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Auszeichnungsliste erst seit 1945 sehr politikerlastig
Nur wenige Oberbürgermeister wurden Ehrenbürger

Jürgen Lambert ist Zweibrückens einziger 
lebender 
Ehrenbürger.
Jürgen Lambert ist Zweibrückens einziger lebender Ehrenbürger. FOTO: Pfälzischer Merkur
Zweibrücken. Von den acht Zweibrücker OBs seit 1945 erhielten nur drei diese hohe Auszeichnung. Zuvor wurden mehr Nicht-Politiker geehrt. Von Lutz Fröhlich

Stadtverwaltung und -rat waren sich einig: Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) hätte den Ehrenbürger-Titel verdient gehabt. Weil Verstorbene aber nicht geehrt werden dürften, erhielt er vergangene Woche vom Stadtrat posthum „nur“ die Goldene Stadtplakette verliehen. Bürgermeister Christian Gauf (CDU) hatte als Sitzungsleiter zudem erklärt „in der Regel“ bekämen Zweibrücker Oberbürgermeister die Ehrenbürger-Würde verliehen. Diese Aussage ließ einige Merkur-Lesern aufhorchen und fragen, ob Pirmanns Vorgänger der Titel womöglich wegen Reichlings Parteiunabhängigkeit und seinen Zwistigkeiten mit dem Stadtrat vorenthalten wurde. Merkur-Recherchen ergaben allerdings: Reichlings Nicht-Ehrung ist überhaupt keine Ausnahme, sondern die Regel. Denn die meisten Oberbürgermeister der Nachkriegszeit sind nicht in den Genuss des Titels gekommen. Einziger noch lebender Zweibrücker Ehrenbürger ist Reichlings Vorgänger Jürgen Lambert, der nicht nur für sein Wirken als OB von 1999 bis 2004, sondern auch als Bürgermeister seit 1969 gewürdigt wurde. Auch der parteiübergreifend und bei den Bürgern hoch angesehene Hans Otto Streuber (SPD, OB von 1993 bis 1999) ist kein Ehrenbürger, ebensowenig wie Oskar Munzinger (SPD, 1959 bis 1969) und Helmut Fichtner (SPD, 1969-1979). Vor Lambert wurden von den OBs nur Ignaz Roth (1945-1959) und Werner von Blon (1980 bis 1992), beide SPD, als Ehrenbürger ausgezeichnet, berichtet Stadtsprecher Heinz Braun auf Merkur-Anfrage. Seit dem Krieg wurde lediglich ein Nicht-OB Ehrenbürger, nämlich Max Schuler, federführend beim Wiederaufbau des Stadtmuseums, Rechtsanwalt und von 1951 bis 1963 CDU-Landtagsabgeordneter.

Von den bei der Stadtverwaltung dokumentierten Vorkriegs-Ehrenbürgern waren deulich weniger Oberbürgermeister. Der erste Zweibrücker Ehrenbürger ist der 1815 geborene Fabrikant Georg Adolf Schwinn. Es folgten der „Eisenbahnkönig“ Heinrich Hilgard, Oberlandesgerichtsrat Ludwig Alois Molitor, Musik-Professor Jakob Heinrich Lützel, Kommerzienrat und ehrenamtlicher Bürgermeister Johann Baptist Adolf Wolff, Kommerzienrat Fritz Gugenheim, Schreinermeister und ehrenamtlicher Bürgermeister Heinrich Göring und Oberbürgermeister (1905-1932) Friedrich Roesinger.

Entgegen vieler Gerüchte sei Adolf Hitler laut der offiziellen Ehrenamtsliste der Stadt nie zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden, ergänzt Stadtsprecher Braun. Und selbst wenn in der Nazi-Zeit Ehrenbürger-Titel verliehen worden wären, bräuchte der Stadtrat die Rechte nicht nachträglich zu entziehen. Denn eine landesweit gültige Verwaltungsvorschrift zu Paragraph  23 der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung schreibt vor: „Das Ehrenbürgerrecht kann nur an lebende Personen verliehen werden. Es erlischt mit dem Tod.“



Ignaz Roth 
(OB von 1945 
bis 1959) 
war der erste 
Ehrenbürger nach dem Krieg.
Ignaz Roth (OB von 1945 bis 1959) war der erste Ehrenbürger nach dem Krieg. FOTO: pma / Repro: pma
Vor und nach Werner von Blon wurde die 
Ehrenbürger-­Würde an OBs nur selten 
verliehen.
Vor und nach Werner von Blon wurde die Ehrenbürger-­Würde an OBs nur selten verliehen. FOTO: Walter Mayer / Walter Mayer/pma