| 22:41 Uhr

Bestsellerautor in Zweibrücken
Norman Ohler: Lesung vor nur 30 Zuhörern aus seinem neuen Buch „Die Gleichung des Lebens“

 Norman Ohler bei seiner Lesung im Herzogsaal.
Norman Ohler bei seiner Lesung im Herzogsaal. FOTO: sedi
Zweibrücken. (sedi) Wer sich den Eintrag in Wikipedia über Norman Ohler anschaut, der liest dort von Kollaborationen mit Dennis Hopper und Wim Wenders, davon, dass er einst Stadtschreiber in Ramallah und Jerusalem war und außerdem von seinem viel beachteten Buch „Der totale Rausch“.

(sedi) Wer sich den Eintrag in Wikipedia über Norman Ohler anschaut, der liest dort von Kollaborationen mit Dennis Hopper und Wim Wenders, davon, dass er einst Stadtschreiber in Ramallah und Jerusalem war und außerdem von seinem viel beachteten Buch „Der totale Rausch“.

Auf der Bestsellerliste der New York Times sei Ohler damit aufgetaucht, seine Lesungen besuchten manchmal 600 Zuhörer, betonte der ehemalige Direktor des Helmholtz-Gymnasiums, Peter Philipp. Norman Ohler ist der Sohn des Zweibrücker Schriftstellers Wolfgang Ohler – kurzum, es war etwas unverständlich, warum zur Lesung von   Ohler junior am Freitagabend im Herzogsaal gerade einmal 30 Zuhörer erschienen. Der Autor ließ sich davon aber nicht beeindrucken und stellte nach der Laudatio seines ehemaligen Lehrers Philipp sein neues Buch vor: „Die Gleichung des Lebens“ spielt in der Mitte des 18. Jahrhunderts, als Preußenkönig Friedrich der Große den feuchten und von rebellischen Fischern bewohnten Oderbruch trockenlegen will. Zur Berechnung der Mammutaufgabe zieht er das Mathematikgenie Leonhard Euler hinzu. Als dann aber ein preußischer Ingenieur ermordet wird, entwickelt sich die Story zu einem Kriminalfall – durchaus mit historischem Hintergrund. Ein bisschen Lokalkolorit gab es auch. Wie Ohler betonte, will er in all seine Romane einen Bezug zu Zweibrücken einbauen: In „Die Gleichung des Lebens“ sind es von Friedrich hergerufene Pfälzer, die das neu geschaffene Ackerland besiedeln sollen. Die von Ohler gelesene Passage, in der die Neuankömmlinge zunächst einen schlechten Eindruck auf den König machen, sich dann aber doch als getreue und willige Untertanen entpuppen, sorgte für Heiterkeit im Herzogsaal. Gleichzeitig wollte der Autor damit auf die Gegenwart anspielen. Denn er schrieb das Buch zur Zeit der großen Flüchtlingswelle – „das hat sich dann so gefügt“, meinte er hinterher dazu. Nur habe Friedrich damals die Leute bewusst geholt und damit einen Plan verfolgt. Ohler, der lange im Nahen Osten gelebt und gewirkt hat, empfindet es als „adäquate Reaktion, Leute, die in Lebensgefahr sind, bei uns aufzunehmen.“ Deutschland sei reich genug, um das zu verkraften, dennoch sei das Ganze eine große Herausforderung für die Gesellschaft. Was bei der Lesung auffiel, war Ohlers Liebe zum Detail: Personenbeschreibungen zogen sich da über halbe Seiten hinweg.

Das empfand auch sein Vater so, der das Buch lektoriert hatte: Der lobte das Buch, es sei „faszinierend gut“ in den Detailbeschreibungen.