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Bauprojekt im Stadtrat
Eine Kita auf Stelzen

Die geplante Kita auf dem ehemaligen VTZ-Sportplatz zwischen Festhalle und Landgestüt an der Gabelsbergerstraße ist morgen Thema im Stadtrat.
Die geplante Kita auf dem ehemaligen VTZ-Sportplatz zwischen Festhalle und Landgestüt an der Gabelsbergerstraße ist morgen Thema im Stadtrat. FOTO: Mirko Reuther
Zweibrücken. Auf diese Weise soll der Bau an der Gabelsbergerstraße auch vor extremem Hochwasser geschützt werden. Morgen ist die Abstimmung über den Kindergarten neben dem Landgestüt Thema im Stadtrat. Von Eric Kolling

Morgen, 7. November, soll der Zweibrücker Stadtrat im Ratssaal den Bau einer Kita neben der Festhalle im beschleunigten Verfahren absegnen. Laut Tagesordnung soll der Bebauungsplan „ZW 76 KiTa Gabelsbergerstraße“ beschlossen werden und die Verwaltung die entsprechenden Pläne öffentlich auslegen sowie die bei Bauvorhaben ins Boot zu holenden Behörden und Träger öffentlicher Belange zwecks Stellungnahmen kontaktieren.

Es geht um den früheren VTZ-Turnplatz zwischen Landgestüt und Festhalle; sein zur Gabelsbergerstraße liegender Bereich soll längs der Straße bebaut werden (wir berichteten). 4260 Quadratmeter des Platzes sollen verbaut werden, zunächst bis zu 3000 mit dem Gebäude. Der Rest soll zunächst Grünfläche bleiben – aber im Bedarfsfall auch bebaut werden dürfen.

Die Stadt rechtfertigt den Kita-Bau mit dem Bedarf: Zwei Krippengruppen müssten schon im naheliegenden Awo-Seniorenhaus angemietet werden. Es sei aber ein Mietvertrag gekündigt worden. Man müsse einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung erfüllen und habe nicht genügend Kitaplätze, die Wartelisten seien voll. Daher sollen im Neubau 70 Plätze für Kinder bis zum Schuleintrittsalter in vier Gruppen entstehen. „Das Bebauungsplanverfahren soll zügig durchgeführt werden, um keiner Fördermittel aus dem Kommunalen Investitionsprogramm 3.0 – Rheinland-Pfalz für den Bau der KiTa verlustig zu gehen“, heißt es in den Sitzungsunterlagen. Die Baumreihe zur Gabelsbergerstraße hin soll stehen bleiben, die Kita über besagte Straße angebunden werden.



Die Idee des Kita-Baus dort ist bereits rund zwei Jahre alt. Damals war angedacht, dass auf dem Restplatz der Wohnpark entsteht, den Investor Jürgen Gottschall nach öffentlichem Protest vor allem des Helmholtz-Gymnasiums nicht auf dem Gelände der Alten Feuerwache hochziehen durfte. Gottschall wollte laut Stadt einen Teil des Ex-VTZ-Platzes kaufen, die Stiftung nur verpachten. Das Thema ist inzwischen vom Tisch. Der frühere Oberbürgermeister Kurt Pirmann wollte die Kita und das Landgestüt inhaltlich eng verzahnen, hatte etwa von Kooperationsprogrammen der deutschen Reiterlichen Vereinigung zwischen Schülern und Kindergartenkindern mit Reitbetrieben gesprochen. Ob daraus etwas wird, ist laut Stadtsprecher Heinz Braun noch unklar.

Die Baupläne hatten zur Gründung der Bürgerinitiative „Erhalt der Grünachse“ geführt. Argumente, die von Kritikern immer wieder kamen, betrafen etwa den Hochwasserschutz des Geländes und den Denkmalschutz für die benachbarte Festhalle. Beide Aspekte werden auch in der Begründung zum Bebauungsplan erwähnt, den das Ingenieurbüro Dilger verfasst hat. Dort heißt es: „Die Problematik möglicher Hochwasserereignisse wurde bereits im Vorfeld mit der zuständigen Unteren Wasserbehörde besprochen, im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens werden diese detailliert behandelt.“ Das Gebiet könne bei „extremen Hochwasserereignissen“ durch den Schwarzbach überschwemmt werden. Stadtsprecher Heinz Braun erklärt, man begegne der Gefahr dadurch, dass man das Gebäude auf Stelzen errichte. Das sei auch wegen des dortigen Gefälles sinnvoll. Der Eingang von der Gabelsbergerstraße aus solle ebenerdig sein. „Der Bereich darunter könnte auch als Abstellfläche, wenn er hoch genug wäre, sogar als Spielfläche, benutzt werden“, sagt Braun weiter.

Hinsichtlich des Denkmalschutzes habe man sich „im Vorfeld“ mit der Generaldirektion kulturelles Erbe (GDKE) abgestimmt, „um negative Auswirkungen auf die geschützte Nachbarschaft zu vermeiden“. Auch gehe man auf Denkmalschutzfragen im Verfahren „detailliert“ ein. Die GDKE erläutert, dass sie „keine Beeinträchtigung des Umgebungsschutzes der Festhalle und der benachbarten Denkmalzone (Baulichen Gesamtanlage) Landgestüt“ habe erkennen können, weil die Kita deutlich niedriger ausfallen solle als die Festhalle. Daher habe man „zum Entscheidungsvorschlag der Unteren Denkmalschutzbehörde das Benehmen hergestellt“.

Ein Problem, das bis heute ungeklärt ist: Das zu bebauende Gelände gehört der Stadt gar nicht. Noch nicht. Es ist Eigentum der Stiftung Landgestüt. Dieses ist am Verkauf interessiert, um Geld in ihre Kassen zu bekommen. Doch das Wirtschaftsministerium hat die letzten zwei Jahre kein grünes Licht für einen Verkauf gegeben und sich über die Gründe immer bedeckt gehalten. Es gebe zwar eine „positive Andeutung“ aus Mainz, so Braun, aber keine Verträge. Die sind aber wohl nur noch eine Frage der Zeit. Susanne Keeding, Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, erklärte: „Die Landesregierung unterstützt das Kita-Projekt. Das Verfahren geht dem Ende zu.“