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Ehemaliger Pächter mit Unverständnis
Minigolf-Anlage sorgt für Diskussionen

Die Minigolf-Anlage an der Schließ.
Die Minigolf-Anlage an der Schließ. FOTO: Milena Lahmeyer / Milena LahmeyerMelina
Zweibrücken. Ehemaliger Betreiber kritisiert Gewobau für Schließungspläne: Einrichtung lasse sich sehr wohl rentabel betreiben. Von Mathias Schneck

Das drohende Aus der Minigolf-Anlage an der Schließ sorgt für Gesprächsstoff in Zweibrücken. Nachdem der Merkur am Dienstag über die Überlegung des Betreibers der Anlage, der Gewobau, berichtet hatte, die Anlage im Herbst 2018 zu schließen, wenn sich die Zahl der Besucher nicht deutlich steigert, meldete sich ein früherer Pächter der Anlage zu Wort.

Patrick Lang, von 2004 bis 2013 Betreiber, drückte in seiner schriftlichen Stellungnahme seine „Betroffenheit“ und „Verwunderung“ über die Überlegungen der Gewobau aus. Er widerspricht dem kommunalen Unternehmen energisch, dass die Anlage nicht rentabel zu betreiben sei. Mit Blick auf die Erklärung der Gewobau, die Anlage sei 2017 an 56 Tagen geöffnet gewesen, erklärt Lang (der hauptberuflich als Meteorologe für den Deutschen Wetterdienst arbeitet): „In einer durchschnittlichen Saison von April bis Mitte Oktober gibt es rund 195 mögliche Öffnungstage. Es muss Petrus schon arg mit den Minigolfern meinen, wenn man den Platz an lediglich 56 Tagen, also weniger als einem Drittel, öffnet. Für Minigolf braucht man schließlich kein Azorenhoch und strahlenden Sonnenschein.“

Hier endet der Parcours.
Hier endet der Parcours. FOTO: Milena Lahmeyer / Milena LahmeyerMelina


Lang schlussfolgert: „Dass bei solch geringer möglicher Bespielbarkeit eine Wirtschaftlichkeit verneint wird, ist für mich keine Überraschung. An Sonn- und Feiertagen, die „Umsatzbringertage“ schlechthin, konnte ich bei gutem Wetter mit 150 bis über 200 Besuchern rechnen. Die Anlage war dann gut ausgelastet, an jeder Bahn standen große und kleine Minigolfer. Zehn Jahre konnte ich so vernünftige Umsätze erzielen“, dies sei „ein Vielfaches“ dessen gewesen, was die Gewobau genannt habe (diese hatte erklärt, 2017 nur noch 6550 Euro Umsatz dort gemacht zu haben, also durchschnittlich knapp 117 Euro am Tag; 2015 lag der Umsatz demnach noch bei knapp über 10 000 Euro, 2016 noch bei 7300 Euro).

Lang weiter: „Ich legte immer viel Wert auf die Außengestaltung der Anlage, der Besucher sollte sich wohlfühlen. Und Blumen verschönern nicht nur, sie tragen auch maßgeblich zur ,Wohlfühlatmosphäre’ bei. Eine Anlage auf dem neuesten Stand war nie der Anspruch meiner Gäste. Sie wollten in schöner, natürlicher und liebevoller Umgebung einfach eine gute Zeit haben.“

Diese Bahn zeigt: Die Anlage ist ziemlich in die Jahre gekommen.
Diese Bahn zeigt: Die Anlage ist ziemlich in die Jahre gekommen. FOTO: Milena Lahmeyer / Milena LahmeyerMelina

Nichtsdestotrotz habe er 2013 als Pächter der Minigolf-Anlage aufhören müssen. Dies habe aber daran gelegen, dass seine Frau und er die Gaststätte zum Campingplatz, die sie zusätzlich zur Minigolf-Anlage betrieben „aus wirtschaftlichen und privaten Gründen aufgeben mussten“. Die Gaststätte zum Campingplatz wich danach dem neu gebauten Wirtshaus mitsamt dem Biergarten; Pächter dieser Einrichtung, ebenso wie der Minigolf-Anlage ist seitdem der Zweibrücker Hotelier und Unternehmer Roland Zadra, den die Gewobau mit dieser Aufgabe beauftragt hat.

Wie sieht die Gewobau die Kritik von Patrick Lang? Rolf Holzmann, Geschäftsführer der Gewobau, sagt zu den 56 Öffnungstagen im vergangenen Jahr: „Der Platz war geöffnet, wenn das Wetter gut war.“ Es bringe nichts, den Platz zu öffnen, nur weil es beispielsweise nicht regne. Wenn es zu frisch sei, wenn ein starker Wind gehe, dann komme eben niemand, das habe die Erfahrung gezeigt.

Holzmann betont, dass es aber nicht das Wetter gewesen sei, das der Anlage letztendlich zugesetzt habe – sondern schlicht und ergreifend der mangelnde Zuspruch. Heißt das also, dass die Tage der Minigolf-Anlage tatsächlich gezählt sind? Das liege allein an den Besuchern, sagt der Gewobau-Geschäftsführer. „Vielleicht gibt es ja tatsächlich ein Umdenken, vielleicht kommen dieses Jahr jetzt doch plötzlich so viele Besucher, dass sich das Betreiben der Anlage lohnt“, sagt Holzmann. Aber so recht daran glauben mag er, mit Blick auf die vergangenen Jahre, nicht. Also keine Zukunft für die Anlage? „Die Chancen stehen schlecht“, meint der Gewobau-Chef.

Und die Alternative? „Wie wir bereits in unserer Pressemitteilung zu Beginn der Woche geschrieben haben: Alternativ kommen weitere Ferienhäuser in Betracht.“ Es gebe bereits das ehemalige Wärterhäuschen an der Schließ, das seit einigen Jahren als Ferienwohnung an Urlauber vermietet wird. Mit der Nachfrage dort ist die Gewobau offenkundig zufrieden und überlegt deshalb, das Angebot zu erweitern. Aber es sei ja zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen worden, erinnert Holzmann an die Pressemitteilung der Gewobau. Darin hatte das Unternehmen die Bürger um Vorschläge gebeten, was auf der rund 2000 Quadratmeter großen Fläche realisiert werden könnte, wenn die Minigolf-Anlage nicht mehr existiere. „Wir wollen jetzt erst einmal abwarten, welche Vorschläge die Bürger machen. Wer weiß, vielleicht gibt es Ideen, die so gut sind, dass wir sagen: Statt der Ferienhäuser setzen wir diesen Vorschlag um.“

Bürger, die eine Idee für eine Alternative haben, können diese der Gewobau mitteilen, das Unternehmen sammelt in den nächsten Monaten die Vorschläge, was auf dem Areal verwirklicht werden könnte. Adresse: Gewobau GmbH, zu Händen Frau Weber, Schloßplatz 11, 66482 Zweibrücken).

Eine Sanierung der Anlage täte not, wie auch dieses Foto zeigt.
Eine Sanierung der Anlage täte not, wie auch dieses Foto zeigt. FOTO: Milena Lahmeyer / Milena LahmeyerMelina