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Windräder auf der Weißen Trisch und im Dörrenbachwald
Nabu zerpflückt Windkraft-Gutachten

Am Windkraftgutachten für die Weiße Trisch und Dörrenbach-/Buchwald ließen sie gestern kein gutes Haar: der Zweibrücker Nabu-Chef Gerhard Herz (Mitte), Beisitzer Herbert Kirchner (links) und Schriftwart Christoph Domke.
Am Windkraftgutachten für die Weiße Trisch und Dörrenbach-/Buchwald ließen sie gestern kein gutes Haar: der Zweibrücker Nabu-Chef Gerhard Herz (Mitte), Beisitzer Herbert Kirchner (links) und Schriftwart Christoph Domke. FOTO: maw
Zweibrücken. Das bis Freitag einsehbare Gutachten von Argus Concept zur Ausweisung von Anlagen auf der Weißen Trisch und im Dörrenbachwald sei voller Fehler und Fragwürdigkeiten. Man lehne es ab. Von Eric Kolling

Weiterer Gegenwind in Sachen Windkraft: Der Zweibrücker Naturschutzbund (Nabu) übt heftige Kritik an den ausgelegten Flächennutzungsplänen für Windräder auf der westlichen Weißen Trisch und am Dörrenbachwald/Buchwald bei Hengstbach. Aus natur- und artenschutzrechtlichen Gründen lehne man sie ab, ebenso weil sie gegen den Landesentwicklungsprogramms (LEP) verstießen. Das bekräftigten gestern der Zweibrücker Nabu-Vorsitzende Gerhard Herz, Schriftwart Christoph Domke und Beisitzer Herbert Kirchner bei einem Besuch in der Merkur-Redaktion. Zuvor hatten sie ihre deutliche Ablehnung gegen das noch bis zum Freitag, 12. Januar, im Rathaus ausgelegte Gutachten über die Ausweisung von zwei Vorranggebieten für Windräder im Rosenstadtgebiet beim Bauamt abgegeben: 13 Seiten, erarbeitet in den letzten fünf Wochen.

Punkt für Punkt werden darin die Argumente auseinander genommen, die das Planungsbüro Argus Concept auf 72 Seiten pro Windradbau formuliert hatte. Beim Dörrenbach- und Buchwald monieren die Naturschützer vor allem die Zahlen zur sogenannten Windhöffigkeit. Das bezeichnet, wie stark in einer bestimmten Höhe der Wind bläst, ob an der Stelle ein Windrad wirtschaftlich betrieben werden kann und damit genehmigungsfähig ist. Laut rheinland-pfälzischem Windatlas 2013 müsse der Wert in einer Höhe von 100 Metern zwischen 5,8 und 6,0 Metern pro Sekunde im Jahresdurchnschitt liegen. Für die Planungszone komme Argus aber sogar auf 150 Metern (je höher, von desto mehr Wind geht der Nabu aus) nur auf 5,5 m/s. Bei Waldgebieten müssten zusätzlich 0,2 bis 0,3 m/s abgezogen werden. „Nach den Richtlinien des Ministeriums bleibt das unter den geforderten Größen“, sagt Herz.

Außerdem müsse die Fläche sogar in Ausnahmefällen mindestens 15 Hektar umfassen, um ausgewiesen zu werden. Da die reine Buchwaldfläche per se zu klein wäre, musste noch ein Teil des Dörrenbachwaldes aufgenommen werden. So kam man auf 27,4 Hektar. Doch die könnten laut Nabu so nicht stehen bleiben: Erstens liege ein Großteil der Planungsfläche im Buchwald wegen eines Gefälles dort gar nicht in der genannten Höhe zwischen 280 und 320 Metern Höhe. Diese Fläche müsse man streichen, erklärt Herz. Außerdem müssten die Flächen jeweils 120 Meter breit sein. Die Rotorflügel dürften beim Drehen nicht aus der genehmigten Zone ragen. „Daher müssen weitere zu schmale Randflächen herausgerechnet werden“, betont Herz. Folge: Dörren- und Buchwaldfläche lägen über 500 Meter auseinander und wären daher gar nicht mehr als gemeinsames Gebiet anzusehen. Es blieben nur rund zwölf Hektar genehmigungsfähige Fläche – viel zu wenig, laut Nabu. „Rein rechnerisch schon ist die ganze Geschichte fragwürdig“, fasst Herz zusammen.



Abgesehen davon kämen dort zahlreiche Tiere vor: Es sei ein Kernraum für die Wildkatze, der Rotmilan, Vogel- und mehrere Fledermausarten wurden dort nachgewiesen. All das erzwinge eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Doch Argus Concept habe das aus unerklärlichen Gründen nicht aufgelistet, so Herz. Auch richteten die Zuwegungen durch den Dörrenbachwald unter anderem „irreparable und nicht ausgleichbare Schäden an Flora und Fauna“ an – wie es schon die BI „Pro Dörrenbachwald moniert hatte (wir berichteten). „Das Gutachten erweckt mit seinen 72 Seiten den Eindruck, man habe alles untersucht. Doch es ist im Detail ungenau“, umschreibt es Christoph Domke sehr diplomatisch.

Bei der Weißen Trisch gelingt das nicht mehr. Hier hat Argus eine unerklärliche Kehrtwende vollzogen. Der Nabu-Hauptkritikpunkt hier: Dort wo sich einmal Windräder drehen sollen, ist weiterhin die Hauptflugzone etwa der Rotmilane aus ihren Brutgebieten in der Biosphäre zu den Futterplätzen auf der Mörsbacher Deponie und zurück. Das hatte zwischen 2011 und 2013 das Büro Ecorat nachgewiesen, als dort schonmal Windräder geplant waren. Argus Concept hatte sich diesem Gutachten angeschlossen und erklärt, dass die Räder wegen des unvertretbaren Tötungsrisikos für Rotmilane, Fledermäuse und co nicht gebaut werden dürften. So wurden anstatt elf Anlagen nur vier vorgeschlagen, alle außerhalb besagter Flugzone. Dieser Regelung hatte auch der Nabu zugestimmt. An dieser Situation habe sich nichts geändert, das neue Gutachten verschweige diese frühere Beurteilung aber. „Es ist nicht einzusehen, dass ein Gebiet, das 2013 vom Windradbau ausgenommen wurde, jetzt Vorranggebiet sein soll. Wir haben also gegen diesen Plan Einspruch erhoben“, so Herz.

Die Naturschützer betonen, dass ihre Einwände gegen beide Windradzonen nichts mit einer Verweigerungshaltung zu tun haben. Klugen Standorten stimme man zu – die aktuellen beiden seien das aber nicht. Bürger sollten sich bis Freitag ein Urteil bilden und die Unterlagen bei der Stadt eingehend studieren. Könne die Stadt keine Vorrangflächen ausweisen, führe das nicht zu einer ungezügelten Errichtung von Windrädern. „Dieselben gesetzlichen Bestimmungen, Ausschlusskriterien und Prozesse des Abwägens gelten für jedes Windrad, auch für das, was ein Investor abseits der ausgewiesenen Flächen stellen will“, sagt Herz.