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Oberbürgermeister-Wahlen
Eren attackiert SPD und rät zu Gauf-Wahl

Atilla Eren (rechts) am Wahlabend im Gespräch mit Christian Gauf, den er am Montagabend seinen Wählern für die Stichwahl empfahl.
Atilla Eren (rechts) am Wahlabend im Gespräch mit Christian Gauf, den er am Montagabend seinen Wählern für die Stichwahl empfahl. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Der Kandidat mit den drittmeisten Stimmen im ersten Oberbürgermeister-Wahlgang, Atilla Eren, gibt eine Wahlempfehlung für die Stichwahl ab: Christian Gauf. Die FDP legt sich morgen fest. Die Grünen laden zu einer öffentlichen Fragerunde mit Marold Wosnitza und Gauf ein.

Der Gerüstbauunternehmer Atilla Eren hat sein Ziel, Oberbürgermeister von Zweibrücken zu werden, am Sonntag zwar klar verfehlt. Mit 13,3 Prozent führte er aber das Feld der vier im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Kandidaten deutlich an – und will jetzt Einfluss auf das Endergebnis nehmen: Eren ruft „meine Freunde und Wähler_innen auf, am 14. Oktober zur Stichwahl zu gehen und Christian Gauf zu wählen“, schrieb der 50-Jährige gestern Abend dem Merkur und auf seiner Facebook-Seite.

Seinen Aufruf beginnt Eren mit scharfer Kritik an der SPD: „Nach meiner Ansicht hat mich die SPD Zweibrücken mehrmals mit unfairen Mitteln bekämpft und meinen Wahlkampf behindert.“ Dann lobt Eren (der vor wenigen Monaten enttäuscht Die Linke verlassen hatte) den Christdemokraten: „Christian Gauf war während des Wahlkampfs immer ruhig, besonnen, sachlich und fair, auch zu mir. Obwohl er die letzten drei Wochen, neben seinem Amt als Bürgermeister, den Oberbürgermeister und den Beigeordneten Henno Pirmann vertreten musste, der zum passenden Zeitpunkt für die SPD erkrankte. Christian Gauf musste sich im Rathaus um alles kümmern und konnte selbstverständlich nicht umherlaufen und Wahlkampf betreiben, wie andere Bewerber es taten. Er hat den Wählern nichts versprochen, was nicht zu halten ist.“

Was meint Eren mit „unfairen Mitteln?“ Nicht den Diebstahl von Dutzenden Plakaten im gesamten Stadtgebiet in einer Nacht Ende August (wir berichteten), stellt Eren auf Merkur-Nachfrage klar: „Es geht mir nur um die Festhalle.“ Dort verdächtigt Eren die SPD, während des Malu-Dreyer-Auftritts letzte Woche Montag ein Plakat von ihm ohne Rücksprache durch ein Wosnitza-Plakat ersetzt zu haben.



Wosnitza verwies dazu gestern Abend auf Merkur-Anfrage auf SPD-Parteichef Stéphane Moulin. Der erklärt: „Ich verstehe Atilla Erens Ärger über die geklauten Plakate. Wir haben mit diesem Phänomen auch schon seit Jahren zu kämpfen. Kein Verständnis habe ich aber, dass er das mit der SPD in Verbindung bringen will.“ Bei der Festhalle sei man nach der Veranstaltung auf zwei am Boden liegende Plakate von Gauf und Eren aufmerksam geworden und habe diese wieder aufgehängt, „im Endeffekt war das ein Akt der Fairness“. Wer die Plakate abgehängt habe, wisse er nicht, „es gab aber zu keinem Zeitpunkt eine Anweisung, die Plakate für die Veranstaltungsdauer auszutauschen – wenn ich das gewollt hätte, hätte ich Eren vorher gefragt“. Eine Wahlempfehlung an einem Plakat aufzuhängen, „ist schon hart an der Grenze zur Lächerlichkeit“, findet Moulin. Er habe zudem den Eindruck, dass Wahlempfehlungen heute wenig Bedeutung haben: „Die Wähler wollen nicht bevormundet werden, das muss jeder für sich entscheiden.“

Gegen Wosnitza spricht für Eren auch, dass Die Linke ihn empfiehlt (gestern per Pressemitteilung auch für die Stichwahl). Bei den Zweibrücker Linken „herrscht Chaos“, schreibt Eren, „solche Zustände sind schlecht für Zweibrücken“.

Die Grünen laden für kommenden Freitag, 28. September, 18 Uhr, in der Hallplatz-Galerie zu einer öffentlichen „Fragerunde“ mit Wosnitza und Gauf ein, um ihnen „auf den Zahn zu fühlen“. Neben dem grünen Moderator Fred Konrad dürfen auch Bürger Fragen stellen. „Eine Wahlempfehlung geben wir nicht ab“, erläutert Grünen-Fraktionschef Norbert Pohlmann, die Bürger könnten sich selbst ein Bild von den beiden Kandidaten machen. Wosnitzas überraschenden Vorsprung vor Gauf im ersten Wahlgang erklärt Pohlmann damit, dass Wosnitza „sich durch den Haustür-Wahlkampf bekannt gemacht hat und bei den Podiumsdiskussionen überzeugt hat“.

Die FDP trifft sich heute Abend, um eine Wahlempfehlung zu geben, kündigte gestern Fraktionschefin Ingrid Kaiser an. „Dabei werden wir auf jeden Fall auch an unsere Chancen im Kommunalwahlkampf denken“, blickt Kaiser schon zur Stadtratswahl am 26. Mai 2019. Dass sie am Wahlabend im Rathaus länger mit Gauf sprach, sei kein Signal, ob sie für Wosnitza oder Gauf ist, sagte Kaiser. „Ich fand es nicht schön, dass seine CDU-Leute nicht da waren. Von der SPD war alles da, was man sich denken kann, aber Gauf stand da alleine.“ Sozialdemokraten hatten schon am Wahlabend spekuliert, bei einem anderen Wahlausgang wären sicher mehr Christdemokraten gekommen, etwa der Fraktionschef und designierte Landespartei-Generalsekretär Christoph Gensch. Zumal wie immer bei OB-Wahlen auch der SWR im Rathaus drehte. Vize-Ratsfraktionschefin Christina Rauch habe ihr aber schon im Wahllokal gesagt, dass sich die CDU gleich in ihrer Geschäftsstelle treffe, vermutet Kaiser keine böse Absicht. Gensch hatte schon am Wahlabend auf Merkur-Anfrage den Verdacht als „völligen Mumpitz“ und „Humbug“ bezeichnet, die CDU habe Gauf wegen des unerwartet schwachen Ergebnisses allein gelassen: „Es war von vornherein klar, dass wir uns erst in der Geschäftsstelle treffen.“

Gauf betonte gestern, er fühle sich von seinen Parteifreunden nicht im Stich gelassen. „In der Geschäftsstelle waren 25 bis 30 Leute, die mich erwartet haben.“ Dass die CDU im Rathaus fast nicht präsent war, habe in der Tat etwas unglücklich ausgesehen, Ursache sei aber nur „ein Kommunikationsproblem zwischen mir und denen, die auf mich gewartet haben“ gewesen.

Gauf arbeitete gestern zunächst ganz normal als Bürgermeister im Rathaus. Am Abend folgte ein Parteitreffen, um den weiteren Wahlkampf zu besprechen. Erens Wahlempfehlung kommentierte Gauf auf Merkur-Anfrage nur knapp: „Er hat mir das heute Morgen schon gesagt. Zunächst mal freut man sich. Aber ich habe ihm gesagt, dass das seine Sache ist.“

Gauf hofft bei der Stichwahl auch darauf, Nichtwähler zu mobilisieren: „Ich habe gehört, dass der eine oder andere Bürger, der eigentlich für mich ist, nach der Umfrage gedacht hat, ich liege so deutlich vorn, dass es nicht mehr wichtig ist, zur Wahl zu gehen – da kann ich sicher bei der Stichwahl noch die eine oder andere Stimme dazugewinnen.“ Zudem gelte es natürlich, die bisherigen Wähler erneut zu mobilisieren. Möglichst bald will Gauf deshalb den Haustür-Wahlkampf intensivieren. Einen prominenten Gast plane er nicht mehr einzuladen: „Ich muss selbst mehr rausgehen, das bringt mehr, als eine große Veranstaltung zu machen!“ Das Wahlergebnis analysiert Gauf offen: Nicht nur sein Rückstand von 6,3 Prozentpunkten auf Wosnitza sei „klar“, er liege auch in keinem einzigen der zehn Stadtteile vorn. Gauf gibt aber die Hoffnung auf einen Umschwung nicht auf: „Ich muss gucken, wie ich das hinkriege.“

Marold Wosnitza hat gestern bereits neue Großplakate für die Stichwahl aufgestellt. Den Haustürwahlkampf setze er ab Mitte der Woche unvermindert fort, vor allem Nichtwähler will er so noch überzeugen. Es gelte aber auch, die bisherigen Wähler wieder an die Urne zu bringen: „Das ist bei Stichwahlen oft schwierig.“ Die SPD plane auch noch eine Veranstaltung. Am Montag war für den Professor aber erst mal „Entspannung“ angesagt – und Glückwünsche entgegennehmen: „Meine Postfächer und WhatsApp waren voll. Und ich bin durch die Fußgängerzone gelaufen, da hat mir alle zehn Meter jemand die Hand geschüttelt.“ Gespräche über Wahl-Empfehlungen führe er nicht: „Das müssen die Parteien und Gruppierungen für sich entscheiden.“

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Marold Wosnitza hatte am Wahlabend allen Grund zum Strahlen. Dass dieses hier etwas schelmisch wirkt, hat einen einfachen Grund: Weil er immer wieder im Mittelpunkt der Fotografen und Fernsehkameras stand, scherzte Wosnitza „Jetzt bohr ich in der Nase!“ Unser Fotograf drückte natürlich gleich ab . . .
Marold Wosnitza hatte am Wahlabend allen Grund zum Strahlen. Dass dieses hier etwas schelmisch wirkt, hat einen einfachen Grund: Weil er immer wieder im Mittelpunkt der Fotografen und Fernsehkameras stand, scherzte Wosnitza „Jetzt bohr ich in der Nase!“ Unser Fotograf drückte natürlich gleich ab . . . FOTO: Lutz Fröhlich