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Künstler im Porträt
Ohne die Malerei geht es nicht

 Temur Gveda vor einigen seiner Bilder.
Temur Gveda vor einigen seiner Bilder. FOTO: Nadine Lang
Ernstweiler. Temur Gveda aus Ernstweiler stellt im März erstmals seine Bilder öffentlich aus. Von Nadine Lang

(nlg) Die Malerei, so ist Temur Gveda aus Ernstweiler überzeugt, braucht es auch, sich Gedanken über sie zu machen. Der 38-Jährige erzählt mit seinen eigenen Bildern Geschichten, die teilweise auch sehr tiefgründig sind. Da gibt es beispielsweise ein Bild, auf dem ein leerer Sessel in einem Flur zu sehen ist. Im Hintergrund offene Türen, die dem Betrachter Fragen aufdrängen: Ist jemand gegangen? Kommt jemand wieder zurück? Wird jemand schmerzlich vermisst?

„Alle Gemälde haben auch mit meinen Gefühlen zu tun“, erklärt Temur Gveda und wer sich Zeit nimmt, seine Werke zu betrachten, wird manches mitfühlen können. „Ich bin realistischer Maler“, erklärt Temur Gveda, der sich die Malerei selbst beigebracht hat. Dafür hat er Bücher gewälzt, Techniken entwickelt und jede Menge ausprobiert. „Meine innere Welt bauen, das muss ich selbst machen, kein anderer kann da helfen“, ist er überzeugt.

Schon im Alter von zwei oder drei Jahren sah man den in Georgien geborenen Jungen mit dem Pinsel in der Hand. „Ich mochte das immer. Ich habe die Kunst, das Malen und Zeichnen mein Leben lang geliebt“, erklärt er. Darum ist er auch immer dran geblieben, auch wenn es Zeiten gab, in denen er sogar mit dem Malen aufhören wollte. „Aber dann hatte ich Sehnsucht“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.



Und die war am Ende so groß, dass er heute weiß, dass es ohne die Malerei nicht geht, auch wenn bei zwei kleinen Kindern und einer Arbeitsstelle nicht immer viel Zeit dafür bleibt. Manche Bilder entstehen in einer Stunde, an anderen arbeitet er Wochen und am Ende ist er stets selbst sein größter Kritiker.

Menschen zu malen, ist für ihn das Schönste, auch wenn er ab und an gerne mal ein Stillleben, Tiere oder eine Landschaft malt und dabei bepackt mit Staffelei und Farbkoffer einfach inmitten der Natur, frei von jeder Ablenkung, malt. Menschen stehen für ihn dennoch an erster Stelle und so fasziniert beispielsweise das Porträt seiner eigenen Mutter, die an einem Tisch in der Küche sitzt, mit einer ganz eigenen Stimmung. Das Wichtigste dabei für ihn: immer für sich selbst und nicht für andere zu malen. „Sonst bist du nicht mehr frei. Und ein Künstler muss frei sein, sonst bin ich nicht mehr ich“, erklärt Temur Gveda, der neben der Malerei auch eine große Leidenschaft für die Literatur hat.

Seit zehn Jahren lebt der Georgier nun in Deutschland. Ausgestellt hat er in dieser Zeit bisher noch nie und ausgerechnet sein siebenjähriger Sohn war derjenige, der den Vorschlag machte, dass er doch mal seine Bilder der Öffentlichkeit präsentieren soll. Das nahm er sich zu Herzen und darum sind seine Werke vom ersten März bis Ende April in der Urologie des Universitätsklinikums in Homburg zu sehen. Bis dahin sollen noch weitere Bilder entstehen. „Kunst ist auch Hoffnung, und Hoffnung ist nirgends so wichtig, wie in einem Krankenhaus.“