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Naturwissenschaftlicher Verein
Nicht auf jede Frage gibt es eine Antwort

Randolf Hanke vom Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP aus Saarbrücken befasste sich unter anderem mit den Begriffen „Wissen“ und „Glauben“.
Randolf Hanke vom Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP aus Saarbrücken befasste sich unter anderem mit den Begriffen „Wissen“ und „Glauben“. FOTO: Nadine Bröcker
Zweibrücken. Der 154. Vortragsabend des Naturwissenschaftlichen Vereins beschäftigte sich mit dem komplexen Thema „Wissenschaft und Religion – wissen oder glauben“.

Beim 154. Vortrag des Naturwissenschaftlichen Vereins (NAWI) im Audimax der Zweibrücker Hochschule stand vor einigen Tagen ein komplexes Thema an, dass am Ende wohl nur jeder Zuhörer für sich selbst beantworten konnte. „Wissenschaft und Religion – wissen oder glauben“, hieß dieser und wurde von Gastredner Randolf Hanke vom Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP aus Saarbrücken gehalten. Irgendwie auch passend zum Thema, handelte es sich um den ersten Vortrag, der ganz ohne Beamer auskam, bei dem die mehr als 50 Zuhörer sich rein auf das Gesagte konzentrieren durften.

Die Idee, als wissenschaftlicher Verein ein auch religiöses Thema anzubieten, entstand durch das 500-jährige Reformationsjahr im vergangenen Jahr. Genaugenommen sind diese Vorträge auch ein Gemeinschaftsprojekt des Fördervereins der Hochschule, des Nawi, der die Sternwarte auf dem Hochschulcampus betreibt, und der Hochschule und sind auch als Ergänzung zum Studium Generale gedacht.

Ergänzen sich Wissen und Glauben, schließen sie sich gegenseitig aus, widersprechen sie sich oder können sie in einer Art Koexistenz nebeneinander gleichzeitig bestehen? Diesen und weiteren Fragen widmete sich Randolf Hanke, der dabei auch die Begriffe „Wissen“ und „Erkenntnis“ gegenüberstellte und die geschichtliche Entwicklung seit 400 vor Christus mit einbezog. Wichtig sei dabei besonders die Wahrnehmung als Grundlage der Erkenntnis, unterschieden in sinnliche und übersinnliche Wahrnehmung.



Aber auch das Thema „Wunder“ durfte dabei nicht fehlen, das er in zwei Arten differenzierte: Das, was der Mensch als greifbares „Wunder“ bezeichnen könnte, beispielsweise einen Lottogewinn, und solche, die die physikalischen Gesetze außer Kraft setzen, wie in der Bibel etwa über das Wasser zu gehen. Gerade in der Wissenschaft kann man sich oft die Frage stellen, ob es zwischen Wissenschaft und Glauben einen Zusammenhang gibt.

Hanke stellte dabei den besonderen Bezug zu bekannten Naturwissenschaftlern wie Einstein her und zeigte, dass diese Fragestellung die Forscher seit jeher provoziert und bis heute weiter beschäftigt. „Die Gefahr, dass die Wissenschaft zu einer Art Ersatzreligion werden kann, erfordert die kritische Auseinandersetzung: was heißt denn eigentlich Glauben?“. Nach Hankes Einschätzung: „Etwas für wahr halten, ohne es logisch begründen zu können.“

Auf der Basis persönlicher Erfahrungen zeigte Hanke auf, dass man nicht zwischen den Welten der objektiven und subjektiven Erkenntnis wechseln oder sich gar nur für eine entscheiden muss, sondern dass man sie miteinander vereinen kann. An den Vortrag des NAWIs schloss sich eine angeregte Diskussionsrunde an.