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Führungskrise in Martinshöhe
Ortsbürgermeister-Urwahl geplatzt

Martinshöhe galt in den vergangenen Jahren als vorbildlich bei der Dorfentwicklung. Nur den Ort führen will niemand. Ändert sich das nicht bis zu einer Sondersitzung des Ortsgemeinderates am 3. August, wird Martinshöhe künftig wohl von einem staatsaufsichtlich bestellten Beauftragten geführt
Martinshöhe galt in den vergangenen Jahren als vorbildlich bei der Dorfentwicklung. Nur den Ort führen will niemand. Ändert sich das nicht bis zu einer Sondersitzung des Ortsgemeinderates am 3. August, wird Martinshöhe künftig wohl von einem staatsaufsichtlich bestellten Beauftragten geführt FOTO: Norbert Schwarz
Martinshöhe. In Martinshöhe hat sich kein einziger Bewerber für das Ehrenamt gefunden. Nach dem familiär bedingten Rücktritt von Bürgermeisterin Schommer ist nun auch noch die kommissarische Ortschefin Jutta Theis zurückgetreten – ohne Angabe von Gründen. Von Norbert Schwarz

Nach Ortsbürgermeisterin Barbara Schommer legt jetzt auch die Erste Ortsbeigeordnete Jutta Theis (beide SPD) das Ehrenamt zum Monatsende nieder. Dies geht aus einer Pressemitteilung von Verbandsbürgermeister Erik Emich (CDU) von der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau vom gestrigen Mittwoch hervor. Die Amtsgeschäfte Martinshöhes führt ab dem 1. August der Zweite Ortsbeigeordnete Herbert Lahaye (SPD).

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich als Erste Beigeordnete nicht für das Amt der Ortsbürgermeisterin kandidieren werde. Nachdem im August die Wahl des vakanten Ehrenamtes ansteht, sah ich jetzt den passenden Zeitpunkt gekommen, um das Ehrenamt niederzulegen“, sagte Theis gestern auf Merkur-Nachfrage. In der Pressemitteilung nannte Verbandsbürgermeister Emich keine Gründe für die Amtsniederlegung. Und auch Jutta Theis wollte ihr Motiv für den vorzeitigen Rücktritt auf Merkur-Nachfrage nicht näher erläutern.

Theis ist mit den Verwaltungsinternas bestens vertraut. Viele Jahre ist sie bei der Verbandsgemeindeverwaltung Bruchmühlbach-Miesau beschäftigt gewesen und hatte als Vorzimmersekretärin des früheren Verbandsbürgermeister Werner Holz eine Schlüsselstellung inne. Von daher gesehen hätte Jutta Theis gute Voraussetzungen gehabt, das Ehrenamt der Ortsbürgermeisterin zu übernehmen.



Augenscheinlich ist, dass keine Nachfolgerin oder Nachfolger für die Ende April wegen eines schweren Krankheitsfalls in der Familie zurückgetretene Barbara Schommer zu finden ist. Verständnis dafür kann diese allerdings ohne Vorbehalte verzeichnen.

Am 12. August sollten die wahlberechtigten Bürger von Martinshöhe eigentlich ein neues Gemeindeoberhaupt wählen. Dazu wird es allerdings nicht kommen – denn weder die im Rat vertretenen Parteien noch die Fraktion der Freien Wähler oder eine andere Person haben sich innerhalb der vorgegebenen Zeit für das Ehrenamt als Bewerber gemeldet. „Die Urwahl findet deshalb nicht statt“, teilte Verbandsbürgermeister Emich gestern mit.

Die Kommunalaufsicht dränge auf eine Wahl, so Emich. Entsprechend den Bestimmungen der Gemeindeordnung werde deshalb für den 3. August eine Martinshöher Ratssitzung mit Ortsbürgermeister-Wahl einberufen. Bei einer Besprechung mit den Beigeordneten und Fraktionschefs am Dienstag habe es aber auch keine konkreten Vorschläge gegeben, wer das Amt übernehmen könnte.

Der Wahlabend im Ratsgremium wird deshalb mit Spannung erwartet. Das insbesondere unter dem Aspekt, dass der CDU-Ortsverband, welcher über viele Jahrzehnte nicht allein mit Hubert Theis und Klaus Sprengard den Ortsbürgermeister stellte, in einer gemeinsamen Presseerklärung mit dem Vorsitzenden des CDU-Gemeindeverbandes Bruchmühlbach-Miesau Erik Emich schon im Juni verlautbaren ließ, dass die CDU keinen Direktwahl-Kandidaten aufstelle: „Ortsverbandsvorsitzender Kai Marhofer für aus, dass der Ortsverband Martinshöhe aus der familiären Situation der zurückgetretenen Ortsbürgermeisterin kein politisches Kapital schlagen will.“

Ob die CDU dabei bleibt, und ob die zuletzt so erfolgreiche SPD und die Freie Wählergruppe ebenfalls endgültig keine Kandidaten vorschlagen, wird der Wahlabend am 3. August zeigen. Wenn es beim bisherigen Stand bleibt, dass niemand bereit ist, Ortsbürgermeister zu werden, bekommt Martinshöhe wohl Verbandsbürgermeister Erik Emich als Zwangsverwalter, wie das bereits in der Ortsgemeinde Gerhardsbrunn geschehen ist. Emich selbst formulierte dazu gestern in seiner Mitteilung, es stehe „die staatsaufaufsichtliche Bestellung eines Beauftragten im Raum“.

Jutta Theis tritt als 1. Beigeordnete von Martinshöhe zurück.
Jutta Theis tritt als 1. Beigeordnete von Martinshöhe zurück. FOTO: Norbert Schwarz