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Neuer Zweibrücker Oberbürgermeister
Erste Personalentscheidungen nach Wahl

Wahlsieger Marold Wosnitza (Bilder vom Wahlabend) war auch am Montag im Rathaus, um den Übergang ins OB-Amt zu besprechen.
Wahlsieger Marold Wosnitza (Bilder vom Wahlabend) war auch am Montag im Rathaus, um den Übergang ins OB-Amt zu besprechen. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Der künftige Oberbürgermeister Marold Wosnitza hat mit Christian Gauf vereinbart, dass der Bürgermeister für das Finanzdezernat zuständig bleibt. Wegen Wosnitzas Wahl gibt es einen Rücktritt. Von Lutz Fröhlich

Weil Marold Wosnitza (SPD) am Sonntag zum Oberbürgermeister gewählt wurde, legt die Personalrats-Vorsitzende der Stadtverwaltung ihr Amt nieder. Der Rücktritt erfolgt aber nicht, weil Heike Heb den künftigen OB nicht mag – im Gegenteil, sie liebt ihn sogar: Heb ist Wosnitzas Ehefrau. Und käme als solche natürlich Interessenkonflikte, müsste sie ihm als Vertreterin der rund 670 Verwaltungsmitarbeiter entgegentreten.

Über ihre Nachfolge werde der insgesamt elfköpfige Betriebsrat abstimmen, erklärte Heb auf Merkur-Anfrage weiter. Welchen Rat gibt sie als seit 2013 amtierende Personalrats-Chefin dem neuen OB? „Den Personalrat frühzeitig zu beteiligen bei Maßnahmen, damit man Differenzen diskutieren kann und sie sinnvoll über die Bühne bringt, das hat auch Kurt Pirmann gemacht“, antwortete Heb. Über den Wahlsieg Wosnitza freute sie sich am Sonntag sichtlich, wie gestern auch das Foto im Merkur zeigte. „Aber ich sehe das natürlich auch mit einem weinenden Auge“, räumte Heb ein, dass ihr der Abschied von ihrem Führungsamt nicht leicht fällt, zumal „ich auch viele positive Rückmeldungen von den Kollegen hatte“.

Nichts ändern wird sich an den Nummern 2 und 3 im Stadtvorstand: Christian Gauf (CDU) ist noch bis 2025 vom Stadtrat als Bürgermeister gewählt, der Beigeordnete Henno Pirmann bis 31. Dezember 2019. Wobei der Sozialdemokrat, weil er schon über 65 ist, theoretisch auch vorher in Ruhestand gehen könnte. Das will Pirmann aber nicht: „Meine Amtszeit werde ich ausschöpfen. Warum soll ich den Marold alleinlassen als derjenige, der die meiste Erfahrung im Stadtvorstand hat?“



Wosnitza war gestern Vormittag im Rathaus, um mit Gauf, Pirmann und Hauptamtsleiter Jörg Eschmann über das Prozedere bis zu seiner Amtseinführung zu sprechen. Danach gab Wosnitza auf Merkur-Anfrage einen ersten Einblick, wie er als OB die Aufgaben im Stadtvorstand verteilen möchte: „Das Finanzdezernent wird auf jeden Fall bei Christian Gauf bleiben, das haben wir heute auch so besprochen.“ Ansonsten werde sich bei der Dezernatsverteilung wahrscheinlich „etwas verändern, aber nicht viel“.

Seine roten Wahlkampf-Schuhe hatte Wosnitza gestern erstmals seit Anfang August nicht an – dafür eins von zwei Paaren roter Socken, die ihm Parteifreunde am Sonntagabend geschenkt hatten. Glückwünsche erreichten ihn aus der ganzen Welt: von den Zweibrücker Partnerstädten Boulogne-sur-Mer, Barrie und Yorktown über Kollegen aus Australien und den USA bis zu Verwandten aus Südafrika. Am Dienstag führt Wosnitza Gespräche in Aachen, um seine Beurlaubung als Professor zu regeln. Steht das fest, kann der Termin seines Amtsantritts festgelegt werden, die Stadtverwaltung rechnet mit Anfang Dezember (wir berichteten).

Mit großer Freude wurde Wosnitzas überzeugender Wahlsieg in Mainz aufgenommen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer teilte als stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende der Presse mit: „Marold (...) brennt für seine Heimatstadt und ist deshalb genau der Richtige für das Amt des Oberbürgermeisters.“ Der SPD-Landesvorsitzende Roger Lewentz erklärte: „Marold hat in den letzten Wochen bei den Bürgerinnen und Bürgern zurecht viele Sympathiepunkte gesammelt und verdient gewonnen. Er wird Zweibrücken mit seinen konkreten Plänen für eine Wirtschaftsförderung, seinen Ideen für die Innenstadtentwicklung und seiner Bürgernähe entschieden voranbringen, da bin ich mir sicher.“

FDP-Ratsfraktionschefin Ingrid Kaiser sagte, nachdem sie Wosnitza am Sonntagabend im Rathaus gratuliert hatte, dem Merkur, durch Wosnitza kämen sicher „neue Ideen und Aspekte“ in die Kommunalpolitik. „Ich hoffe und erwarte, dass er einige Dinge umsetzt.“ Wie wird die FDP Wosnitzas Arbeit begleiten? Kaiser: „Er ist der Gewinner der Wahl. Es wäre töricht, in irgendeiner Weise Front gegen ihn zu machen.“ Vernünftige Projekte werde die FDP positiv begleiten.

Hans Otto Streuber (SPD), OB von 1993 bis 1998, sagte: „Die CDU hat eins unterschätzt: Die SPD war so geschlossen wie seit vielen Jahren nicht mehr.“ Wosnitza und sein 28-köpfiges Wahlkampfteam hatten im Wahlkampf an insgesamt rund 5000 Haustüren geklingelt. Das sei fast jeder dritte Haushalt, so Wosnitza, damit habe er sich sehr bekannt machen können – vor allem vor dem ersten Wahlgang. Die CDU war erst nach dem unerwarteten Rückstand damals massiv in den Haustürwahlkampf eingestiegen und erreichte 3000 Haushalte, im Gegensatz zur SPD ist diese Zahl aber nur grob geschätzt. Auf jeden Fall habe sich der Haustürwahlkampf „für mich nicht so nicht so bezahlt gemacht“, bedauert Gauf: „Mir war klar: Ich habe nur eine Chance bei einer hohen Wahlbeteiligung.“ Die aber sank bei der Stichwahl von 44,8 auf 40,7 Prozent.

Für CDU-Ratsfraktionschef Christoph Gensch ist diese Wahlbeteiligung „enttäuschend, es muss sich jeder einzelne Bürger Zweibrückens mal hinterfragen, wenn es darum geht, die wichtigste Position in der Stadt zu besetzen, warum nicht einmal jeder Zweite zur OB-Wahl geht, obwohl es da darum geht, das Lebensumfeld der Menschen zu gestalten, sie also unmittelbar betroffen sind“. Wosnitza nannte die Wahlbeteiligung am Wahlabend spontan „erbärmlich, da kriege ich Tränen in die Augen“.

Das amtliche Endergebnis der Oberbürgermeister-Stichwahl wird diesen Dienstag in der öffentlichen Wahlausschuss-Sitzung ab 16 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rathauses Ergebnis der OB-Wahl festgestellt.

Bürgermeister Christian Gauf bleibt für den Stadthaushalt zuständig.
Bürgermeister Christian Gauf bleibt für den Stadthaushalt zuständig. FOTO: Volker Baumann