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Arbeitskampf
Metall-Industrie: Warnstreik in Zweibrücken

Schon früh morgens trotzten Warnstreikende bei John Deere Regen und Kälte.
Schon früh morgens trotzten Warnstreikende bei John Deere Regen und Kälte. FOTO: IG Metall / IG Metall Homburg-Saarpfalz
Zweibrücken. Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern fehlenden Respekt und mangelnde Wertschätzung vor.

Als historisch bezeichnete Ralf Cavelius den 24-stündigen Warnstreik von 2800 Beschäftigten gestern in Zweibrücken. „Sollen sie doch Papier beschriften“, rief der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz den Mitarbeitern von Terex, John Deere und Pallman zu, die sich für einen Tag im Ausstand befanden. Damit erreichte der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie in der Region seinen vorläufigen Höhepunkt. Der Streik begann um sechs Uhr mit der Frühschicht. Bereits zuvor verschafften die Gewerkschafter sich mit einer Sirene lautstark Gehör, was den Besuch einer Polizeistreife zur Folge hatte, wie ein Gewerkschaftsvertreter berichtete. Die Beamten hätten das Ganze aber völlig locker gesehen und gefragt, ob sie sich die Sirene ausleihen dürften, falls ihre mal kaputt sei.

„Ich habe eigentlich gar keinen Bock hier zu stehen“, klagte Marc Möller, IG-Metall-Vertrauensleute-Vorsitzender bei John Deere bei seiner Ansprache während der Kundgebung in der Zweibrücker Festhalle. Mit scharfen Worten griff der Funktionär die Arbeitgeber an: „Je länger sie uns im Regen stehen lassen, je größer wird unsere Erwartungshaltung.“ Während die Unternehmen immer stärker Flexibilität von ihren Mitarbeitern forderten, gewährten sie diese auf der anderen Seite selber nicht, wenn beispielsweise jemand für die Betreuung eines Kindes oder Pflegebedürftiger frei machen müsse: „Die Arbeitgeber sind auch Teil der Gesellschaft und müssen Verantwortung tragen. Das einzige, was sie aber tragen, sind ihre Geldsäcke nach Hause.“ Eine solche Geschlossenheit und Entschlossenheit bei der Belegschaft wie in diesen Tagen habe er noch nie erlebt.

Auch Terex-Bertriebsratschef Eduard Glass sprach von einer unglaublichen Welle der Solidarität: „Was wir fordern, ist ja nicht viel.“ Die Forderungen nannte dann Jörg Köhlinger, Bereichsleiter der IG Metall-Mitte (Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen und Hessen). Neben sechs Prozent mehr Lohn und Ausbildungsvergütung sei dies eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 28 Stunden für bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, Eltern oder pflegende Angehörige. Diese sollten einen Teil ihres entgangenen Lohns ausgeglichen bekommen. Gerade Letzteres sei von den Arbeitgebern strikt abgelehnt worden. Es seien Worte wie „Schlaraffenland“ oder „Geld fürs Nichtstun“ gefallen. „Hier sieht man, dass bei denen Respekt und Wertschätzung völlig fehlt“, empörte sich Köhlinger, der an den bisherigen Verhandlungen selbst teilgenommen hat.



Er berichtete von „Trippelschritten“ der anderen Seite. Das letzte Angebot von 3,5 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von 27 Monaten reiche nicht einmal, um die Preissteigerung auszugleichen. Dabei sei die Forderung der IG Metall finanzierbar. Das sei nur den Beschäftigten zu verdanken, die schließlich die Gewinne erarbeitet hätten.

Bis Freitag wird laut Ralf Reinstädtler, erster Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz, in sechs Betrieben der Verwaltungsstelle jeweils 24 Stunden gestreikt. 

Viel los war bei der Streikversammlung in der Festhalle.
Viel los war bei der Streikversammlung in der Festhalle. FOTO: Norbert Rech