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Müllverträge: Pirmann lehnt SWR-Interview ab

 Die asbesthaltigen Müll-Lieferungen an die Deponie Mörsbach sorgen für Diskussionen. Viele fürchten um ihre Gesundheit. Unser Symbolfoto zeigt einen Lastwagen an der Deponie. Foto: pma/thw
Die asbesthaltigen Müll-Lieferungen an die Deponie Mörsbach sorgen für Diskussionen. Viele fürchten um ihre Gesundheit. Unser Symbolfoto zeigt einen Lastwagen an der Deponie. Foto: pma/thw FOTO: pma/thw
Zweibrücken. Vor der Kommunalwahl vor einem Jahr wollte Oberbürgermeister Kurt Pirmann umstrittene Müllerverträge mit italienischen Zulieferern „canceln“. Jetzt will er nur vom SWR falsch wiedergegeben worden sein. Der Sender fragte vor diesem Hintergrund um ein Interview an – Pirmann lehnte ab. Eric Kolling

Die Bürgerinitiative Mörsbach (BI) kritisieren Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) für die öffentliche Kehrtwende in Sachen italienischer Müllerverträge. "Wir sind sehr enttäuscht. Wir hatten zumindest in diesem Punkt gehofft, dass der OB sein Versprechen hält und dafür sorgt, dass die Verträge gekündigt werden", äußert sich BI-Vorsitzender Dennis Nizard. Pirmann hatte vor einem Jahr vor laufender Kamera in einem SWR-Beitrag in "Zur Sache Rheinland Pfalz" in Aussicht gestellt, die bis 2016 laufenden Verträge mit italienischen Müllzulieferern zu canceln. Nun nahm er von der Aussage Abstand (wir berichteten) - er habe lediglich für den Fall einer Gesundheitsgefährdung fürs Kündigen plädiert. Diesen Halbsatz habe der SWR nicht gesendet. Der SWR-Macher des damaligen Beitrags, Jörg Armbrüster, sowie seine Redaktion, befinden sich in Osterurlaub und waren daher gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Allerdings recherchiert SWR-Redakteur Markus Grewe für einen diese Woche in der Sendung "Landesschau" vorgesehenen Beitrag rund um die Mülldeponie Mörsbach. Pirmann habe er in diesem Zusammenhang um ein Interview angefragt, auch um ihn mit seinen neuerlichen Aussagen zu konfrontieren, doch das sei abgelehnt worden: Pirmann wolle sich zu dem Sachverhalt nicht äußern. Sprecher Heinz Braun erläuterte die Ablehnung damit, dass es sich um ein "laufendes Verfahren" handele. So müsse etwa abgewartet werden, welche Ergebnisse die Schadstoff-Messstationen liefern, die der Umwelt- und Servicebetrieb ab 1. April um die Deponie in Betrieb nehmen will. Außerdem habe SWR-Redakteur Grewe mit UBZ-Chef Boßlet gesprochen. Laut BI-Chef Dennis Nizard hat auch der von ihm angefragte SWR das damalige Rohmaterial aufgrund der aktuellen Entwicklung erneut gesichtet. Den Satz, dass Pirmann die Verträge nur bei gesundheitlicher Gefährdung kündigen wolle, habe niemand gefunden. Die BI moniert, dass der OB vor der Stadtratswahl gesagt hatte, er wolle Frieden mit der Bevölkerung und nach der Wahl behauptet, solche Äußerungen nie getroffen zu haben und dem SWR unterstellt, ihn falsch zitiert zu haben.

Derweil warnt die zweite BI-Vorsitzende Julia Igel, die auch Ärztin ist, vor der möglichen Gesundheitsgefahr von Asbestlieferungen an die Mülldeponie. Auf der Deponie lagerten über 150 000 Tonnen Asbest, auch aus Italien . Igel: "Für asbestassoziierte Tumorerkrankungen wie etwa das Pleuramesotheliom gibt es keinen unteren Grenzwert einer schädlichen Faserkonzentration. Eine einzelne eingeatmete Faser kann bereits eine solche Erkrankung auslösen, dies oft erst nach 20 bis 25 Jahren. Im Gegensatz dazu braucht es für eine Asbestose, eine Asbeststaublungenerkrankung, relativ hohe Faserkonzentrationen über einen längeren Zeitraum, was vor allem in der Asbestgewinnung und -verarbeitung relevant ist." Aufgrund von Berichten von UBZ-Mitarbeitern über nicht vorschriftsgemäßen Umgang mit den angelieferten Asbestzementplatten, bei dem die Anliefersäcke, sogenannte Big-Bags, aufgerissen und teils zerbrochene Platten mit Raupen zusammengeschoben worden seien, befürchtet Igel, dass die Mitarbeiter durch freigesetzte Asbestfasern bereits deutlich gefährdet sind. Vor allem wenn diese Beschäftigten Raucher seien, hätten sie ein statistisch erhöhtes Risiko für eine asbestbedingte schwere Erkrankung. Auch seien die vorgeschriebenen Überdruckkabinen in den Arbeitsmaschinen erst 2014 nachgerüstet worden, obwohl die Deponierung großer Mengen italienischen Asbestzements bereits seit Jahren erfolge.

UBZ-Chef Werner Boßlet blieb gestern zu der Sache den erbetenen Rückruf schuldig.