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Erster Neujahrsempfang von Marold Wosnitza
Stadtverwaltung soll „Behörden-Amazon“ werden

 Zur Weißen Kaserne und zum Ex-Evangelischen Krankenhaus gab Oberbürgermeister Marold Wosnitza beim Neujahrsempfang Neuigkeiten bekannt.
Zur Weißen Kaserne und zum Ex-Evangelischen Krankenhaus gab Oberbürgermeister Marold Wosnitza beim Neujahrsempfang Neuigkeiten bekannt. FOTO: Nadine Lang
Zweibrücken. Neben Rathaus-Digitalisierung kündigt OB Wosnitza beim Neujahrsempfang auch Neues zu Stadtentwicklung, Tourismus und Wirtschaft an. Von Lutz Fröhlich

Der neue Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza hat in seiner mit Spannung erwarteten ersten Neujahrsempfangs-Rede am Dienstagabend mehrere neue Projekte angekündigt – sich aber entschieden dagegen gewehrt, wie „zuweilen gefordert meine Vision für die Stadt Zweibrücken“ vorzustellen. „Ich halte dies für den vollständig falschen Zugang“, sagte der Sozialdemokrat. Er habe zwar „eine Vorstellung von dem, wie Zweibrücken einmal aussehen könnte“. Diese aber „kann nicht das Maß aller Dinge sein. Was wir brauchen ist eine gemeinsame Vision der Bürgerinnen und Bürger für unsere Stadtentwicklung. Hierzu werden wir recht bald verschiedene Arbeitsformen auf den Weg bringen und in den Diskussionsprozess darüber einsteigen.“ Die handlungsleitende Frage für das neue Stadtentwicklungskonzept sei: „Wie wollen wir 2030 in Zweibrücken leben?“

Die Bürger stellte der seit 20. Dezember amtierende OB auch bei der Vorstellung seiner Pläne für die Stadtverwaltung in den Mittelpunkt. Er wolle nämlich in den nächsten Jahren nicht nur interne „Arbeitsabläufe effizienter machen“ – sondern mit Online-Angeboten „dem Bürger den Umgang mit der Verwaltung vereinfachen“. Ein Zweibrücker habe ihn mal gefragt, was er als OB tun werde, damit er seine Verwaltungsgeschäfte rund um die Uhr wie bei Amazon abwickeln könne statt für Routine-Anliegen selbst ins Rathaus gehen zu müssen. „Anfänglich dachte ich mir, da geht er jetzt aber zu weit“, berichtete Wosnitza beim Neujahrsempfang. „Aber je mehr ich darüber nachdachte, umso klarer wurde mir: Der Mann hat recht! Im Moment können Sie bei uns notwendige Formulare auf der Website downloaden. Aber zwischen Download und Behörden-Amazon ist es noch ein weiter, weiter Weg.“ Auf dem er aber noch 2019 hoffe, die erste Etappe zu bewältigen. Wosnitza veranschaulichte: „Unser Ziel ist es, dass die Bürger zu Hause oder unterwegs an ihrem Rechner, Tablet oder Smartphone so viel wie möglich erledigen können: Formulare ausfüllen, sich mit dem Personalausweis oder einem anderen Dokument identifizieren, mit der Kreditkarte oder anderem Zahlungsmittel bezahlen und die Hundemarke kommt mit der Post.“ Wer dies nicht wolle, könne natürlich auch weiterhin zu den freundlichen Verwaltungsmitarbeitern ins Rathaus kommen.

Bereits online ist seit gestern eine neue, auch von Smartphones besser bedienbare neue Stadt-Website. Ab Montag kann man sich dort auch für neue monatliche Bürgersprechstunden mit Wosnitza oder seinen Stadtvorstandskollegen Christian Gauf und Henno Pirmann anmelden.



2019 werde aber auch ansonsten „ein spannendes Jahr“, kündigte Wosnitza in seiner sehr langen Rede an. Nicht nur wegen der Verwirklichung bereits beschlossener Projekte wie dem Kita-Neubau. Wosnitza kündigte auch einige neue Initiativen an. So sei „der Tourismuswert des Gestüts bei weitem nicht ausgeschöpft“, kündigte Wosnitza hier einen Schwerpunkt für das neue Zweibrücker Tourismuskonzept an, dessen Erarbeitung dieses Jahr gemeinsam mit „allen Experten und interessierten Bürgern“ beginnen solle. Für das Landgestüt startete Wosnitza beim Neujahrsempfang einen Spendenaufruf für den gerade gegründeten „Bürger- und Unterstützungsfonds“.

Auf die gestiegenen Anforderungen von Wanderern an Wege zu reagieren, sei ein weiterer zentraler Bestandteil des Tourismuskonzepts. Dabei müsse man auch „verstärkt überregional denken“. Ein gutes Beispiel sei der seit über einem Jahr aus Verkehrssicherheitsgründen gesperrte Weg durch die Guldenschlucht, der großteils auf saarländischer Gemarkung liege – hierzu habe Zweibrücken Anfang Januar erste Gespräche mit der Homburger Stadtverwaltung geführt. „Jetzt liegt es an den Oberbürgermeistern der beiden Städte, das Projekt auf den Weg zu bringen.“

Dass Zweibrücken ein attraktiver Ort sei, beweise auch, dass die Zahl der Trauungen in den vergangenen beiden Jahren um fast 50 Prozent gestiegen sei – ein Drittel der 300 Paare in 2018 sei von auswärts gekommen. Dazu tragen auch die tollen Zweibrücker Hochzeits-Locations von Fasanerie über Rathaus und Herzogssaal bis Rosengarten bei, erläuterte Standesamts-Leiterin Yvonne Langner. Sie und Wosnitza denken auch noch an weitere Angebote, der OB erwähnte etwa ein „Hochzeitskutschenpaket“, und womöglich gebe es sogar einen Markt für Klingonen-Hochzeiten in Zusammenarbeit mit der Hochschule. Angesichts der personell kaum mehr zu bewältigenden Zahl von Hochzeiten lässt sich Wosnitza im Sommer zum Standesbeamten schulen.

Mobilität sei „ein zentrales Zukunftsthema“, sagte Wosnitza. Weshalb er nicht nur den Straßensanierungs-Marathon fortsetzen will, sondern auch „ein umfassendes Fahrradwegekonzept“ ankündigte. Um die E-Mobilität zu fördern, installieren die Stadtwerke dieses Jahr drei neue Schnellladestationen.

Städtebaulich verriet Wosnitza, dass in der früheren Weißen Kaserne ein lokaler Investor „ein breit aufgestelltes Ärztehaus an der 22er-Straße entwickeln“ wolle, die Stadt unterstütze das Projekt. „Mit Blick auf den Standort hoffen wir auf eine Sogwirkung, damit es endlich in der gesamten Weißen Kaserne weitergeht.“

„Recht bald“ werde auf dem Geländeteil des bereits abgerissenen Vorgänger-Baus des Ex-Evangelischen Krankenhauses „ein Baugebiet für junges Wohnen entstehen“, kündigte Wosnitza nach Gesprächen mit dem Käufer an. Offen sei noch, was mit dem Klinikbau selbst passiert, wenn das Nardini-Klinikum ihn in etwa drei Jahren nicht mehr benötige – Stadt unnd Investor hätten hier vereinbart, gemeinsam einen städtebaulichen Wettbewerb auszuschreiben.

Eine Lösung sei auch für das Ex-Finanzamtsgebäude auf dem Weg: Hier sollen sich „recht bald“ Start-up-Unternehmen ansiedeln können, da die Kapazitäten hierfür in Zweibrücken viel zu knapp geworden seien.

Wosnitza kündigte zudem regelmäßige Runde Tische zu unterschiedlichen Themen mit Zweibrücker Unternehmern an.

„Zeitnah“ will Wosnitza eine Arbeitsgruppe installieren, um zu klären, wie mehr studentisches Leben in die Innenstadt kommen kann.