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Kolumne  Moment mal
Nach dem Finale ist vorm Finale oder: Den OB gibt’s in der Verlängerung

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
Abpfiff in Russland, Anpfiff in Zweibrücken: Jetzt ist Wahlkampf. Und da ist die Frage absolut offen, wer am Ende den Pokal erhält. Denn einen klaren Favoriten auf den Chefsessel im Rathaus gibt es nicht – glaubt Merkur-Chefredakteur Michael Klein. Von Michael Klein

So lange ist das alles ja noch nicht her, dass man die Erinnerung nicht noch präsent hätte. An den 14. Juli vor vier Jahren. Ein Montag. Und durchaus kein x-beliebiger. Ich denke, dass nicht nur ich damals zu den Menschen zählte, die mit etwas weniger Schlaf, dafür aber etwas mehr Druck im Kopf wach geworden sind. Aus gutem Grund: Deutschland war in der Nacht zuvor in einem hochdramatischen Spiel gegen Argentinien – Götze sei Dank – zum vierten Mal Fußball-Weltmeister geworden. Und das musste natürlich gefeiert werden.

Um wie viel entspannter und ausgeschlafener dagegen sind wir heute nach dem Finalsonntag wach geworden. Gut, das begeisternde Endspiel, für das Besucher vor Ort in Moskau für die teuersten der normalen Plätze an die 900 Euro zahlen mussten, haben wir uns am gestrigen späten Sonntagnachmittag pflichtschuldigst, aber mit großer Freude von unseren billige(re)n Plätzen daheim oder beim kostenlosen, unwetterbedingt auf dem Herzogplatz auch mal unterbrochenen Public Viewing angeschaut. Unsere Sympathien fein säuberlich auf die so grenznahen und damit naheliegenden Franzosen mit ihrem perfekt ergebnisorientierten Spiel und auf die so frisch und munter drauf los stürmenden, aber glücklosen Kroaten verteilt. Und uns nach dem Schlusspfiff entsprechend gefreut – oder geärgert. Ekstase sieht anders aus. Aber dafür haben wir ja seit Samstag unsere neue Tennisqueen Angelique Kerber!

Das war’s denn aber auch wirklich mit der Fußball-WM, die ja für das Gros von uns am 27. Juni eigentlich schon vorbei war. Da war das deutsche Aus besiegelt, und nichts bleibt, was wir auch nur ansatzweise von Jogis Jungs bei dieser Weltmeisterschaft in guter Erinnerung behalten. Nicht mal, wie vor Jahrzehnten üblich, eine Plattenschnulze, bei der die Schlagerbarden längst vergangener Tage wie Udo Jürgens, Peter Alexander und Michael Schanze dem Nationalteam ihre Stimme gaben, hält in diesem Jahr die Erinnerung musikalisch wach. „Fußball ist unser Leben!“. Von wegen ... seit gestern heißt es: Vive la France!



Die WM-Neuauflage gibt’s dann kurz vor Weihnachten in vier Jahren. In Katar. Bis dahin ist vielleicht auch die Causa Özil geklärt!

Deutlich früher, in knapp zehn Wochen, ist eine andere Frage – wenn auch vermutlich nur zur Hälfte – beantwortet. Die Frage, wer denn dem verstorbenen Kurt Pirmann als neuer Oberbürgermeister in Zweibrücken nachfolgen wird.

Offen bleibt die Frage aber sicherlich über den Wahlsonntag, also den 23. September, hinaus. Denn wie es vor vier Jahren im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro eine Verlängerung zum deutschen Triumph brauchte, dürfte es in Zweibrücken in diesem Jahr einen zweiten Urnengang geben. Ein Wiederholungsspiel sozusagen, denn bislang ist nach derzeitiger Stimmungslage nicht davon auszugehen, dass einer der vier bis dato bekannten Kandidaten – weitere scheinen ja in den Startlöchern zu stehen – schon am vorletzten Septembersonntag mehr als 50 Prozent der Stimmen einfährt. Und das würde bedeuten, dass die Entscheidung eben in der dann fälligen Stichwahl am 14. Oktober fallen muss. Definitiv ohne Elfmeterschießen.

So oder so ist die Zeit bis dahin knapp, entsprechend legen sich die Kandidaten ins Zeug. Dabei erwies sich Marold Wosnitza, der den offiziellen Segen seiner Partei am 1. August bekommen soll, als ziemlicher Frühstarter: Das Konterfei des Sozialdemokraten habe ich bereits am vergangenen Freitag, dem 13., erstmals gesehen, als ich von der Landauer in die Saarlandstraße eingebogen bin. Kann ja nix schaden, sich schon mal an strategisch guten Werbeplätzen lächelnd die Pole-Position zu reservieren – vor der Konkurrenz, mag sich der SPD-Mann denken, der damit aktuell den ersten Treffer landete.

Deutlich weniger gedacht hat sich vermutlich Klaus Peter Schmidt. Ja, der hat sich sogar ein ziemliches Eigentor geschossen, das auch lange Zeit danach noch präsent ist – weil es zum Wesen der Sozialen Medien gehört, nicht(s) zu vergessen: Im April 2016 hat der AfD-Mann auf Facebook ein obskures Video aus der Reichsbürger-Szene geteilt. Jetzt liefert Schmidt gleichfalls obskure Erklärungen nach, wie es damals dazu kommen konnte. Ein gelungener Wahlkampfauftakt sieht anders aus. Eine gelungene WM übrigens auch!