| 00:12 Uhr

Neue Ideen für Pallmann-Rettung

Zweibrücken. Die Sparkasse Südwestpfalz weist die Vorwürfe von Pallmann zurück, sie treibe den drittgrößten Zweibrücker Industriebetrieb in die Insolvenz (wir berichteten). Sparkassen-Vorstandschef Rolf E. Klein betont auf Merkur-Anfrage: "Die Sparkasse nimmt ihre regionale Verantwortung ernst." Zu Pallmann dürfe er sich wegen des Bankgeheimnisses zwar nicht äußern Von Merkur-Redakteur Lutz Fröhlich

Zweibrücken. Die Sparkasse Südwestpfalz weist die Vorwürfe von Pallmann zurück, sie treibe den drittgrößten Zweibrücker Industriebetrieb in die Insolvenz (wir berichteten). Sparkassen-Vorstandschef Rolf E. Klein betont auf Merkur-Anfrage: "Die Sparkasse nimmt ihre regionale Verantwortung ernst." Zu Pallmann dürfe er sich wegen des Bankgeheimnisses zwar nicht äußern. Grundsätzlich gelte aber: "Was sollen Sparkassen für ein Interesse haben, ein Unternehmen in die Insolvenz zu treiben? Falls Sparkassen Informationen haben, dass ein Unternehmen nicht zu retten ist, dürfen sie aber keinen Kredit mehr geben." Die Commerzbank lehnte unter Verweis auf das Bankgeheimnis eine Stellungnahme ab - sagte zu einer Unterschriftenaktion des Betriebsrats aber, sie sei "jederzeit zu konstruktiven Gesprächen bereit".Ministerpräsident Kurt Beck hat gestern (siehe Seite 1) die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz ins Gespräch gebracht, um eine Pallmann-Insolvenz abzuwenden. Die ISB äußerte sich hierzu auf Anfrage nicht. Der Zweibrücker FDP-Stadtrat Walter Hitschler, bis 2007 Geschäftsführer der ISB-Grundstückstochtergesellschaft, ist überzeugt: "Es gibt bei Pallmann einige Probleme, die lassen sich aber leicht lösen." Die Auftragslage sei ausgezeichnet: "Da wäre es eine Sünde, Pallmann in Insolvenz gehen zu lassen." Als eine von mehreren Rettungsmöglichkeiten sehe er, dass die ISB-Tochter das Firmengelände kaufe und zurückvermiete. Dass Pallmann keinen Kredit mehr bekomme, "darüber kann man sich nur wundern, wenn man ein paar Interna kennt", sagte Hitschler: "Die Sicherheiten sind über 100 Prozent."

Hans Otto Streuber, Zweibrücker Ex-Oberbürgermeister und bis vor einem Jahr Präsident des Sparkassenverbands Rheinland-Pfalz, findet die Lage bei Pallmann "dramatisch und sehr bedauerlich". Er sei darüber nur aus der Zeitung informiert, glaube aber, dass es möglich sein müsse, "Pallmann in einer konzertierten Aktion von Unternehmen, Gewerkschaften, Mitarbeitern, Sparkasse und Landesregierung" vor der Insolvenz zu bewahren. Man müsse dabei "aufpassen, dass man vor lauter rechtlichen Themen nicht die Spielräume übersieht", sagt Streuber zu den Äußerungen der Sparkasse, in bestimmten Fällen aus insolvenzrechtlichen Gründen keine Kredite mehr geben zu dürfen. Andererseits könne auch eine Insolvenz eine Chance sein, gestärkt aus einer Krise herauszukommen. Zudem seien bei Pallmann die Probleme "nicht vom Himmel gefallen", so Streuber weiter. "Eine Sparkasse kann auch nicht sagen: Wir nehmen unser Geld und bügeln damit Fehler aus. Man muss auch den Unternehmer fragen, was er zu tun bereit ist, nachdem er Jahrzehnte Vorteile aus dem Unternehmen gezogen hat." Ihm gefalle deshalb auch nicht, "dass die Sparkasse jetzt an den Pranger gestellt wird, das finde ich etwas seltsam von der Unternehmensleitung". Er vertraue aber darauf, dass Pallmann und Sparkasse eine Lösung fänden.

Der Zweibrücker CDU-Vorsitzende Michael Wöhler rät Hartmut Pallmann - der gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war -, die Sparkasse vom Bankgeheimnis zu entbinden. Auf jeden Fall sei es "erschreckend, wenn ein traditionsreiches Unternehmen mit sehr guten Produkten und Mitarbeitern wegen 2,6 Millionen Euro vor der Insolvenz steht". Er wisse aus eigener langjähriger Geschäftsführer-Erfahrung aber auch: "Man muss die Hintergründe kennen." Das tue er zwar nicht, aber: Wenn Pallmann nach eigenen Angaben 2011 im besten Jahr seiner Unternehmensgeschichte eine Million Euro Verlust geschrieben habe, "gibt es vielleicht auch andere Probleme", kann Wöhler sich vorstellen. Wenn es jetzt schnell gehe, glaube er aber an eine Lösung für Pallmann.



Zweibrücken. "Die Mitarbeiter der Firma Pallmann brauchen ihre Unterstützung", wendete sich gestern Abend der Betriebsratsvorsitzende Klaus Patsch an den Hauptausschuss des Stadtrats. Mit dem Wunsch rannte der Betriebsrat bei den Ausschussmitgliedern offene Türen ein. Alle wollten das "für die Stadt wichtige Thema" (Oberbürgermeister Helmut Reichling) auf die Tagesordnung setzen. Wobei es Walter Rimbrecht (SPD) begrüßt hätte, wenn der Betriebsrat früher über die Situation informiert hätte. "Wir waren es bisher nicht gewohnt, um Hilfe zu bitten. Deshalb haben wir so lange gewartet", sagte Klaus Patsch. Der Appell ist mit "Pallmann muss leben!" überschrieben. "Wir sind ein gesundes Unternehmen mit innovativen Produkten und einer motivierten, qualifizierten Belegschaft, das nicht sterben darf", heißt es in dem Appell. Und weiter: "Probleme, die durch die Weltwirtschaftskrise verstärkt ausgelöst wurden, sind von uns erkannt und können auch behoben werden. Doch hierfür benötigen wir Zeit und einen fairen, verantwortungsbewussten Umgang mit der aktuellen Situation. Insolvenz ist für uns keine Lösung, da hier die Beschäftigten die Leidtragenden wären. Wir bitten Sie dringend, Ihren Einfluss unter anderem bei der hiesigen Sparkasse Südwestpfalz geltend zu machen, um die 450 Arbeitsplätze der Beschäftigten, Familien und Lieferanten und damit den Standort Zweibrücken zu erhalten. Wir fordern Sie auf, Ihrer Verantwortung für die Region und die Stadt Zweibrücken nachzukommen!"

Der Ausschuss nahm den Appell mit Applaus zur Kenntnis. Und beschloss dann nach nichtöffentlicher Diskussion, die städtischen Gremien sollten dafür eintreten, die drohende Insolvenz abzuwenden. Man vertraue dabei auch auf die politischen Kräfte des Landes und die ISB, um Pallmann kurzfristig zu helfen. Sollten diese Bemühungen scheitern, müsse die Stadt notfalls bereits sein, mit geeigneten Mitteln aktiv für die Firma Pallmann einzutreten. sf/lf

Foto: dpa

Foto: pma

Hintergrund

Die Stadtwerke sollen auf eine Stromabschaltungbei Pallmannin den kommenden vier Wochen verzichten, appelliert der Stadtrat einstimmig. Ziel sei, Zeit für die Rettungsbemühungen zu gewinnen, erläuterte Oberbürgermeister Helmut Reichling den Beschluss. Er habe am Nachmittag von den Stadtwerken erfahren, dass diese Androhung wegen unbezahlter Rechnungen noch aktuell sei. Pallmann, Betriebsrat und IG Metall hatten zuvor auf Merkur-Anfrage erklärt, die Rechnungen seien längst bezahlt und die für kommenden Montag angedrohte Stromabschaltung damit vom Tisch.lf