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250 Jahre Napoléon
Napoléons Erbe in Zweibrücken

 Eine markante Erinnerung an jene Zeit, als Napoléon Bonaparte auch über die Westpfalz herrschte, ist das am 1. Oktober 1837 auf dem Zweibrücker Hauptfriedhof errichtete Denkmal.
Eine markante Erinnerung an jene Zeit, als Napoléon Bonaparte auch über die Westpfalz herrschte, ist das am 1. Oktober 1837 auf dem Zweibrücker Hauptfriedhof errichtete Denkmal. FOTO: Klaus Friedrich
Zweibrücken. Vor 250 Jahren wurde der Kaiser der Franzosen geboren. Seine Spuren sind noch heute in der Westpfalz sichtbar. Von Klaus Friedrich

Vor 250 Jahren – am 15. August 1769 – wurde im korsischen Ajaccio mit Napoléon Bonaparte eine der großen, wenngleich nicht unumstrittenen Persönlichkeiten der Weltgeschichte geboren. Obwohl er nie in Zweibrücken war, erinnert hier doch einiges an ihn.

Wie wäre wohl die Geschichte Frankreichs und Europas verlaufen, wenn Napoleone Buonaparte, so sein Taufname, ein Jahr zuvor geboren wäre, als Korsika, das sich zwar 1755 für unabhängig erklärt hatte, noch offiziell zu Genua gehörte? So aber wurde Frankreich das Land, in dem der ehrgeizige junge Korse eine bemerkenswerte Militär- und später politische Karriere machte und vom Leutnant zum Brigadegeneral und nach dem Staatsstreich von 1799 gar zu einem von drei Konsuln aufstieg, die das Land regierten? Da das vormalige Herzogtum Pfalz-Zweibrücken 1793 von Revolutionstruppen besetzt und 1797 Frankreich einverleibt worden war, bestimmte Bonaparte somit auch die Geschicke der Westpfalz, die er ab 1804 bis zu seinem Sturz 1814 schließlich als Kaiser der Franzosen regierte.

Ein bedeutendes Erbe aus Napoleonischer Zeit ist unter anderem das Landgestüt Zweibrücken – immerhin war es der „große Korse“, der anordnete, dass das 1755 unter Herzog Christian IV. gegründete, nach den Wirren der Französischen Revolution indes darniederliegende Gestüt wieder eingerichtet werden sollte. Zuvor waren dessen Pferde von der französischen Revolutionsarmee beschlagnahmt und ins lothringische Rosières-aux-Salines verbracht worden. Erst 1802 kehrten einige Hengste nach Zweibrücken zurück, damit jedoch keineswegs auch der alte Glanz aus herzoglichen Zeiten.



Napoléon war beeindruckt von den aus Rosières-aux-Salines stammenden Kavalleriepferden und verfügte im Juli 1806 die Wiedererrichtung des Zweibrücker Gestüts auf dem stadtnahen Gelände, auf dem sich zuvor das 1793 zerstörte Palais der Gräfin von Forbach befunden hatte. Als „Haras Première Classe“, als kaiserliches „Gestüt erster Ordnung“, war es nun eines von insgesamt sechs Hauptgestüten in Frankreich, zugleich bis zu Napoléons Abdankung das zentrale Hengstdepot für das gesamte an Frankreich gefallene linksrheinische Territorium Deutschlands und genoss dementsprechend großes Ansehen. Als besondere Wertschätzung überließ Napoléon dem Zweibrücker Gestüt 1811 sogar seinen Araberhengst Fayoum, den er in den für Frankreich so siegreichen Schlachten von Austerlitz, Wagram und Eylau geritten hatte.

Ein viel wichtigeres Erbe des „großen Korsen“ hingegen dürfte vielen nicht bewusst sein: „Wir verdanken Napoléon, dass Zweibrücken zu einer Wiege der deutschen Demokratiebewegung wurde“, betont Charlotte Glück, die Leiterin des Stadtarchivs, im Gespräch mit dem Merkur und ergänzt: „Er war derjenige, der die positiven Errungenschaften der Französischen Revolution in die sogenannten ‚cinq codes‘ übertragen und damit eines der bedeutendsten Gesetzeswerke der Neuzeit geschaffen hat“.

Das wichtigste dieser fünf Gesetzesbücher, die eine bis dahin so nicht gekannte Rechtssicherheit gewährleisteten, war nach ihren Worten „der bis heute nachwirkende ‚code civil‘, der die bürgerlichen Grundrechte regelte, die unter anderem den Grundsatz der Gleichheit aller vor dem Gesetz, den Schutz und die Freiheit des Individuums und des Eigentums sowie die Trennung von Kirche und Staat enthielt, und der in die auf Napoléon folgende bayerische Zeit übernommen wurde“: In diesem Zusammenhang betont Charlotte Glück, dass der Kaiser dem Zustandekommen der von ihm verordneten Gesetze viel persönliche Aufmerksamkeit widmete, sie keineswegs allein den damit betrauten Juristen überließ und dementsprechend stolz auf das von ihm erlassene Gesetzeswerk war.

Tatsächlich tritt Napoléons innenpolitischer Verdienst immer noch hinter seinem Nimbus als genialer Schlachtenlenker, Treiber einer überzogenen Außenpolitik und den damit verbundenen Kriegen zurück, denen schätzungsweise bis zu zwei Millionen Menschen zum Opfer fielen – darunter etliche in der Pfalz rekrutierte Soldaten, die aufgrund der hier geltenden französischen Wehrpflicht für den Kaiser und Frankreich kämpften und dabei oft genug Leben und Gesundheit ließen.

Dass ihn viele Veteranen dennoch verehrten und er gerade im linksrheinischen Deutschland noch lange eine große Wertschätzung genoss, beweist ein überaus interessantes Relikt, das sich auf dem Zweibrücker Hauptfriedhof befindet: „Die unter Napoleons Fahnen gedienten und wieder in die Heimat zurückgekehrten Krieger der Stadt und Umgegend von Zweibrücken weihen ihren auf dem Felde der Ehre gefallenen Kriegskameraden dieses Denkmal“, verkündet eine teilweise verwitterte Inschrift auf diesem 1837 hier errichteten Ehrenmal.

Auf ihm finden sich die Namen, Einheiten und Dienstgrade von 60 Soldaten, die einstmals in der „Grande Armée“ gedient, sich 1835 zu einem der ersten Veteranenvereine des Rheinlandes zusammengeschlossen hatten und nun nach ihrem Ableben bis in die 1870er-Jahre hinein mit ihrem jeweiligen Sterbedatum verewigt wurden. Darüber wacht als symbolträchtiges Schmuckelement noch immer der Fahnenadler Napoléons, der „Aigle“, unter dem und für den sie einstmals in den Krieg zogen.

Um das französische Massenheer ausreichend ernähren zu können, lobte Napoléon übrigens eine Prämie von 12 000 Goldfranken für denjenigen aus, der ein Verfahren zur längeren Konservierung von Lebensmitteln präsentieren könne. Den Preis gewann schließlich der Franzose Nicolas Appert, der zuvor als Hofkoch Herzog Christians IV. tätig war und daher eine Zeitlang in Zweibrücken gelebt hatte. An ihn und sein Verfahren, Lebensmittel in luftdicht verschlossenen Glasflaschen haltbar zu machen, erinnert unter anderem eine eigene Vitrine im Zweibrücker Stadtmuseum.

Darüber hinaus steht ein weiterer Zweibrücker in enger Beziehung zum Kaiser der Franzosen: So war es Napoléon, der dafür sorgte, dass sein Bündnispartner Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken, der bis dahin als Kurfürst die ihm verbliebenen Lande regiert hatte, 1806 als König über das infolgedessen beträchtlich vergrößerte Bayern regierte. Aber das ist ein anderes Kapitel in der so spannenden und oftmals erstaunlich europäischen Geschichte Zweibrückens.