| 23:37 Uhr

Stadt bleibt bei Kompromiss aller Parteien
Neuer Anlauf gegen Kita-Neubau an Festhalle

Gerhard Herz, Roswitha Chéret und Klaus Oberle (von links) von der „Bürgerinitiative zum Erhalt der Zweibrücker Grünachse“ plädieren dafür, die neue Kita nicht am Rande des Ex-Sportplatzes an der Festhalle (entlang der hinter der kleinen Baumreihe liegenden Gabelsbergerstraße) zu bauen, sondern in der Ex-Hauptschule Nord unterzubringen.
Gerhard Herz, Roswitha Chéret und Klaus Oberle (von links) von der „Bürgerinitiative zum Erhalt der Zweibrücker Grünachse“ plädieren dafür, die neue Kita nicht am Rande des Ex-Sportplatzes an der Festhalle (entlang der hinter der kleinen Baumreihe liegenden Gabelsbergerstraße) zu bauen, sondern in der Ex-Hauptschule Nord unterzubringen. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Bürgerinitiative zum Erhalt der Grünachse schlägt als Standort die Ex-Hauptschule Nord vor. Stadt will dort lieber VHS unterbringen. Von Lutz Fröhlich

Seit März schien der Streit um die Bebauung der Freifläche zwischen Festhalle und Landgestüt beigelegt: Die FDP gab ihren Widerstand gegen den geplanten Kita-Neubau auf, nachdem die Stadt zugesichert hatte, die Kita nicht weit in den Ex-VTZ-Sportplatz hinein zu bauen, sondern nur entlang der Gabelsbergerstraße. Dadurch werde die Grünfläche lediglich etwas verkürzt, doch „der Platz bleibt als Ganzes erhalten und die Blickachse auf unsere schöne Festhalle wird nicht verbaut“, freute sich Ingrid Kaiser, FDP-Fraktionschefin und Mitinitiatorin der Bürgerininitiative zum Erhalt der Grünachse (BI) über den „tragfährigen Kompromiss“.

Doch die BI-Führung versucht nun noch einmal, an dem Kompromiss zu rütteln. Zwar könne man grundsätzlich auch damit leben, sagten die BI-Sprecher Gerhard Herz und Klaus Oberle sowie ihre Vorstandskollegin Roswitha Chéret am Freitag der Presse – allerdings nur, wenn der Kindertagesstätten-Neubau dort wirklich nötig sei. Alternativ-Standorte habe die Stadt nicht mit dem nötigen Ernst geprüft. Chéret: „Man könnte mehr geistige Wendigkeit für Alternativen aufbringen!“ Die BI hält die ehemalige Hauptschule Nord in der Hofenfelsstraße für geeignet: Der Standort sei ebenso citynah, der große Schulhof prima als Spielgelände umgestaltbar, eine Turnhalle vorhanden und ein denkmalgeschütztes städtisches Gebäude bleibe genutzt.

Das sei sinnvoller, als eine Grünfläche zuzubauen. Herz: „Die Grünachse ist ein Mords-Vorzug Zweibrückens, ein Alleinstellungsmerkmal, um das uns andere Städte beneiden. Auch für eine Wohnstadt ist das ein ganz wesentlicher Faktor.“ Das steht mit ähnlichen Worten auch im vom Rats-Hauptausschuss am Mittwoch einstimmig empfohlenen Grobkonzept für das neue große Innenstadt-Sanierungsprogramm (wir berichteten). Auf eine solche Grünfläche eine Kita zu bauen, schaffe „vollendete Fakten“ gegen diesen wichtigen Konzept-Baustein, warnt Chéret. Oberle fordert „eine Machbarkeitsstudie“, um zu klären, ob und wie die Ex-Hauptschule zur Kita umzubauen sei. Die BI will mit Vertretern aller Ratsfraktionen sprechen, um die Stadt zu überzeugen, die konkrete Alternative zu prüfen. Die FDP habe zwar der Verwaltung „einige Brocken hingeworfen“ mit mehreren Standort-Vorschlägen, das sei aber nicht substanziell und nachvollziehbar genug gewesen, bedauert Oberle.



Gewöhnt man sich nicht auch an Gebäude auf der großen Grünachse? Dort stehen heute schon Awo-Altenheim, mehrere Gestütsgebäude, Festhalle und Rosengarten-Hotel, in das die BI zur Pressekonferenz geladen hatte. Die BI verweist auf die hohe architektonische Qualität etwa der Festhalle und Herz antwortet: „Dass Bausünden in der Grünachse sind, ist nicht zu ändern – aber das ist kein Grund, sie weiter einzuschränken!“ Die BI will auch dem Landgestüt, „seit Jahrhunderten einer der Image-Träger der Stadt“, keine Optionen verbauen.

Am 25. Mai stellten Oberle und Herz ihre Ideen bereits der Stadtverwaltung vor, die war mit Bürgermeister Christian Gauf (CDU) sowie Führungsvertretern von Kämmerei, Jugendamt und Bauamt sehr hochkarätig vertreten. „Wir hatten zum ersten Mal das Gefühl, vernünftig angehört zu werden“, lobt Oberle.

Bürgermeister Gauf sagte gestern auf Merkur-Anfrage, die Stadt begrüße, wenn sich Bürger Gedanken machen. „Aber die Hauptschule Nord stellt keine Alternative dar.“ Technisch wäre ein Kita-Umbau zwar machbar. Sowohl Landes- als auch Stadtjugendamt bevorzugten für Kitas aber einstöckige Gebäude. Vor allem jedoch sei „das Gebäude anderweitig verplant“, so Gauf. Schon heute seien dort Jugendbücherei, Stadtkapelle und Jugendkunstschule untergebracht. „Und die Volkshochschule soll da rein“, denn die Berufsschule habe wachsende Raumprobleme mit der VHS-Nutzung. Einen Zeitplan für den Umzug gebe es noch nicht. Auch an einen Einzug der Musikschule werde gedacht. Gauf will deshalb an dem Kita-Bau am Ex-VTZ-Sportplatz nicht mehr rütteln: „Die Stadt ist sehr froh, einen tragfähigen Kompromiss gefunden zu haben, den alle Parteien unterstützen und der auch viele Wünsche der Bürgerinitiative berücksichtigt hat.“