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Mennoniten
Mutige Gemeinschaft leistete wertvolle Dienste

Renate Guth und Philipp Simmet mit der Tafel der Täufer-Spuren für das mennonitische Gemeindehaus in Ixheim. Weitere sollen in Zweibrücken und Umgebung angebracht werden.
Renate Guth und Philipp Simmet mit der Tafel der Täufer-Spuren für das mennonitische Gemeindehaus in Ixheim. Weitere sollen in Zweibrücken und Umgebung angebracht werden. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Das Täuferspuren-Projekt des Mennonitischen Geschichtsvereins zeigt die deutlichen Spuren der Glaubensgemeinschaft in unserer Region. Von Cordula von Waldow

Zweibrücken hat eine höchst geschichtsträchtige Umgebung im Blick auf die Historie der Mennoniten. Zahlreiche Höfe rund um Zweibrücken sind mennonitischen Ursprungs. Im Rahmen des Täuferspuren-Projekts des Mennonitischen Geschichtsvereins dokumentieren nach dessen Keimzelle im baden-württembergischen Kraichgau nun auch Informationstafeln an Gebäuden in Rheinland-Pfalz deren interessante Geschichte.

Als erste der acht Höfe und Einrichtungen im ehemaligen Herzogtum Zweibrücken, enthüllte kürzlich nach einem Festakt die mennonitische Gemeinde in Ixheim ihre Tafel, die künftig außen am Gemeindezentrum der Freikirche zu sehen sein wird. Weitere Standorte, an denen im Anschluss die jeweiligen Tafeln enthüllt wurden, sind die Bibliotheca Bipontina ob ihres reichen Schatzes an Literatur über die mennonitische Geschichte und die Lebensweise der Täufer sowie der Wahlerhof bei Hengstbach. Hier referierte der pensionierte Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, Roland Paul, über dessen Geschichte. Weitere Tafeln werden in naher Zukunft am Kirschbacher Hof, dem Heckenaschbacher Hof, dem Werderhof, dem Hofgut Monbijou sowie dem Ransbacherhof bei Kröppen installiert.

Den Festakt vor rund 60 Gästen eröffnete der Vorsitzende der gastgebenden Mennoniten-Gemeinde Zweibrücken, Philipp Simmet (32), mit der Frage: „Was bedeuten Spuren, die andere vor uns hinlassen haben, für uns und für unsere Zukunft?“ Astrid von Schlachta, Vorsitzende des Mennonitischen Geschichtsvereins und Leiterin der Forschungsstelle, skizzierte in einer erfrischenden Rede die Historie der Mennoniten im ehemaligen Herzogtum Zweibrücken und erläuterte das Täufer-Spuren-Projekt.



Begonnen wurde der „Täufer-Pfad“ im Baden-Württembergischen Kraichgau und soll jetzt über Rheinland-Pfalz und das Elsass bis in die Schweiz als Ursprungsland der Glaubensrichtung führen. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 fanden die Täufer Aufnahme im Herzogtum Zweibrücken, um das entvölkerte, brach liegende Land zu bewirtschaften. „Es war Eigennutz des Herzogs, keine Nächstenliebe“, beschrieb Astrid von Schlachta die Einschränkungen im Glaubensleben.

Dennoch spalteten sie sich über Glaubensfragen in Mennoniten und Amische auf. Letztere wanderten vielfach nach Pennsylvania/USA aus. Die letzte Amisch-Gemeinde auf deutschem Boden war in Zweibrücken und ging schließlich in der Mennonitischen Gemeinde auf, wie auf der neuen Tafel am Gemeindezentrum zu lesen ist.

Die Flüchtlinge aus der Schweiz und dem Elsass erwiesen sich als innovative Landwirte und reformierten mit neuen Methoden nachhaltig den Ackerbau. Eine Fundgrube der damaligen, von Mennoniten verfassten Fachliteratur, ist die Bibliotheca Bipontina. „Das ist ein unschätzbares Erbe, das in unserer Region deutlich wird“, unterstrich deren Leiterin, Sigrid Hubert-Reichling. Sie skizzierte die Werte, die der Täufer-Glaube spiegele: Zusammenhalt, Kritikfähigkeit, Hilfsbereitschaft und den Mut, sich ständig Neuem zu stellen.

Die Standortleiterin des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz erinnerte, in Vertretung der erkrankten LBZ-Leiterin Annette Gerlach, an die große Mennoniten-Ausstellung 2015 in der Bipontina. Sie habe den Grundstein gelegt für die Vorarbeit zu den Informationstafeln. Über zwei Jahre lang hatte sich Renate Guth hinter den Kulissen für das Projekt vor Ort engagiert. Dank ihres enormen Einsatzes konnte es jetzt realisiert werden. Bevor sie feierlich die Tafel im Gottesdienstraum enthüllte, gab der Hausherr, Pfarrer Eckhardt Gab, einen Einblick über das Leben der mennonitischen Gemeinde heute. „Wir wollen ein Erbe antreten, kein Museum übernehmen“, betonte er.

Das will auch das Projekt des Mennonitischen Geschichtsvereins. „Die „Täuferspuren“ laden ein, die Geschichte der Täufer zu erwandern, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto zu „erfahren“. Bis 2025 soll ein „Täufer-Polyglott“ als informativer Reiseführer entstehen.

www.täuferspuren.de