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Nachholbedarf bei Jugendhilfe in der Südwestpfalz

Zweibrücken. In Zukunft soll der Jugendhilfeausschuss öfter tagen und bei umfangreichen Kreiszuschüssen sich auch vor Ort ein Bild über Zustand und Pläne von Baumaßnahmen machen. Das kündigte der neue Erste Kreisbeigeordnete Peter Spitzer im Ausschuss an. mfu

Die vorletzte Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Landkreises Südwestpfalz hatte noch der Erste Kreisbeigeordnete Ernst Hügel geleitet. Sein Nachfolger Peter Spitzer (beide SPD ) wurde zu Beginn der jüngsten Sitzung nun auch als Ausschussvorsitzender mit allen Stimmen gewählt.

In Zukunft soll der Jugendhilfeausschuss öfter tagen und bei umfangreichen Kreiszuschüssen sich auch vor Ort ein Bild über Zustand und Pläne von Baumaßnahmen machen, kündigte Spitzer an. Eine klassische Jugendhilfeplanung - mit Bedarfsfeststellung und -planung - gebe es beim Landkreis zurzeit nicht, so Spitzer. Notwendig und optimal wäre eigentlich eine spezielle Arbeitskraft, die der Kreis aber zurzeit nicht einstellen könne. Spitzer plädierte dafür, in den nächsten Jahren sich schrittweise den Standards anzunähern, die sich aus den Empfehlungen des zuständigen Landes ergeben. Es sei ein Prozess, auch im Jugendhilfeausschuss, der Zeit brauche, sagte der Beigeordnete. An seinem Ende soll ein Jugendhilfeplan stehen, der letzte Plan datiert aus dem Jahr 2000. Begleitet werden soll diese Entwicklung vom Institut für sozialpädagogische Forschungen in Mainz, so Spitzer. Geplant ist auch eine Veranstaltung mit einem Referenten des Instituts Ende August, was auf Zustimmung der Ausschussmitglieder stieß.

Auch Sebastian Eisenblätter, als Jugendreferent des protestantischen Dekanates Pirmasens im Ausschuss, bestätigte, dass es immer mehr bei der Jugendhilfe hake - intensivere Gespräche, die schon begonnen hätten, seien notwendig. Renate Gerlich, pädagogische Leiterin im Nardinihaus, machte auf notwendige Konzepte in der Jugendhilfe für jugendliche Flüchtlinge aufmerksam. Nach der jetzt laufenden Notversorgung der Flüchtlinge würden die Herausforderungen auf diesem Gebiet immer deutlicher sichtbar.

In diesem Zusammenhang informierte Dietmar Bäuerle von der Jugendhilfe Jona über eine neue Jugendhilfestation in Thaleischweiler-Fröschen, die derjenigen, die das Diakoniezentrum Pirmasens mit dem Landkreis in Dahn betreibt, ähnelt.

Bei 80 Prozent der Fälle von häuslicher Gewalt seien Kinder betroffen oder hörten mit, sagte Gerd Fallböhmer von der Polizeidirektion Pirmasens. Er informierte die Ausschussmitglieder über die Probleme der Polizei bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen, die die Polizei mit GesB abkürzt. Ab Mitte des Jahres soll mit Fallkonferenzen die Zusammenarbeit von Polizei und Jugendämtern bei Fällen von Gewalt in sozialen Beziehungen verstärkt werden, so Fallböhmer.

Die meisten Tagesordnungspunkte bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses bezogen sich auf die Gewährung von Kreisausschüssen. Alle sechs Zuwendungen wurden einstimmig gewährt.

Die höchste Zuschusssumme von 295 715 Euro geht an die Ortsgemeinde Kleinsteinhausen für die Sanierung und Erweiterung der kommunalen Kindertagesstätte. Insgesamt kostet die Baumaßnahme 792 200 Euro . Gut 100 000 Euro schießt das Land zu, informierte Spitzer.

Zum Bau und zur Ausstattung von sechs neuen U 3-Plätzen im Dachgeschoss der Kindertagesstätte erhält Vinningen knapp 40 000 Euro , 40 Prozent der Bausumme. Hier muss auch eine Fluchttreppe außen angebaut werden. Der notwendige Umbau soll zeitnah starten, sagte Spitzer.

Die Kindertagesstätte in Wallhalben wird mit einer Giebelverkleidung zum Wärmeschutz ausgestattet, außerdem die Toilettenanlage modernisiert. Der Zuschuss vom Kreis beträgt 11 200 Euro . 15 200 Euro schießt der Landkreis für die Außenanlage und einen Sonnenschutz bei der Kindertagesstätte Bechhofen zu, 3458 Euro erhält die katholische Kirchengemeinde St. Georg in Münchweiler als Zuschuss für Möbel in ihrer Kindertagesstätte.

5000 Euro gehen erhält der Internationale Bund (IB) Südwest für sein Jugendrockprojekt "Rainbow" aus dem Jahr 2014. Der Zuschuss hätte schon 2015 fließen sollen, was wegen eines formalen Fehlers nicht geschah, sagte Spitzer.