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Nawi-Vortrag
Mit dem Staubsauger durchs Weltall

 Raumfahrtingenieur Rainer Kresken kam schon zum elften Mal zu einem Vortrag des Naturwissenschaftlichen Vereins nach Zweibrücken.
Raumfahrtingenieur Rainer Kresken kam schon zum elften Mal zu einem Vortrag des Naturwissenschaftlichen Vereins nach Zweibrücken. FOTO: Susanne Lilischkis
Zweibrücken. Der Naturwissen­schaftliche Verein Zweibrücken hatte auf dem Kreuzberg den Raumfahrtingenieur Rainer Kresken zu Gast. Von Susanne Lilischkis

Wie immer bei den Abendvorträgen des Naturwissenschaftlichen Vereins (Nawi) Zweibrücken sprach Organisator Hubert Zitt in der Aula der Hochschule die einführenden Worte. Dieses Mal hatte er eine traurige Nachricht für die Teilnehmer. Professor Peter Pokrowsky, Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Nawi, ist im Dezember nach langer Krankheit verstorben. „Wir verdanken ihm sehr viel, und wir werden das, was er aufgebaut hat, weiter fortsetzen“, sagte Hubert Zitt. Pokrowskys Einsatz haben die Zweibrücker den Bau der Sternwarte zu verdanken. Er war es auch, der im Jahr 1998 die überaus erfolgreiche Vortragsreihe des Vereins startete.

Seit dieser Zeit sind unzählige Wissenschaftler und Personen des öffentlichen Lebens zu Vorträgen an den Campus gekommen. So auch Rainer Kresken, der zum elften Mal beim Nawi einen Vortrag hielt. „Meine Frau und ich gucken uns schon auf dem Wohnungsmarkt in Zweibrücken um“, scherzte der Referent, der als Raumfahrtingenieur bei der ESA in Darmstadt arbeitet.

Aus aktuellem Anlass sprach er am Anfang seines Vortrages über die Landung der chinesischen Raumsonde Chang-E auf der erdabgewandten Seite des Mondes, die in den vergangenen Tagen in allen Nachrichtensendungen zu verfolgen war. „Die Chinesen sind auf der Überholspur, die wollen Weltmarktführer im Bereich der Wissenschaft werden“, lautete Kreskens These. Die europäische Weltraumagentur ESA, Kreskens Arbeitgeber, unterstützte die Chinesen bei der Kommunikation mit Chang-E.



Die ist anspruchsvoll, denn dadurch, dass sich die Raumsonde auf der Rückseite des Mondes befindet, können Funkwellen nicht direkt zu ihr dringen – sie müssen über einen Satelliten umgeleitet werden. Die Mondoberfläche ist ein unwirtlicher Ort. Tagsüber ist es dort etwa 100 Grad heiß, nachts sinkt die Temperatur auf minus 120 Grad Celsius. Deshalb hat die Sonde eine Plutonium-Heizquelle an Bord. „Man nimmt an, dass die Chinesen eine bemannte Mondlandung planen, das könnte in zehn Jahren soweit sein“, informierte Kresken.

Die Nasa hat derweilen eine andere Raumfahrtmission im Fokus, deren Ergebnisse bald vorliegen könnten. Um mehr über die Entstehung des Universums zu erfahren, schickten die Amerikaner die Raumsonde Osiris Rex ins All. Sie soll sich dem Kleinplaneten Bennu nähern und Gesteinsproben nehmen. Bennu ist ein Meteorit, dessen Gesteinszusammensetzung für die Wissenschaftler interessant ist – ein sogenannter kohliger Chondrit. Er bringt die besten Voraussetzungen für eine Erforschung mit. Seine Umlaufbahn liegt nahe der Erde und er hat die richtige Größe. Sein Durchmesser beträgt etwa 500 Meter.

Die Raumsonde startete am 8. September 2016. Am 25. November 2018 hatte sich die Sonde dem Kleinplaneten auf 80 Kilometer genähert. Und im Juli dieses Jahres wird die Sonde Bennu erreicht haben. Die Annäherung geschieht also sehr langsam.

Grund dafür ist die geringe Größe des Felsbrockens. Die Navigation zu einem so kleinen Objekt ist sehr anspruchsvoll. Schon geringste Veränderungen an den Antriebsdüsen, ein zu kräftiges Beschleunigen etwa, könnten Osiris Rex aus der Bahn werfen. Die Sonde würde dann an Bennu vorbeifliegen. Landen wird Osiris Rex auf dem Zwergplaneten nicht. Doch beim Vorbeiflug werden eine Menge Daten erhoben. An Bord der Sonde ist ein Laser-Altimeter. „Das Altimeter misst Entfernungen, ganz so wie der Laser-Zollstock aus dem Baumarkt“, erklärte Rainer Kresken.

Verschiedene Spektrometer untersuchen die chemische Zusammensetzung der Oberfläche, die Moleküle, die dort vorkommen und die Wärme, die der Meteorit abstrahlt, wenn er von der Sonne beschienen wird. Das ungewöhnlichste Messgerät ist aber ein großer Teleskoparm, an dem eine Art Staubsauger befestigt ist. Mit dem werden Teilchen von Bennus Oberfläche eingesaugt. Die Partikel landen danach nicht etwa in einem Staubsaugerbeutel, sondern in einer feuerfesten Kapsel. Die wird abgesprengt und fliegt mit Gesteinsstaub gefüllt zurück zur Erde. Die Flugbahn dieser Kapsel ist heute schon berechnet. Sie wird, wenn alles gut geht, am 24. September 2023 auf einem Militärgelände in Utah landen.

Dieser Vortrag bildete den Auftakt für weitere Veranstaltungen im Jahr 2019 zum Thema Raumfahrt anlässlich des 50. Jahrestages der ersten bemannten Mondlandung am 21. Juli 1969. Am Mittwoch, 3. April, 19 Uhr, geht es um „Schwarze Löcher – Schwerkraftfallen im Kosmos“. Referent ist Prof. Hans-Ulrich Keller, Planetarium und Universität Stuttgart.