hauptverbandes beim Pfälzerwald-Verein, aus dem Wanderverband auszutreten. In Zweibrücken regt sich Widerstand gegen die Pläne.

Zum Ende des Jahres will der Pfälzerwald-Verein den Deutschen Wanderverband verlassen (wir berichteten). Das kommt nicht nur bei der Zweibrücker Ortsgruppe des Vereins gar nicht gut an. Kürzlich trafen sich mehr als 30 Vertreter von Ortsgruppen in Zweibrücken, um über die Frage des Austritts zu diskutieren.

Jürgen Grauwickel, Vorsitzender der PWV-Ortsgruppe Zweibrücken, ist für einen Verbleib im Wanderverband. „Wir sind schon seit den Anfängen des Verbandes dabei“, betont er. Das Argument, der Pfälzerwald-Verein würde nicht mehr von den Leistungen des Wanderverbandes profitieren, sieht er nicht so. „Es gibt zahlreiche Wanderangebote im Verband, auch Kanuwanderungen oder Radwanderungen. Schauen Sie mal auf unseren Wimpelständer, da ist alles voll mit Wimpeln vom Deutschen Wandertag.“

Und dann weist er noch auf ein Problem hin, an das anscheinend noch keiner gedacht hat: „Der Wanderverband unterstützt die Wanderjugend, die es in Zweibrücken schon seit den 1960er Jahren gibt. Treten wir aus dem Wanderverband aus, dann wird es die Wanderjugend in Zweibrücken nicht mehr geben.“



Dass der Pfälzerwald-Verein nun in den Sportbund Pfalz eingetreten ist, macht für Grauwickel wenig Sinn: „Wandern ist auch Sport, aber nicht zu vergleichen mit einem Sportverein. Wir müssen etwas für die Jugend tun. Und da kämpfen Sportvereine doch mit den gleichen Problemen wie wir: da gibt es auch jede Menge Überalterung.“

Ein Grund für den Pfälzerwald-Verein, aus dem Wanderverband auszutreten, waren die gestiegenen Kosten, die auf den Hauptverein zukommen. So muss er zukünftig 25 000 Euro an den Wanderverband zahlen. Auch darin sieht die Zweibrücker Ortsgruppe kein großes Problem. „Pro Person zahlen unsere Mitglieder elf Euro pro Jahr an den Hauptverein, davon gehen zehn Prozent an den Wanderverband. Das sind keine großen Summen“, bemerkt Jürgen Grauwickel, „es ist ja auch so, dass alles teurer wird mit den Jahren“.

Gestört hat ihn vor allem das aus seiner Sicht undemokratische Verhalten des Hauptvereins. Der hatte im Juni per Rundschreiben den Austritt aus dem Wanderverband an die Ortsgruppen öffentlich gemacht. „Bei so einem wichtigen Thema hätten wir uns eine Mitgliederbefragung gewünscht“, sagt Grauwickel, „in unserer Ortsgruppe wird Demokratie gelebt und ich wünsche mir vom Hauptverband, dass wir offen und ehrlich miteinander umgehen. Vor allem möchte ich Informationen darüber erhalten, was beim Wanderverband nicht gestimmt hat. Die ganze Ortsgruppe fühlt sich nicht gut informiert über das Thema.“

Einen Lichtblick gibt es allerdings. Zahlreiche Ortsgruppen möchten den Hauptverband davon überzeugen, wieder in den Wanderverband einzutreten. Dazu soll eine Mitgliederversammlung im März 2020 das letzte Wort sprechen. Das teilten die PWV-Hauptvorsitzenden Martin Brandl und Dieter Gröger am Freitag mit. Die beiden Funktionäre hatten am Donnerstagabend in Edenkoben mit Ortsgruppen und interessierten Mitgliedern über den möglichen Schritt diskutiert.

Der 1902 gegründete Pfälzerwald-Verein unterhält rund 100 Hütten und umfasst etwa 200 Ortsgruppen – auch in Rheinhessen und im Saarland. Der Verein mit Hauptgeschäftsstelle in Neustadt/Weinstraße hat gut 25 000 Mitglieder.

 Jürgen Grauwickel, Vorsitzender des PWV Zweibrücken, würde am liebsten im Wanderverband bleiben.
Jürgen Grauwickel, Vorsitzender des PWV Zweibrücken, würde am liebsten im Wanderverband bleiben. FOTO: Susanne Lilischkis