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„Klassik-Pferde-Gala“ im Landgestüt
Neues Konzept lockt neues Publikum

 Paul de Oliviera und sein Spanischer Hengst mit der brennenden Garrocha.
Paul de Oliviera und sein Spanischer Hengst mit der brennenden Garrocha. FOTO: cvw
Zweibrücken. Die „Klassik-Pferde-Gala“ im ausverkauften Landgestüt bot Musikliebhabern und Pferdefreunden ein ganz neues Erlebnis. Von Cordula von Waldow

Man nehme ein hervorragendes Orchester mit flexiblen Musikern, edle Pferde, majestätische Greifvögel, quirlige Hunde und zwei außergewöhnliche Rindviehcher – und gestalte daraus eine einzigartige Show. So geschehen bei der ersten Klassik-Pferde-Gala „Im Galopp durch Vivaldis Vier Jahreszeiten“, die im Rahmen des Musikfestivals Euroclassic am Sonntagabend 1000 Besucher in das ausgebuchte Landgestüt lockte. Interessant: Neben den Stammgästen klassischer Musik oder der Pferdegalas waren zahllose neue Gesichter zu sehen.

Pferde verfügen über ein ausgesprochenes Rhythmusgespür. Sie begeisterten in den meisten der zwölf Schaubilder zu den schönsten Melodien aus Klassik und Film. Mit der Videoeinspielung des Orchesters auf der gegenüberliegenden kurzen Seite saß im Publikum jeder quasi „in der ersten Reihe“.

Fulminant und stimmungsvoll gelang der Auftakt mit dem anmutigen, taktgenauen Pas de Deux, dem Tanz zu zweit, zu den mitreißenden Klängen von „Palladio“ aus der Feder des britischen, zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins. Bei dem Ballett-Tanz zwischen dem schwarzgelockten Friesenhengst von Tatjana Früh und der Primaballerina offenbarten sich atemberaubende Schönheit und Harmonie.



„Das ist live“, wies Kulturamtsleiter Thilo Huble auf die Premiere zwischen Live-Orchester und den Schaubildern mit zum Teil international hoch dotierten Künstlern oder regionalen Erfolgssportlern der Pferdeszene hin. Weder waren diese gewöhnt, ihre Schaunummern mit Musikern vor Ort zu inszenieren, noch hatte die großartige Camerata Saarbrücken unter Leitung von Violinist Wolfgang Mertes je mit vierbeinigen oder gefiederten Darstellern gemeinsam musiziert.

So forderte das Gebell der Hunde im Tierischen Quintett von Willy Schaumberger den Musikern höchste Konzentration ab. Dabei brachten die vier agilen Border-Collies und ihr Pferd die Menge immer wieder zum Lachen. Einfacher war es in Kooperation mit den eindrucksvollen Voltigierern der im Landgestüt Zweibrücken beheimateten VRG Südwestpfalz. Die sieben hoch erfolgreichen Athletinnen inszenierten auf dem Pferderücken ihre Kür zu „Game of Thrones“.

Mit großen Isis-Schwingen, ihr Pferd freihändig dirigierend und begleitet von einem Gänsetrio in Formation, interpretierte Tatjana Früh in „Schwingen der Freiheit“ die Musik zu „Schindler‘s Liste“. Spontaner Szenenapplaus prägte den Pole-Tanz an der Stange von Sophie Antoine im knallroten Bikini und Paul de Oliviera mit seinem Spanischen Hengst zu dem feurigen Libertango aus der Feder des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla. Zu den Höhepunkten für viele Zuschauer zählte das Miniaturpferd Choco.

Thilo Huble und Gestütsleiterin Maren Müller gerieten unversehens zu den Akteuren. Auf dem Wagen, gezogen von zwei Kaltblütern, schlugen sie gemeinsam mit dem Schlagzeuger der Zweibrücker Stadtkapelle, Roland Quirin, den Ambos zu den Klängen von Albert Parlows „Amboss-Polka“, von 1000 klatschenden Händepaaren unterstützt. Zu dem „Frühling“ aus Vivaldis Vier Jahreszeiten durften der Kulturamtsleiter und die Gestütsleiterin die großen, majetätischen Weißkopfadler der Greifvogelstation Hellenthal auf ihren behandschuhten Armen landen lassen. Wie der Frühlingswind, strichen sie quer durch die große Reithalle.

Zu der Hitze des Sommers sorgten Paul de Oliviera und sein Spanischer Hengst mit der brennenden Garrocha für Nervenkitzel. Als Höhepunkt stieg der Hengst gerade zum Schlussakkord mit seinen Hufen eine Wand hoch und entzündete dabei einen Leuchtrahmen.

Die größte Harmonie verkörperte Alicia Dosogne mit ihrer gerittenen Freiheitsdressur „Symbiose“ zu den Klängen von Vivaldis „Herbst“. Selbst für Laien deutlich spürbar war die Liebe und tiefe Vertrautheit zwischen Mensch und Tier. Die ganz außergewöhnliche Inszenierung der beiden Kühe Simone und Mona, die Paul de Oliviera im Tandem vorstellte, krönte das höchst abwechslungsreiche Programm. Zu den Schneestürmen und der klirrenden Kälte in Vivaldis „Winter“ ritt er die große Kuh und dirigierte die kleinere am langen Zügel. Hier bewies das spontane Orchester seine Zirkus-Qualität und passte sich perfekt der tierischen Inszenierung an. Donnernder Applaus und Begeisterungspfiffe belohnte die gut 20 Musiker für ihre hervorragende Leistung.

Mit dem „Ungarischen Tanz“ als rhythmisch beklatschte Zugabe, endete nach gut zweieinhalb Stunden der gelungene Premierenabend. Martina Bikowski aus Contwig war begeistert von der Live-Kombination aus Pferdedressur, aufgelockert durch andere Tiere, und herrlicher Musik des Streichorchesters. „Die Halle hat eine ausgezeichnete Akustik“, lobte sie die angenehme Atmosphäre. Auch Helga Harth fand den Abend „ganz toll“. Die Brenschelbacherin strahlte: „Es war einfach wunderbar.“