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Wirtschafts-Ranking
Optimismus top — Lebensqualität Flop?

Im Vergleich zu 2015 hat sich Zweibrücken beim Regionen-Ranking um 48 Plätze verbessert.
Im Vergleich zu 2015 hat sich Zweibrücken beim Regionen-Ranking um 48 Plätze verbessert. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Im Regionen-Ranking des Magazins „Focus“ belegt Zweibrücken einen Platz im Mittelfeld. Die wirtschaftliche Aufbruchsstimmung soll aber zu den besten in Deutschland gehören. Südwestpfalzkreis rutscht ab. Von Mirko Reuther

Die wirtschaftliche Aufbruchsstimmung in Zweibrücken ist deutschlandweit kaum zu toppen. Das behauptet zumindest das aktuelle Regionen-Ranking des „Focus“. Für das Nachrichtenmagazin hat der Kölner Sozialforscher Wolfgang Steinle 401 deutsche Kreise und kreisfreie Städte untersucht. Gegenstand der Analyse waren die Kategorien „Wachstum und Jobs“, „Firmengründungen“, „Produktivität und Standortkosten“, das „Einkommen“ und die „Lebensqualität“. Das Ergebnis: In der Kategorie Firmengründungen, die sich als Gradmesser für den wirtschaftlichen Optimismus einer Region versteht, wurde Zweibrücken Sechster. Das überrascht, hat doch gerade der Einzelhandel in der Rosenstadt zu kämpfen. In der Innenstadt stehen bereits Geschäfte leer. Bis Ende des Jahres werden außerdem Wäsche Hallauer, das Tee- und Präsentgeschäft Agora und der Gerry Weber-Store ihre Pforten schließen. Und dennoch: alleine 2017 wurden in Zweibrücken auch 455 neue Gewerbe angemeldet. Das gute Ergebnis bei den Firmengründungen nimmt man im Zweibrücker Rathaus wohlwollend zur Kenntnis – überbewerten möchte man die Zahlen aber nicht. „Platz sechs bildet eine positive Entwicklung ab. Die hat aber nicht plötzlich von einer Focus-Studie zur nächsten eingesetzt, sondern hält schon länger an“, sagt Stadtsprecher Heinz Braun. Er erläutert: „Zweibrücken ist ein Konversionsstandort. Mit dem Abzug des amerikanischen Militärs in den 90er Jahren, ging auch die Kaufkraft. Die Zweibrücker haben aber nicht gejammert, sondern haben sich neue Konzepte überlegt. Auch deshalb herrscht ein wirtschaftsfreundliches Klima, das zu vielen Neugründungen geführt hat. Das zeigt sich heute am Kreuzberg oder am ehemaligen Zweibrücker Flughafen, wo sich die Industrie angesiedelt hat.“

In der Kategorie „Wachstum und Jobs“ landete Zweibrücken auf Platz 225, bei „Produktivität und Standortkosten“ sowie „Einkommen“ wurde es jeweils Rang 258. In der Gesamtwertung landete die Rosenstadt im Mittelfeld auf Platz 223. Das ist immerhin 48 Plätze besser als noch 2015. „Mit den Ergebnissen können wir leben. Und wir müssen wahrscheinlich damit leben. Unterschiede in Sachen Einkommen zwischen den großen Städten und dem flachen Land sind regional bedingt. Und keine neuen Entwicklungen, die man einfach aufbricht“, sagt Braun. Mit Skepsis betrachtet er das angeblich schwache Abschneiden von Zweibrücken in der Kategorie „Lebensqualität“ (362). Die speist sich aus den Faktoren: Sicherheit, Gleichbehandlung von Männern und Frauen bei Löhnen, geringes Risiko der Altersarmut, Gesundheit, Infrastruktur und Trinkwasserqualität. „Einige Punkte kann ich nicht nachvollziehen. Zum Beispiel die Sicherheit. Keine Polizeistatistik gibt her, dass es in Zweibrücken überdurchschnittlich unsicher ist. Und das Trinkwasser ist sowieso top“, sagt Braun. Er ergänzt: „Außerdem sollte zur Lebensqualität auch der Freizeitwert zählen. Für eine kleine Mittelstadt bietet Zweibrücken sehr viel. Eine gute Erreichbarkeit, Kultur und Sport – das gehört auch zur Lebensqualität, wird in der Studie aber nicht berücksichtigt.“

Der Landkreis Südwestpfalz landete beim Focus-Regionen-Ranking auf Platz 314. Bei der Erhebung 2015 hatte der Landkreis noch Rang 259 erreicht. Thorsten Höh, der Pressesprecher der Kreisverwaltung Südwestpfalz sagte:  „Der Abzug des US-Militärs oder der Niedergang der Schuhindustrie haben große Lücken in der Südwestpfalz hinterlassen, die nur langfristig geschlossen werden können. Aus unserer Sicht haben wir aber einen guten Weg eingeschlagen, den wir konsequent verfolgen. Beim Breitbandausbau nimmt die Südwestpfalz zum Beispiel eine bundesweite Vorreiterrolle ein.“ Höh ergänzte: „Es ist aber zu berücksichtigen, dass die Entwicklung der Region von Investitionen und der Kaufkraft der hier lebenden Menschen und Unternehmen abhängig ist.“



Das beste rheinland-pfälzische Ergebnis erzielte der Landkreis Mainz-Bingen. Er wurde deutschlandweit Siebter. Letzter in Rheinland-Pfalz wurde die Stadt Pirmasens (Platz 358). Bundesweit belegte der Landkreis München den ersten Platz. Schlusslicht ist der Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt.